Markus Oppermann leitet seit diesem Schuljahr die Schanzschule, nachdem er sie zuvor als Rektor der Arlingerschule fast ein Jahr kommissarisch geführt hatte. | Foto: Wacker

Doppelbelastung an Pforzheimer Schulen

Sieben Führungspositionen unbesetzt

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Einige Pforzheimer Schulen stehen vor einer großen Herausforderung: Entweder sie werden kommissarisch geleitet oder es fehlt ein Konrektor. Der Pforzheimer Kurier hat beim Staatlichen Schulamt nachgefragt, welche Führungspositionen derzeit unbesetzt sind.

Demnach sind im Stadtgebiet sieben Stellen vakant. Bei der Grundschule Hohenwart ist der Schulleiter schon vor längerem in Ruhestand gegangen. Die Rektorin der Grundschule Huchenfeld, Rebecca Stralendorff, leitet laut Schulamt die Grundschule Hohenwart im vierten Jahr kommissarisch. „Der Schulträger möchte über die weitere Schulorganisation entscheiden“, sagt Volker Traub, Chef des Staatlichen Schulamts Pforzheim. Im Raum steht auch die Frage einer Fusion beider Grundschulen. Für eine Stellungnahme war Stralendorff nicht zu erreichen.

Auswahlverfahren beim Schulamt

Bernhard Müller, Konrektor der Buckenbergschule (Grundschule), wurde Leiter einer anderen Schule. Die Stelle wurde ausgeschrieben. „Aktuell liegen keine Bewerbungen vor“, so Traub. An der Insel-Werkrealschule steigt Klaudia Rupp von der Konrektorin zur Schulleiterin auf. Die Konrektorstelle wird jetzt ausgeschrieben. Ähnlich verhält es sich an der Osterfeld-Grundschule: Auch hier wurde der Konrektor (Martin Miester) zum Rektor befördert. Für den Stellvertreter-Posten liegen Traub zufolge Bewerbungen vor.

An der Otterstein-Realschule trat Konrektor Edgar Bechter in Ruhestand. „Das Auswahlverfahren läuft noch“, so der Leiter des Schulamts. Die Alfons-Kern-Schule (AKS) hat mit Birgitta Nick eine neue Schulleiterin gefunden. Allerdings sucht die Gewerbeschule einen Konrektor oder eine Konrektorin.  Bei den Gymnasien in Pforzheim gibt es keine Vakanzen, bestätigt ein Sprecher des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe auf Anfrage.

Arlingerschule ohne Rektor

Ohne Rektor steht derzeit die Arlingerschule (Grundschule) da. Denn der bisherige Chef Markus Oppermann wechselte zum neuen Schuljahr an die Schanzschule (Grund- und Werkrealschule).
Oppermann hatte die Schanzschule seit Oktober 2017 kommissarisch geführt, weil sowohl die Rektorin als auch die Konrektorin die Schule gewechselt hatten. Der Spagat zwischen zwei Schulen gehe schon an die Substanz, sagt Oppermann. „Aber man wird gefragt, ob man diese doppelte Aufgabenstellung übernehmen möchte.“

Innovationen sind da kaum möglich

Im vergangenen Schuljahr war er zwei Tage in der Woche an der Schanz- und drei Tage an der Arlingerschule. Verwaltungsaufgaben musste er doppelt erledigen. „Pingpong“ nennt er das Hin und Her. „Innovationen im pädagogischen Bereich sind da kaum möglich“, sagt er.
Dass überhaupt alles funktionierte, verdanke er einem gut funktionierenden Kollegium und Sekretariat. Die Doppelbelastung hat Oppermann nun nicht mehr, allerdings fehlt ihm an der neuen Wirkungsstätte ein Stellvertreter. Deshalb habe er vor Beginn des neuen Schuljahrs im Kollegium gefragt, wer ihn in den Ferien bei Aufgaben wie der Stundenplangestaltung unterstütze. Oppermann hatte Glück: Mehrere Lehrkräfte meldeten sich freiwillig.

Es könnten mehr Bewerber sein

Findet das Schulamt keine geeigneten Leute für Führungspositionen? „Grundsätzlich könnten es mehr Bewerber sein“, meint Volker Traub. Konkrete Gründe für ausbleibende Bewerbungen könne er nicht nennen. „Sicher spielen hierbei auch die große Aufgabenfülle, die Verantwortung, die Schulgröße und damit auch die Besoldung eine Rolle.“

Verdienen Rektoren zu wenig?

Eine Vakanz wirkt sich auf den Schulalltag aus. Davon ist Joachim Eichhorn, Mitglied im Kreisvorstand der Gewerkschaft für Bildung und Erziehung Pforzheim/Enzkreis, überzeugt. „Wir finden die Situation schrecklich. Eine kommissarische Schulleitung darf nur eine Notlösung sein.“
Für Eichhorn ist die Entlohnung der Chefposten in Schieflage geraten. Vor allem die Leitung einer Grundschule sei mit einer relativ geringen Besoldung im Vergleich zu anderen Schularten nicht attraktiv.

Immense Arbeitsbelastung

Generell bringe die Position eine „immense Arbeitsbelastung“ mit sich. Eichhorn stellt zudem einen Rückgang bei den Bewerberzahlen fest: Im Schnitt kämen auf eine Stelle nur 1,5 Bewerbungen. Der Pädagoge kennt die Doppelbelastung aus eigener Erfahrung. Er leitet die Kirnbach Grund- und Werkrealschule in Niefern-Öschelbronn und führte 2017 zusätzlich die Schule am Silahopp in Maulbronn ein halbes Jahr kommissarisch. Die Wahl fiel auf ihn, weil er früher schon Rektor an der Maulbronner Schule war. „Das war nur leistbar, weil das Team stimmte und weil ich dort die Abläufe kannte.“