LOCH IN DER WANDDEKORATION: In der Schützle-Unterführung sind Fliesen nach unten gekracht. | Foto: Fix

Denkmalgeschützte Fliesen

Scherbenhaufen in der Unterführung

Spannungen dürften die Ursache für einen Schaden sein, der das städtische Tiefbauamt jetzt für geraume Zeit beschäftigen wird: In der so genannten Schützle-Unterführung zwischen Marktplatz und Theater ist über Weihnachten ein Teil der Fliesen runtergekracht. Das wäre vermutlich nicht weiter problematisch, wäre die Wandverkleidung nicht so besonders, die da 1969 angebracht wurde. Ungewöhnlich in Form und Farbe haben es die Keramikteile bereits in den Denkmalschutz geschafft. Entsprechend kompliziert dürfte es für Martin Schäfer vom Grünflächen- und Tiefbauamt werden, den Schaden zu behaben.

Reaktion auf Temperaturschwankungen

Es war irgendwann an Heiligabend, als jemand auf den Scherbenhaufen aufmerksam wurde, der sich mitten in der Unterführung aufgetürmt hatte. Nach den Berechnungen von Schäfer sind etwa vier Quadratmeter Fliesen spontan nach unten gestürzt. Er geht davon aus, dass Untergrund und Dekorationsplatten auf Temperaturschwankungen unterschiedlich reagieren. Dieses Nebeneinander kombiniert mit starren Zementfugen an der Decke und am Fußboden schwäche die Haftung. Der Vorgang dürfte Jahre gedauert haben, aber irgendwann gibt es eben keinen Halt mehr.

Nackte Wandfläche

Indiz dafür ist unter anderem, dass auch andere Fliesen nur noch dürftig befestigt an der Wand hingen. Sie wurden am Mittwoch nach einer Begutachtung des Schadens von den Technischen Diensten gelöst. Insgesamt liegen jetzt 15 bis 18 Quadratmeter Wandfläche nackt.
Wie lange das so bleibt, ist für Schäfer schwer zu beantworten. Der Bauingenieur muss jetzt erst einmal heraus finden, wer den charakterstarken Wandbelag kreiert hat und wo er hergestellt wurde. Bei der Suche nach Ersatz will er sich des Fachmanns bedienen, der schon bei der Sanierung der Bahnhofsunterführungen hilfreich war und bis zum Herstellerkontakt alles gemanagt hat. Außerdem muss die Ursachenforschung vertieft werden. Es lasse sich beispielsweise nicht sagen, ob die Fuge zur Decke tatsächlich starr ist oder doch schon – wie heute üblich – dauerelastisch angelegt wurde. Die Decke in der Unterführung wurde abgehängt. Hinzu kommt das Klebeverfahren. Die Fliesen wurden in einem Dickbettverfahren in Mörtel verlegt. Dass hier die Haftkraft mit den Jahren abnimmt, zeigt sich auch in älteren Häusern, sagt der Fachmann.

Zeitintensive Schadensbehebung

Die Arbeit mit den Fliesen hatte an Heiligabend übrigens zunächst die Feuerwehr. Dort wurde der Schaden gemeldet. Nachdem die Unterführung gesichert war, rückten die Feiertagskräfte der Technischen Diensten zum Aufräumen an. Dazu gehört auch, die Fliesen zu sichern, die den Sturz auf den Boden oberflächlich unbeschadet überstanden. Viele sind es nicht. Bei den zu erwartenden, aber zum aktuellen Zeitpunkt „schwer zu schätzenden“ Kosten dürften sie ohnehin keine Rolle spielen. Schäfer geht von einem Betrag irgendwo im vierstelligen Bereich aus. Auch zeitlich wird sich die Unterführung wohl als anspruchsvoll erweisen. Der Fachmann schätzt, dass es mindestens ein halbes bis dreiviertel Jahr dauern wird, bis der Schaden behoben ist.