Am Tischkicker kann mancher Vater seine Sorgen leichter in Worte fassen, als im Sitzkreis, sagen Hartmut Friedrich (links) und Markus Schütz. Sie leiten die Gruppe für alleinerziehende und getrennt lebende Väter. | Foto: Weiss

Alleinerziehende Pforzheimer

Spätestens am Kicker kommen die Sorgen raus

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Die Hürden, die Alleinerziehende in ihrem Alltag überwinden müssen, sind oft hoch, der Schmerz nach einer Trennung sitzt tief, der Kampf um die Kinder mündet nicht selten in erbittertem Streit. Im Fokus der Hilfsangebote stehen da vor allem Mütter, sagen die Initiatoren der Gruppe „Vater bleibt Vater“. Das offene Gesprächsangebot widmet sich Männern, die unter solchen Situationen leiden – und sieht sich als Lobby für alleinerziehende und getrennte Väter. Auf den Weg gebracht haben das Angebot vor rund zwei Jahren Markus Schütz, Pastoralreferent der katholischen Kirche Pforzheim, und Hartmut Friedrich, Pfarrer der evangelischen Matthäusgemeinde im Arlinger. Nun wollen sie ihr Angebot bekannter machen.

Getrennt lebende und alleinerziehende Väter tauschen sich aus

„Wir wollten ein niederschwelliges, nicht kirchliches Angebot schaffen“, sagt Schütz. In den Räumen des Pforzheimer Kinderschutzbundes hat die Gruppe damals ein neutrales Zuhause gefunden, wie dessen Geschäftsführerin Doris Möller-Espe betont. Als Schütz ihn 2015 mit ins Boot holte, fiel Friedrich auf: „Die Situation von Müttern ist oft mehr im Blick.“ Ein entsprechendes Angebot in Pforzheim gab es nicht. Dennoch soll die Gruppe nicht in Konkurrenz stehen zu Angeboten für Mütter. Es gehe auch nicht darum, die Mütter zu stigmatisieren oder als die Böse in die Ecke zu stellen, sagt Möller-Espe: „Wenn bei uns jemand parteiisch ist, dann mit Blick auf das Kind.“

Es sind Männer, die Vater sein wollen

Dass eine Trennung auch die Väter belaste, weiß Schütz nicht nur aus seiner täglichen Arbeit in der Kirche, sondern aus eigener Erfahrung. Der Pastoralreferent war selbst alleinerziehend, wie er erzählt. Zu Beginn der Treffen hatten sich Schütz und Friedrich eine Themenliste überlegt, wollten Referenten einladen. „Am Ende war das gar nicht nötig“, sagt Friedrich. Die Teilnehmer wollten sich vor allem austauschen, über ihre Sorgen sprechen und sich Tipps geben. Die Väter zwischen 25 und 70 kommen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Eines sei ihnen jedoch gemein: „Es sind Männer, die Vater sein wollen, ihre Vaterrolle ernst nehmen und unter der Situation leiden“, betont Friedrich. Bei den Treffen beschränken sich die Gruppenaktionen nicht nur aufs Gespräch. „Wir kickern ganz gerne mal. Da gelingt es manchem vielleicht besser, seine Gefühle rauszulassen. Lachen, Weinen, Wut, das ist alles schon vorgekommen“, sagt Schütz und lacht: „Eine Jammertruppe sind wir aber trotzdem nicht.“

Väter haben die gleichen Rechte

Viele der Männer fühlten sich zu Beginn geradezu ohnmächtig. Trotz gemeinsamen Sorgerechts lebten viele Kinder bei der Mutter. Mehr Zeit mit dem Kind einzufordern, sei nicht leicht. Eine Rechtsberatung will und kann die Gruppe Schütz zufolge aber nicht sein. Sie wolle ein Netzwerk schaffen und öffne bisweilen Türen. „Durch den Austausch wird manchmal klar: Als Vater habe ich genauso viele Rechte“, sagt Möller-Espe. Schütz erzählt von einem Vater, der nicht wusste, wie er seinem Sohn nach dem Ende der Beziehung mit der Mutter begegnen sollte, aber unter der Trennung zu dem Kind sehr litt. Heute lebt der Zwölfjährige bei seinem Vater – der nun einen absoluten Perspektivwechsel vom getrennt lebenden zum alleinerziehenden Vater erlebt hat, dadurch wesentlich weniger Zeit hat, „aber mit der Situation viel glücklicher ist“.
Dass die Gruppe derzeit nur aus einem festen Stamm von zwei bis drei und einem erweiterten Kreis von rund 20 Vätern besteht, könnte daran liegen, dass viele von dem Angebot nicht wüssten. Andere müssten erst einmal einen Babysitter organisieren. Außerdem falle es vielen Männern schwer, sich zu öffnen. „Da muss der Druck schon sehr groß sein“, sagt Schütz.

Die Gruppe trifft sich einmal im Monat, immer am letzten Donnerstag, im KICO beim Kinderschutzbund Pforzheim Enzkreis, Luisenstraße 46, im zweiten Obergeschoss.