Darf auch auf den Grill: Der Beyond Burger verspricht Fleisch-Geschmack jenseits von Rind, Schwein und Co. | Foto: ref

Ernährungstrend ungebrochen

So vegan is(s)t Pforzheim

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Der Trend zum Veganen kommt mit den immer besser schmeckenden Produkten, die Fleisch, Käse und anderes ersetzen, in der Mitte der Gesellschaft an. Aktuell besonders umjubelt ist der fleischlose Beyond Burger des Herstellers Beyond Meat. Doch auch andere vegane Alternativen finden in Pforzheim Anklang.

Außen knusprig braun, wenn man reinbeißt leicht rosa – und sehr „fleischig“ im Geschmack, das verspricht der aktuell sehr umjubelte Beyond Burger vom Hersteller Beyond Meat aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Und nicht nur in der Pfanne soll der Bratling eine gute Figur machen, sondern bei sommerlicher Hitze auch auf dem Grill. „Beyond Meat“ heißt übersetzt so viel wie „Jenseits des Fleisches“. Der vegane Burger auf Basis von Erbsenprotein ist ein heiß begehrtes Aktionsprodukt in diversen Discountern – und immer blitzschnell ausverkauft. Das Unternehmen legte im Mai einen furiosen Börsenstart hin.

Trend kommt an

Wer vegan lebt, verzichtet nicht nur darauf, Tiere zu essen, sondern auch auf alle tierischen Produkte – wie etwa Eier, Milcherzeugnisse und Honig. Der Trend zum Veganen kommt mit den immer besser schmeckenden Produkten in der Mitte der Gesellschaft an – vor allem, nachdem auch Discounter, Drogerieketten und Fast-Food-Konzerne auf den Hype aufgesprungen sind. Doch wie vegan is(s)t Pforzheim?

Er schmeckt sehr gut

„Den Beyond Burger haben wir seit einem Monat als Spezialgericht, aber wir überlegen, ihn fest in die Karte aufzunehmen“, sagt Dariush Sherif, Betriebsleiter des Restaurants Palm Beach. Er habe den Burger selbst probiert, „er schmeckt sehr gut“, und sei überrascht von Konsistenz und Geschmack. Die Nachfrage nach den veganen Burgern sei „definitiv um einiges nach oben“ gegangen. Seit über einem Jahr hat das Restaurant den veganen Burger Green Planet auf der Karte.

Täuschend echt sieht der Yufka mit Dönerfleisch aus Seitan aus, den Seyit Meralli von Golden Döner in der Hand hält. Seitan besteht aus Weizeneiweiß. Dieses wird oft als Basis für die fleischähnlichen veganen Produkte verwendet. | Foto: Wacker

Nachfrage regelt das Angebot

„Wir sind ein Fleischliebhaber-Restaurant“, sagt Inanc Oflaz, Inhaber von Highfive Burger. Auf seiner Karte findet sich lediglich ein vegetarischer Burger. Eine vegane Alternative lohne sich aufgrund mangelnder Nachfrage nicht. Über diese kann sich das Restaurant Hans im Glück in Pforzheim nicht beklagen. „Es werden immer mehr Leute, die sich für Veganes interessieren“, beobachtet Betriebsleiterin Oya Varol. Sechs vegane Burger mit drei verschiedenen Bratlingen stehen auf der Karte.

Es ist ja nicht nur ein Trend, sondern ein ganz wichtiges Thema

Wer seinen Burger lieber zu Hause selbst belegen möchte, kann fertige „Patties“, wie die Bratlinge genannt werden, unter anderem im Pforzheimer Reformhaus Eden kaufen. Den Beyond Burger gibt es dort nicht, „unsere Großhändler haben ihn nicht gelistet“, erklärt Mitarbeiterin Manuela Manski. Stattdessen gibt es einen Vegan Superhero Burger auf Basis von Weizeneiweiß (Seitan). Aber auch veganes Steak und verschiedene Würste für den Grill sowie Aufschnitte, die wie Salami oder Lyoner aussehen, sind im Angebot. Hergestellt werden sie aus Weizeneiweiß, Sojaprotein oder Tofu. Manski stellt fest, dass die Nachfrage nach den veganen Produkten steigt. Sie geht daher davon aus, dass die Nischenprodukte bald Mainstream werden. „Es ist ja nicht nur ein Trend, sondern ein ganz wichtiges Thema“, gibt Manski zu bedenken. „Konsistenz und Geschmack sind wichtig – wenn ich damit noch der Gesundheit, der Umwelt und den Tieren etwas Gutes tun kann – warum sollte man das nicht probieren?“

Käse aus Kokosöl oder Mandeln

Auch Jennifer Laut vom City Supermarkt Pischzan kann die gestiegene Nachfrage bestätigen. Der Supermarkt hat eine große Auswahl an veganen Produkten: Vegane Fleischwurst reiht sich an Schnitzel, Fischstäbchen und Filetstücke aus Erbsenprotein. Daneben: Käse. Als Frischkäse, Scheiben, Parmesan oder Reibekäse für die Pizza. Veganer Käse besteht zum Beispiel aus Kokosöl oder Mandeln.

Die Leute sind halt einfach auf dem Veggie-Trip

Im italienischen Restaurant Aposto müssen Veganer ihre Pizza nicht ohne Käse essen. Seit fast einem Jahr gibt es die Variante mit veganem Käse, weil so viele danach gefragt hätte, sagt Servicekraft Fabi Doci. Das Angebot laufe gut. Noch nicht so gefragt war der vegane Döner inklusive Soße beim Imbiss Golden Döner, als der vor zwei Jahren anfing, die Alternative zu verkaufen, erinnert sich Eigentümerin Nezihe Kirschbaum. Sie ist bei einer „Veggie-Messe“ in Stuttgart auf das „Fleisch“ aus Seitan aufmerksam geworden. „Jetzt läuft’s gut“, ist ihr Resümee. „Die Leute sind halt einfach auf dem Veggie-Trip.“ Der Döner aus echtem Fleisch sei jedoch immer noch gefragter.

Bald noch „fleischiger“

Noch „fleischiger“ soll in Kürze der Burgerbratling von Beyond Meat werden. Wie das Unternehmen auf seiner Website ankündigt, soll die neue Rezeptur neben Erbsenprotein auch Protein aus Mungobohnen und Reis enthalten.