Verärgert und empört hat sich Rektor Joachim Eichhorn wegen des Meldeportals Luft gemacht und fordert Lehrer und Kollegen auf, seinem Beispiel zu folgen. Foto: PK

Reaktion auf Meldeplattform

Selbstanzeige auf „Petz-Portal“

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Die Meldeplattform gegen Lehrer, die der AfD-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Kehl Stefan Räpple am Donnerstag freigeschaltet hat, löst bundesweit bei Verbänden, Parteien und auch Lehrern Proteste aus. Schüler können auf dem „Petz-Portal“ Lehrer melden, die ihrer Meinung nach im Unterricht gegen die AfD hetzen. In solchen Fällen will die Partei gegen die Betroffenen vorgehen – etwa mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Auch Studenten können dort Professoren anprangern.

Joachim Eichhorn, Rektor der Grund- und Werkrealschule der Kirnbachschule in Niefern, hat seiner Empörung mit einer „Selbstanzeige“ Luft gemacht. Auf dem Portal schreibt er: „Selbstverständlich stelle ich mich als Schulleiter der oben genannten Schule als Demokrat immer gegen Populisten, die sich der Nähe zu faschistoidem Gedankengut nicht schämen. Auch diese Denunziationsseite erinnert an Methoden totalitärer Regime. Schämen Sie sich!

Willkür Tür und Tor geöffnet

„Es hat mich so geärgert und empört, dass durch die Meldeplattform dem Denunziantentum und der Willkür Tür und Tor geöffnet wird. Ich finde das ein Skandal, dass es nach den Erfahrungen im Nationalsozialismus und in der DDR so etwas in Deutschland gibt“, erklärt Eichhorn gegenüber dem Pforzheimer Kurier den Grund für seine Meinungsäußerung auf dem Portal.

Rektor will Lehrern Angst nehmen

Der Rektor befürchtet, dass viele Lehrer nun Angst haben, von Schülern in der Meldeplattform angeschwärzt zu werden. Das sei durchaus ein Problem, zumal man nicht wisse, was die Partei mit den Daten anfange und was die Konsequenzen sein werden. Mit seiner „Selbstanzeige“ will er Kollegen und Lehrern diese Angst aber nehmen und fordert sie auf, seinem Beispiel zu folgen, also ihre Meinung auf dem AfD-Portal zu äußern – falls das Portal wie angekündigt nächste Woche wieder online ist. Derzeit ist die Internetseite nach einem mutmaßlichen Hackerangriff nicht erreichbar. Für seinen Schritt hat Eichhorn von Lehrern und Kollegen viel positive Rückmeldung bekommen.

Viel positive Reaktionen auf „Selbstanzeige“

Eine Aktion zum Thema kann er sich an der Kirnbachschule jedoch nicht vorstellen: „Das wäre zu viel Wertschätzung für die AfD. Das ist keine demokratisch legitimierte Partei, die ich akzeptiere.“ Seiner Meinung nach predige sie Intoleranz und verlasse mit der Aktion den Boden des Grundgesetzes. „Die Partei rüttelt mit ihrer Aktion eindeutig an den Grundfesten der demokratischen Erziehung“, empört sich der 59-jährige Rektor. Auch die Begründung von Räpple für die Meldeplattform lässt Eichhorn nicht gelten: Demnach sollen dem AfD-Landtagsabgeordneten Belege für Hetze gegen die Partei im Unterricht zugespielt worden sein. „Das ist nicht belegt“, entgegnet Eichhorn.

So gemein sind Schüler hoffentlich nicht

Dass die Schüler das Portal tatsächlich dazu nutzen, Lehrer anzuschwärzen, kann sich der Rektor auch nur schwer vorstellen: „So gemein sind Schüler hoffentlich nicht.“ Hinzu komme, dass zumindest die Werkrealschüler an der Nieferner Schule im politischen Thema so nicht drin seien und ganz allgemein ihre Meinung vom Elternhaus geprägt sei. Falls sie Probleme mit einem Lehrer haben sollte, gebe es andere Wege. Zunächst sollten sie das direkte Gespräch suchen. Das Thema AfD und Meldeplattform soll im Unterricht an der Kirnbachschule künftig aber thematisiert werden.

Gewerkschaft kündigt rechtliche Schritte an

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat allen Lehrkräften, die auf der Meldeplattform genannt werden sollten, ihre Unterstützung angeboten und kritisiert die „Spitzelmethoden“ der Partei. Dem schließt sich die GEW Pforzheim-Enzkreis an, deren Kreisvorsitzender Joachim Eichhorn ist. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hatte wie berichtet bereits am Mittwoch wegen der Meldeplattform rechtliche Mittel angekündigt. Eichhorn kann sich vorstellen, dass die GEW wegen Volksverhetzung und Denunziantentum ebenfalls rechtliche Schritte erwägt.