Kaum beachtet: Das Bertha-Benz-Denkmal von René Dantes auf dem Waisenhausplatz steht in der Wahrnehmung eher im Abseits. Auf der städtischen Homepage ist es unter den Denkmälern nicht aufgeführt. Auch ein Hinweis auf die Ferienstraße „Bertha Benz Memorial Route“ fehlt. | Foto: ron

Berühmte Tochter der Stadt

Sollte Pforzheim mehr Bertha Benz wagen?

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Eine Sporthalle, ein kaum beachtetes Denkmal, eine Stele und eine extern organisierte Oldtimerfahrt: Mehr öffentliche Bezüge zu Bertha Benz (1849 – 1944) gibt es in Pforzheim derzeit nicht. Geht die Stadt zu zurückhaltend mit dem Namen ihrer berühmten Tochter um?

Immerhin wurde sie – als Bertha Ringer – in Pforzheim geboren, ging hier zur Schule und heiratete hier ihren Verlobten Carl Benz, dessen Auto sie vor 131 Jahren zur ersten Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim kutschierte. Alle zwei Jahre gibt es in Erinnerung daran die Bertha-Benz-Fahrt für Oldtimer bis Baujahr 1930, die wie am vergangenen Wochenende in Pforzheim Station machen. Für das Rahmenprogramm in der City sorgt der städtische Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Darüber hinaus herrscht eher Flaute in Sachen Benz an der Enz.

Stadt gibt keinen Hinweis auf Denkmal

Das vorhandene Potenzial scheint nicht genutzt zu werden. Auf der städtischen Homepage findet sich in der Auswahl der Denkmäler kein Eintrag mit der von Bildhauer René Dantes geschaffenen Edelstahl-Skulptur auf dem Waisenhausplatz. Die Verwaltung betont auf Anfrage zwar, Bertha Benz sei eine besondere Persönlichkeit und verweist auf Stadtführungen, in denen es unter anderem um Bertha Benz geht, außerdem gibt es die Stele nahe dem Elternhaus von Bertha Benz. Doch noch etwas fehlt auf der städtischen Webpräsenz. Pforzheim ist Teil der Bertha Benz Memorial Route, jener Ferienstraße, die auf 194 Kilometern die Fahrtstrecke von Bertha Benz anno 1888 nachzeichnet.

Initiator der Memorial Route ist enttäuscht

Edgar Meyer ist Vorsitzender des Bertha Benz Memorial Club aus Dossenheim. Er hat die Memorial Route initiiert. Und er ist ziemlich pikiert. „Irgendwann habe ich festgestellt, dass der Hinweis darauf von der Homepage der Stadt Pforzheim genommen wurde. Ich finde das sehr, sehr enttäuschend“, sagt Meyer dem Pforzheimer Kurier und bnn.de. Er sieht touristisches Potenzial. Der Eintrag der Ferienstraße werde bei Wikipedia vor allem aus dem Ausland häufig aufgerufen. Man müsste das Thema auf Messen vermarkten, mit Reiseveranstaltern sprechen, findet Meyer. Er wolle aber kein weiteres Geld und Herzblut für andere hineinstecken. Die Region habe offenbar kein Interesse daran, sich selbst zu engagieren.

„Wir sagen, dass es nichts zu sehen gibt“

Meyer ist auch Präsident des deutsch-chinesischen Automobilclubs im AvD. Nach eigener Aussage führt er reiche Chinesen in die Region. „Früher haben wir denen gesagt, Pforzheim ist das Tor zum Schwarzwald. Jetzt fahren wir nicht mehr in die Stadt hinunter. Wir sagen, dass es nichts zu sehen gibt.“ Er ist mächtig enttäuscht von Pforzheim.

Bertha Benz (undatiert), die Frau des Autoerfinders Carl Benz. Die erste Fernfahrt mit einem Automobil im August 1888 wird häufig als geheime Mission von Bertha Benz beschrieben. | Foto: dpa

Erster Parkplatz der Welt

Andreas Sarow arbeitet in die andere Richtung. Der Pforzheimer CDU-Stadtrat hat bekanntlich eine Idee, um aus den Namen Bertha Benz mehr Kapital zu schlagen – und mehr Menschen in die City zu bringen. „Pforzheim muss endlich exklusiv den Titel „erster Parkplatz der Welt“ für sich beanspruchen und vermarkten“, betont er gegenüber dem Pforzheimer Kurier und bnn.de. Das sei „eine Steilvorlage“ für die Stadt. Sarows Idee: Menschen sollen ihre Autos auf den „ersten Parkplatz der Welt“ stellen und ein Selfie posten.

Fotos von Pforzheim in die Welt?

Unzählige Fotos würden von Pforzheim in kürzester Zeit positiv in die Welt getragen, glaubt Sarow. Ein Platz nahe dem Leo war im Gespräch – zentrumsnah, um die Menschen gleich noch in die City zu locken. Sarows erster Vorstoß kam im Herbst 2018. Mit WSP-Führungskraft Sascha Binoth sei er übereingekommen, bei der diesjährigen Bertha-Benz-Fahrt einen Versuch zu starten, wie ein solcher Parkplatz angenommen würde. Es kam anders. Binoth ging – und die Parkplatzsuche kommt nicht voran.