In ihrer Backstube in ihrem Wohnhaus in Straubenhardt ist Siegrun Stütz seit vier Jahren in ihrem Element. Derzeit backt sie täglich mehrere Torten für das Pforzheimer „Goldstadt 250“-Pop-Up-Café. | Foto: Wacker

Chorleiterin wird Konditorin

Siegrun Stütz backt fürs Pforzheimer Pop-Up-Café

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Siegrun Stütz denkt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Ihre Energie muss irgendwo hin. Ins Tortenbacken zum Beispiel. Seit vier Jahren backt die 65-Jährige aus Straubenhardt-Schwann in ihrer eigenen Backstube. Für das Pop-Up-Café „Tortenspitze“ in der Pforzheimer Fußgängerzone, das zum Goldstadtjubiläum gehört und noch bis zum 10. September geöffnet ist, kreiert sie jeden Tag mehrere Torten. Bis zu ihrem 60. Geburtstag hatte sie ihr Leben allerdings der Musik gewidmet, als Leiterin von bis zu acht Chören zu Hochzeiten, wie sie erzählt. Ganz davon lassen kann sie bis heute nicht. Also verbindet sie Süßes und Musik, wenn es sich anbietet. Ihre Geschichte hat das Interesse des SWR geweckt, der sie am Mittwoch einen Tag lang begleitete.

Ich stehe derzeit um halb fünf Morgens auf

„Ich stehe derzeit um halb fünf Morgens auf, backe meist sechs bis acht Torten“, sagt Stütz. Die werden dann schnell von Straubenhardt nach Pforzheim gefahren, denn um 11 Uhr öffnet das Café. Dort wird sie tatkräftig unterstützt von ihrem Mann Otto Breuer, Freundin Sigrid Flachenecker und vielen ehrenamtlichen Helfern. „Ich bin gerade immer irgendwo zwischen Bett, Backstube und Pop-Up-Café“, erzählt die Konditorin, immer mit einem Lächeln im Gesicht: „Aber das macht nichts. Ich bin ein Nachtschaffer.“ Und mit Süßem und Schokolade habe sie ja schon immer gern hantiert. Dabei kam – zumindest das professionelle Backen – recht spät in Stütz’ Leben.

Ein Neustart als Konditorin

„Music was my first love (Musik war meine erste Liebe)“, sagt Stütz. „Schon als Kind habe ich angefangen zu Singen, Klavier und Flöte zu spielen. Dann kam das Chorleiterstudium.“ Stütz leitete viele Chöre in der Region. „Dass ich mit meinem 60. Geburtstag damit aufhören wollte, hatte ich schon vorher beschlossen. Aber das war erst einmal ein herber Einschnitt.“ Und plötzlich hatte sie viel Zeit übrig. Also beschloss Stütz, einen Neustart zu wagen und Konditorin zu werden. „Eineinhalb Jahre habe ich die Meisterschule besucht, Kurse und Seminare gemacht. Dann fühlte ich mich bereit für die Prüfung.“ Die legte sie 2013 bei der Handwerkskammer Karlsruhe ab. „Meine Familie hat mich immer unterstützt und zum Neuanfang motiviert.“
Seit dem ist viel los in der Backstube, die Stütz in dem Haus eingerichtet hat, in dem sie auch wohnt. Torten und andere Süßigkeiten gibt es bei ihr auf Bestellung. „Vor allem am Wochenende ist einiges los“ – auch ganz ohne Pop-Up-Café. „Hochzeitstorten sind ein großes Thema.“ Die dürfen auch gern mehrere Stockwerke haben. „Ich gehe außerdem auf Wunsch zu Events oder mache Catering.“

Ohne Musik geht es eben doch nicht: Ein kleines Konzert des Projektchors, den Siegrun Stütz leitet, gab es gestern im Pop-Up-Café. Auch hier war die Kamera des SWR dabei. | Foto: Freytag

„Ohne die Musik geht es aber doch irgendwie nicht“, sagt Stütz. Nun leitet sie wieder einen kleinen Projektchor. Sie habe sich dafür eine Gruppe erfahrener Sänger zusammengesucht, mit denen sie immer mal wieder auftritt, wie gestern Nachmittag im Pop-Up-Café – diesmal begleitet von der Kamera des SWR. „Vor kurzem haben wir beim Konzert ,Showkolade’ unter anderem in Neuenbürg gesungen und zwar Chorstücke, aus der Zeit, als Torten entstanden sind, im 18. und 19. Jahrhundert“, erzählt Stütz. Auch zum Verkosten habe es Torten gegeben. Süßes und Musik gehören für die gebürtige Straubenhardterin eben zusammen.
Der Beitrag über Siegrun Stütz wird in der Landesschau Baden-Württemberg zu sehen sein. Wann, ist derzeit allerdings noch nicht bekannt.