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Die Nerven liegen blank beim SC Pforzheim. Der Verein aus dem Würmtal ist vor allem für Bundesliga-Gewichtheben und erfolgreiches Boxen bekannt. Berüchtigt ist er allerdings auch – und zwar im Fußball. (Symbolfoto) | Foto: dpa

Saisonziel: Disziplin

Skandal um SC-Pforzheim-Fußballer

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Die Nerven liegen blank beim SC Pforzheim. Der Verein aus dem Würmtal ist vor allem für Bundesliga-Gewichtheben und erfolgreiches Boxen bekannt. Berüchtigt ist er allerdings auch – und zwar im Fußball, wo man derzeit in der B-Klasse 1 unterwegs ist. Nach den Vorfällen am Wochenende im Auswärtsspiel beim FC Steinegg ist die Lage dort kritisch.

„Wenn wir zurückziehen sollten, wird es so schnell keinen Fußball mehr bei uns geben“, lautet die deftige Ansage des neuen Vereinsvorsitzenden Thomas Hartmann. Sicher, die Sparte Fußball zu begraben, so weit sei man noch nicht. Noch hoffe man, dass der designierte Abteilungsleiter Zoran Poljak – der mit der Gründung eben dieser Abteilung beauftragt ist – mit harter Hand seine Jungs zur Räson bringt. Aber die Drohung steht im Raum. „Es ist jetzt eine gewisse Bewährung da“, sagt Hartmann.

Spieler rastet aus

Auslöser war die 75. Minute im Ligaspiel am Sonntag. Der SCP war als Tabellenführer zum Aufsteiger angereist, das Spiel endete 1:1. Aus sportlicher Sicht hatte der inzwischen entlassene Trainer Angelo Ala vieles richtig gemacht. Doch dann kam der Genickbruch von der Ersatzbank. Ferman Erdogan hielt es nach übereinstimmenden Berichten nicht mehr länger aus. „Er muss wohl gegen alles ausgetickt sein“, sagt Staffelleiter Thomas Distel vom badischen Fußballverband. „Das war schon extrem. Sowas passiert nicht so oft.“ Beleidigungen und Drohungen seien ausgesprochen worden gegen Spieler, Zuschauer, Schiedsrichter. „Sogar Gartenmöbel sind dabei zu Bruch gegangen“, schildert Hartmann. „Schließlich musste er von unseren Spielern vom Feld geführt werden, sonst wäre das Spiel abgebrochen worden.“ Nun droht laut Distel eine Strafe gegen Erdogan, womöglich auch eine Geldstrafe gegen den Verein. Zoran Poljak ergänzt: „Nach dem Spiel hat er noch weitergemacht. Der war nicht zu beruhigen.“

Nicht zum ersten Mal aufgefallen

Es ist nicht das erste Mal, das Erdogan auffällig geworden ist. „Fußballerisch ist er wirklich stark und könnte einige Ligen höher spielen“, sagt ein ehemaliger Mitspieler von ihm gegenüber dem Pforzheimer Kurier, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Menschlich ist er neben dem Platz in Ordnung, auf dem Platz hat er sich aber nicht im Griff und rastet aus.“ Auch Poljak beschreibt den Problem-Spieler so. „Ich spreche mit ihm, habe das Gefühl, er hat mich verstanden. Und dann tickt er doch wieder aus.“

Harte Reaktion

Die Reaktion des SCP kam schnell und hart. Ferman Erdogan ist nun Persona non grata. Der Spieler, der immerhin drei Tore für den SCP in dieser Saison erzielt hat, wurde aus dem Verein geworfen, wie Hartmann bestätigt: „Er hat auch ein Gelände-Verbot bei uns.“ Darüber hinaus habe er Poljak in der Trainerfrage freie Hand gelassen. Und die zog eine ähnliche Konsequenz nach sich. Der 30-jährige Ala wurde entlassen. Dafür war die Aktion in Steinegg nicht der einzige Grund. „Dabei ist der Trainer nicht das Problem, die Spieler sind es“, sagt Poljak. „Die Spieler haben keinen Respekt vor ihm gehabt. Wir müssen so radikal sein, es ist die einzige Lösung.“ Man habe im Team den unerfahrenen Ala, der beim SCP seine erste Trainerstation angetreten hatte, nicht ernst genommen, sportlicher Erfolg hin oder her. „Die Spieler sind einfach undiszipliniert“, schimpft Poljak. Viele hätten sich an Erdogan ein Beispiel genommen, „wenn auch nicht so krass“. Indem man nun der Schlange den Kopf abschlägt, hofft man auf eine Besserung. „Wir können ja nicht ohne die Spieler weitermachen.“ Nun suche man nach einem neuen Trainer, einem Schleifer der Kategorie Felix Magath. „Das einzige Saisonziel heißt jetzt: Disziplin.“

Kurz vor dem Aus?

Dass man beim SC Pforzheim so radikal reagiert, hat historische Gründe. Schon einmal stand der Fußball beim SCP kurz vor dem Aus, damals hatte es ebenfalls in der Mannschaft Undiszipliniertheiten gegeben. „Das war vor vier Jahren“, erinnert sich Staffelleiter Distel. „Das ist schon lange her.“ Hartmann sieht das ein wenig anders. „Gerade bei uns darf so etwas nicht passieren.“ Auch er differenziert bei der Trainerfrage: „Er hat die Disziplin nicht hinbekommen. Aber ich weiß nicht, ob das irgendwer hinbekommen hätte.“
Zumal das Budget des SCP begrenzt ist. „Die Trainer wollen heute richtig viel Geld, auch in der B-Klasse“, klagt Poljak. Und was er nun brauche, sei ein erfahrener Coach – um die künftige Abteilung Fußball zu retten. „Ich mache das alles ehrenamtlich, zwölf Stunden in der Woche, nur für den SCP“, klagt er. Nun gehe es nicht mehr um sportliche Ziele – sondern darum, dass dieses Engagement letzten Endes nicht umsonst war.