FILIGRANE OPULENZ zeigte Leo Wittwer im vergangenen Jahr bei der großen Modeschau, mit der die Inhorgenta mittlerweile punktet. | Foto: Kopf

Juweliere auf Einkaufstour

Schmuck- und Uhrenmessen: Gliederketten aus dem Nordschwarzwald sind ein großes Thema

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Echt, sauber und handwerklich perfekt sollen Schmuck und Uhren dieser Tage sein. Diesen Trend nehmen Juweliere und Fabrikanten aus dem Weihnachtsgeschäft mit nach München, wo sie sich von Freitag bis Montag auf der Schmuck- und Uhrenmesse Inhorgenta treffen.

Wer in diesen Preisklassen unterwegs ist bei den Einkäufern und den über 1.000 Ausstellern, darunter rund 90 aus Pforzheim und dem Nordschwarzwald, kommt in guter Stimmung in die bayrische Metropole, heißt es bei den Branchenverbänden. Trendschmuck dagegen habe es schwer: Silber sei rückläufig, die nahezu ein Jahrzehnt lang gehypten Sammelstücke scheinen die Gunst des Publikums verloren zu haben.

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Ordentlicher Jahresauftakt für Schmuckfabrikanten

Einen Vorgeschmack auf einen entspannten Auftritt in München bringen die Produzenten von wertigem Goldschmuck von der Messe in Pforzheims Partnerstadt Vicenza mit. Der Jahresauftakt dort „war ordentlich“, ist sich Geschäftsführer des Bundesverbands Uhren und Schmuck, Guido Grohmann, mit etlichen Ausstellern einig. Hinzu kommt, dass die Inhorgenta für Juweliere mittlerweile „existenziell und alternativlos“ ist. Das Angebot stimmt, egal ob Einsteigerschmuck oder die ganz großen Preziosen gefragt sind.

 

Die Einschätzung vom Geschäftsführer des Handelsverbands der Juweliere, Joachim Dünkelmann, hat auch viel mit der uhrenlastigen Messe Baselworld vom 30. April bis 5. Mai zu tun. Dieser neue Termin nach Ostern für die im Gegensatz zu München publikumsoffene Messe ist zu spät für den Fachhandel, meint zum Beispiel der Wiernsheimer Perlenspezialist Jörg Gellner. Die Lager sind dank des guten Endjahresgeschäfts eher leer. Außerdem kämpft die Konkurrenz zur Inhorgenta trotz Neuausrichtung mit Akzeptanz im Schmuckbereich.

 

Trotz Kummerpunkten, Schmuck und Uhren schlagen sich gut
Guido Grohmann, Geschäftsführer des Bundesverbands für Schmuck und Uhren in Pforzheim

Dafür hat sich die erfolgsverwöhnte Schweiz zusammengerauft im Angesicht von nicht mehr ganz so guten Zahlen beim Uhrenverkauf. Das stark internationale Publikum kann vom 26. bis 29. April den Genfer Uhrensalon besuchen und sich anschließend in Basel umschauen, vorausgesetzt es kommt überhaupt. Corona-Epidemie, Brexit, nahezu permanent im Raum stehende Handelskonflikte beziehungsweise -schranken machen der Luxusgüterindustrie insgesamt zu schaffen.

Namhafte Uhrenfirmen kommen nicht hinterher mit dem Produzieren
Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere in Köln

„Trotz dieser Kummerpunkte, Schmuck und Uhren schlagen sich gut“, kommentiert Grohmann. Die Topmarken der Uhrenwelt trifft das ohnehin kaum. „Namhafte Firmen kommen nicht hinterher mit dem Produzieren“, erläutert Dünkelmann. Die Preise steigen.

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Insgesamt aber setzen Smartwatches die traditionelle Uhrenproduktion unter Druck. Beim Schmuck dagegen steigen die Umsätze. „Der Trend zum Höherwertigen macht es aus“, sagt Dünkelmann und verweist auf ein vom Statischen Bundesamt ermitteltes Plus von 2,8 Prozent. Weitere Zahlen dazu werden am Freitag veröffentlicht.

Sehnsucht nach bleibenden Werten

Auch die „Seitwärtsbewegung“ beim Uhrenumsatz ist nicht unbedingt zum Schaden des Fachhandels. Wer hier im hochwertigen Segment unterwegs ist und gute Serviceleistungen hat, kann auch bei digitalen Zeitmessern Exklusives bieten, heißt es beim Verband.

Daneben geht alles, was der Sehnsucht nach bleibenden Werten entspricht. Mechanische Uhren in zeitloser Eleganz für Mann und Frau zum Beispiel, im Businessstyle flach mit eher kleinem Durchmesser und schlichtem Zifferblatt. Auch die Neuauflage von Klassikern sowie ein Hauch guter alter Zeit und Abenteuer, als Retrodesign verpackt, entspricht diesem Trend, wenn auch weniger nachhaltig in Material und Verarbeitung.

Statementschmuck spielt eine dicke Nummer

Den kraftvollen Auftritt am Männerarm verspricht Statementschmuck für Ohr, Arm und Dekolleté. „Vor allem bei Modeschmuck und mit unedlen Materialien wird hinsichtlich der Größe aus dem vollen geschöpft“, beschreibt der Bundesverband Schmuck und Uhren.

Daneben zähle die Gliederkette in allen Größen und Varianten zu den Musts des Jahres. Das inzwischen superteure Gelbgold bleibt dabei des Material der Wahl. Ein Gewinner des Dieselskandals könnte hier aber eine Alternative sein, für Trauringe zum Beispiel: Platin. „Es ist weniger nachgefragt und deshalb unterbewertet“, erläutert Grohmann, das in Katalysatoren für Benziner verbaute Palladium dagegen steigt im Preis.