Pforzheim Stadt
EINE KANDIDATUR MIT WEITBLICK strebt Pforzheims Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler an. Wenn Pforzheim – hier der Blick über die Stadt in Richtung Westen – die Region Nordschwarzwald einbindet, dann könne eine Kandidatur für den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ erfolgreich sein. | Foto: Fix

Bürgermeisterin will Bewerbung

Schwarzwald als Trumpfkarte: Pforzheim soll Kulturhauptstadt werden

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Trotz teils krasser Kritik und hohen Schulden: Pforzheims Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler treibt weiter eine mögliche Bewerbung der Stadt Pforzheim  als „Kulturhauptstadt Europas 2025“ voran. Gegenüber Pressevertreter erläuterte sie gemeinsam mit Kulturamtsleiterin Angelika Drescher die bisherigen Überlegungen im Kulturdezernat. Und siehe da: Ihre Argumente können sich durchaus sehen lassen.

Kulturhauptstadt Pforzheim – für viele undenkbar

Pforzheim als Kulturhauptstadt? Für viele ist das wohl undenkbar. Für Sibylle Schüssler nicht. Die Bürgermeisterin mit den Schwerpunkten Stadtentwicklung und Kultur lässt nicht locker.  Das Goldstadt-Jubiläum habe gezeigt, welch enormes Potenzial Pforzheim hat. Der Mehrwert der Kultur für den Wirtschaftsstandort sei in diesem Jahr besonders deutlich geworden. Schüssler: „Diese Erfolgsgeschichte gilt es jetzt fortzusetzen.“

Erfolg mit Kulturregion und Schwarzwald

Die Bürgermeisterin spricht von „Kulturregion“ und möchte für eine Bewerbung auch die Region Nordschwarzwald gewinnen, als Trumpfkarte gewissermaßen. Erste ermutigende Signale habe man bereits erhalten. Auch mit der Landesregierung habe man bereits Gespräche aufgenommen.
Das Thema war bereits kurz in der jüngsten Gemeinderatssitzung angesprochen worden und dort von Ratsmitgliedern mit Blick auf die angespannte Finanzlage der Stadt teils schroff abgelehnt.  Stadträtin Uta Golderer,  wie Schüssler Grünen-Parteimitglied, sprach gar von „Größenwahn“.

Angesichts der Gemengelage möchten wir zu einer Versachlichung der Debatte beitragen

„Angesichts der Gemengelage möchten wir zu einer Versachlichung der Debatte beitragen“, sagte Schüssler nun. Selbstverständlich müsse die Stadt Pforzheim ihren Haushalt konsolidieren. Denkverbote seinen aber unangebracht und letztlich auch finanziell schädlich, wenn sie eine Weiterentwicklung der Stadt behindern.
Kulturamtsleiterin Drescher bezifferte die Kosten einer möglichen Bewerbung, basierend auf Erfahrungswerten, auf „ein bis zwei Millionen Euro“.

Pforzheims Kultur-Bürgermeisterin Sibylle Schüssler | Foto: BNN-Archiv

Nach einer erfolgreichen Bewerbung könnte die Umsetzungsphase mit 40 bis 60 Millionen Euro zu Buche schlagen. Wobei womöglich nur ein Drittel der Kosten von der entsprechenden Region zu stemmen sei, so hieß es mit Verweis auf Fördermöglichkeiten aus Landes-, Bundes- und EU-Töpfen. Doch auch wenn Pforzheim bei der Bewerbung den Kürzeren zöge, seien positive Auswirkungen aus dem Bewerbungsprozess zu erwarten.

Enzkreis-Landrat Röckinger reagiert skeptisch

Dieser Prozess soll laut Schüssler vom Kulturdezernat in eine „strukturierten Kulturentwicklung“ eingebettet werden. Als nächstes will die Bürgermeisterin dem Kulturausschuss der Stadt sowie Oberbürgermeister Peter Boch konkretere Eckpunkte vorstellen. Schüssler betonte: „Die Entscheidung über eine Bewerbung liegt beim Gemeinderat.“ Ein entsprechender Beschluss müsste bis Ende kommenden Jahres gefasst werden.

Enzkreis-Landrat Karl Röckinger reagierte auf Anfrage von bnn.de verhalten: Grundsätzlich habe die Sache Charme. Er habe aber Zweifel daran, dass sich die Bewerbung in Pforzheim intern durchsetze.

Kulturhauptstadt Europas
Nach Berlin 1988, Weimar 1999 sowie Essen (mit dem Ruhrgebiet) 2010 darf Deutschland im Jahr 2025 wieder eine „Kulturhauptstadt Europas“ benennen. Bewerbungen angekündigt haben bisher Magdeburg, Nürnberg, Dresden, Chemnitz, Hannover, Hildesheim, Kassel und Koblenz.
Im Frühjahr 2019 muss die Bewerbung abgegeben werden, 2020 entscheidet eine internationale Jury. Der Titel wird seit 1985 jährlich von der EU vergeben, seit 2004 an mindestens zwei Städte. Auch kleinere Kommunen und Regionen sind inzwischen aufgerufen. Aktuell sind die dänische Großstadt Aarhus und das Hafenstädtchen Paphos auf Zypern die beiden Kulturhauptstädte. 2005 bewarb sich Karlsruhe um den Titel für das Jahr 2010 – damals obsiegte Essen. Die nächste Bewerbungsmöglichkeit für deutsche Städte ist erst wieder im Jahr 2036.