Andreas Renner (rechts) führte die Insel-Grundschule als Konrektor über ein Jahr kommissarisch, ehe er 2016 offiziell Schulleiter wurde. | Foto: Ehmann

Diskussion um Vakanzen bei Rektorenstellen

Schulstandort Pforzheim zu unattraktiv?

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Der Artikel „Wenn die Schule ohne Kopf dasteht“ hat auf der Facebook-Seite des Pforzheimer Kurier zu Diskussionen über den Alltag an Pforzheimer Schulen und die Besoldung von Schulleitern geführt. Wie berichtet, teilte das Staatliche Schulamt Pforzheim auf Anfrage mit, dass derzeit sieben Leitungspositionen im Stadtgebiet unbesetzt sind. „Will denn niemand mehr eine Schule in Pforzheim leiten?“, lautete die zugespitzte Frage auf Facebook. „Zu viel Verantwortung für zu wenig Besoldung, ganz einfach ist das“, meint ein Mitglied. Eine andere Nutzerin schreibt: „Es sind die Rahmenbedingungen, die nicht stimmen, und Pforzheim ist nun wirklich nicht gerade reizvoll. Ich arbeite selbst mit Kindern in Pforzheim. Ja, das Niveau lässt nach, aber schon länger.“

Fillbrunn: Vakanzen so kurz wie möglich halten

Das Problem der Vakanzen betrifft Schulen in ganz Baden-Württemberg. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat deshalb kürzlich ein Strategiepapier zur Stärkung der Schulleiter vorgelegt. Der neue Pforzheimer Schulbürgermeister Frank Fillbrunn sagt dazu: „Eine Erhöhung der Besoldung lässt natürlich eine Stelle attraktiver werden, weshalb wir es als Schulträger begrüßen, dass sich das Land dieser Angelegenheit annehmen möchte.“ Die Bemühungen der Ministerin um die Stärkung von Schulleitungen befürworte er. Gleichwohl ist Fillbrunn der Meinung, dass unbesetzte Stellen immer zu einer „erhöhten Belastung“ der Kollegen führten, „weshalb dieser Umstand so kurz wie möglich gehalten werden sollte“.

Schulstandort Pforzheim zu unattraktiv?

Mit Blick auf die Schulleiterbesetzungen in jüngster Zeit könne der Sozialdezernent „in keiner Weise den Rückschluss ziehen, dass es Pforzheim an Attraktivität mangeln sollte“. Woran liegt es dann, dass in Pforzheim durchschnittlich nur 1,5 Bewerbungen auf eine Stelle kommen? „Es lassen sich keine Gründe, die auf den Standort Pforzheim zu beziehen wären, spezifizieren“, schreibt das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe. „Dem Regierungspräsidium Karlsruhe liegen keine Hinweise auf einen schlechten Ruf des Schulstandorts Pforzheim vor“, so Sprecherin Irene Feilhauer.

Gewerkschaftler kritisiert Besoldung

Joachim Eichhorn, Mitglied im Kreisvorstand der Gewerkschaft für Bildung Pforzheim/Enzkreis, problematisiert das große Gefälle zwischen der vergleichsweise geringen Besoldung einer Grundschulleitung ab Gruppe A12 und eines Realschulrektors ab A15. So liegt das Einstiegsgehalt eines Grundschulrektors (bis 80 Schüler) bisher bei 3 600 Euro brutto plus Zulage. Bei mehr als 80 Schülern rutscht der Schulleiter in A13 und bekommt rund 450 Euro mehr. „Die Besoldung der Schulleitungen wird durch das Landesbesoldungsgesetz geregelt“, sagt Feilhauer. Bei diesem sieht nun offenbar auch Ministerin Eisenmann Nachbesserungsbedarf.
Indes sagt das Regierungspräsidium: „Die Anzahl der Bewerbungen auf eine Rektorenstelle an einer Grundschule in A12 zuzüglich Amtszulage und einer Realschulrektorenstelle in A15 unterscheiden sich nicht. Eine Kausalität zwischen Besoldung und Attraktivität ist insofern nicht abzuleiten.“

Ähnliche Entwicklung in Karlsruhe

Ein Blick über die Kreisgrenze zeigt eine ähnliche Entwicklung: Im Bereich des Staatlichen Schulamts Karlsruhe haben sich Feilhauer zufolge im vergangenen Schuljahr auf 46 Schulleiterstellen 66 Personen beworben. Dies entspricht einem Durchschnitt von 1,4 Bewerbern pro Stelle. Um die Stellen zeitnah zu besetzen, führe das RP, ebenso wie die Staatlichen Schulämter, ein Informations- und Vorqualifizierungsprogramm für interessierte Lehrkräfte an Schulleitungsaufgaben durch.

Vergnügungssteuerpflichtig ist das nicht

Dass die kommissarische Leitung einer Schule an die Substanz gehen kann, weiß auch Andreas Renner. Er hat die Insel-Grundschule ab September 2014 als Konrektor geführt, bis er im Mai 2016 offiziell Schulleiter wurde und wenig später eine Konrektorin hinzukam. Die geringe Besoldung sieht Renner ebenfalls kritisch. Ein Grundschulrektor verdiene im Verhältnis zu den Lehrkräften nur geringfügig mehr. Diese geringe Mehrbezahlung werde der großen Verantwortung nicht gerecht, so Renner. Zum Einstiegsgehalt in A12 sagt er: „Vergnügungssteuerpflichtig ist das nicht.“ Man sei als Grundschulrektor eine „eierlegende Wollmilchsau“. Renner vergleicht die Position mit der Leitung eines Kleinunternehmens.

Beispiel im Enzkreis

Das Problem der Vakanzen ist nicht nur im Stadtgebiet bekannt. Joachim Eichhorn nennt die Grundschule in Enzberg als Beispiel. Dort sei die Rektorenstelle seit zwei Jahren unbesetzt. Carolin Krauth, Leiterin der Kieselbronner Grundschule, führt die Enzberger Bildungseinrichtung kommissarisch. Die Stelle sei mehrfach ausgeschrieben worden, so Eichhorn.