Insekten RETTEN will die Stadt Utrecht in den Niederladen mit ihren begrünten Bushaltestellen. An deren Idee möchte man sich auch in Pforzheim orientieren. | Foto: Gemeinde Utrecht/dpa

Mini-Wiesen auf den Dächern

Sind die Bienen bald im Anflug auf Pforzheims Bushaltestellen?

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Noch summt es nicht auf den Dächern der Pforzheimer Bushaltestellen. Doch wenn es nach den Plänen von Grüner und Junger Liste geht, sollen die Stationen bald bevölkert werden – und zwar von Bienen. Die Idee: Auf den Dächern ließe sich mit wenig Aufwand eine Mini-Blumenwiese pflanzen, die den bedrohten Tieren Nahrung bieten könnte.

Vorbild für die Idee, die im Gemeinderat einstimmig angenommen und in die Ausschüsse verwiesen wurde, ist die niederländische Stadt Utrecht. Die hat 2019 damit begonnen, flächendeckend ihre Bushaltestellen zu begrünen, um so ein Biotop für Insekten zu schaffen. Frei nach dem Prinzip: Wenn die Natur nicht mehr natürlich ist, springt eben die Stadt ein. Ein bayerisches Volksbegehren mit 1,8 Millionen Unterschriften zur Rettung der Bienen und einige deutsche Pilotprojekte später gibt es auch in Pforzheim entsprechende Pläne.

Die Flächen sind da.

Emre Nazli (Grüne Liste)

„Die Flächen sind da, sie liegen brach“, sagt Emre Nazli (Grüne Liste), der die Initiative mit initiiert hat. Kurzfristig könne man schon an die Umspannwerke gehen, mittelfristig dann an die Bushaltestellen. „Da hebt sich keiner einen Bruch“, meint Nazli. Es gehe darum, den Insekten neuen Lebensraum zu verschaffen und „die innerstädtische Natur beizubehalten“.

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Nur 18 Bushaltestellen gehören der Stadt

Das große Brummen allerdings ist in Pforzheim nicht zu erwarten. Gerade einmal 18 Bushaltestellen gehören der Stadt, 225 dem Werbe-Unternehmen Ströer aus Köln, wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt. Geprüft werden demnach etwa die Station am Waisenhausplatz und in Dillweißenstein, aber auch kleinste Bushäuschen mit einer Dachfläche von sechs Quadratmetern. Einige, so ein Sprecher der Stadt, seien ohnehin schon begrünt.

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Experte kritisiert Monokulturen der Landwirtschaft

Für Werner Mayer, Bienensachverständiger für den Bereich Dillweißenstein/Rodgebiet, ist die Idee eher ein Honig-ums-Maul-Schmieren. „Begrünen ist immer gut“, sagt er zwar. „Aber Verkehr ist auch zum Nachteil mancher Bienen.“ Sein Vorschlag lautet daher, vor allem solche Haltestellen zu begrünen, die in ruhigen Bereichen stehen. Er selbst konzentriere sich eher auf den Stadtrand und den nahen Schwarzwald als Nahrungsquelle für seine Bienen. Und da liege noch immer das Hauptproblem für Imker: die Monokulturen der Landwirtschaft. Das bedeute für die Bienen eine einseitige Ernährung. Und nicht nur die Landwirtschaft macht den Bienen zu schaffen. Auch die Varroa-Milbe setzt den Imkern zu. „Das letzte Jahr war mies“, lautet Mayers Fazit.

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Rathaus-Bienen sind besonders effizient

Von Stadtimkerei selbst ist Mayer nicht überzeugt. Dabei ist der Trend in der City ein anderer: Insgesamt 647 Völker zählt die Stadt in ihrem Gebiet. 2019 hatte man selbst auf dem Rathausdach vier Bienenstöcke installiert, mittlerweile sind es zwölf. Statt der deutschlandweiten 15,1 Kilogramm Honig pro Volk schafften die Pforzheimer City-Insekten nämlich 25 Kilo.