WEGGEFÄHRTINNEN: Andrea Nahles und Katja Mast (links) beim Pforzheimer Oechslefest im Sommer 2017. | Foto: Ehmann (Archiv)

Rückzug bewegt Basis in Pforzheim

SPD-Krise: Wie geht es weiter für Nahles-Vertraute Katja Mast?

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Der radikale Rückzug von SPD-Chefin Andrea Nahles aus allen Ämtern bewegt die Sozialdemokraten an der Basis in Pforzheim, wo eine der engsten Nahles-Vertrauten ihren Wahlkreis hat. Wie geht es weiter für die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katja Mast?

Als Juso-Vorsitzende sägte sie 1995 erfolgreich am Stuhl von Parteichef Rudolf Scharping. Zehn Jahre später trat Franz Müntefering zurück, weil sie gegen seinen Willen Generalsekretärin wurde. Im Stich gelassen von wichtigen Parteifreunden – in diesen Tagen erleidet Andrea Nahles ein ähnlich hartes Schicksal. Die Reaktionen an der Parteibasis in Pforzheim sind gemischt. Dabei geht es auch um die Frage: Wie geht es weiter für Katja Mast?

Mast würdigt Nahles

Für die Pforzheimer Abgeordnete Katja Mast stand der Sonntag ganz im Zeichen der Würdigung ihrer Chefin:  „Vor der Entscheidung von Andrea Nahles habe ich größten Respekt. Sie hat sich nie davor gescheut, gerade in schwierigen Zeiten für die SPD in Regierung und Partei Verantwortung zu übernehmen“, so Mast gegenüber dem  Pforzheimer Kurier. Mast, die als stellvertretende Fraktionsvorsitzende eine der engsten politischen Vertrauten von Nahles ist, mahnte auch: „Jetzt braucht die SPD Besonnenheit und die Kraft aller, an der Spitze und an der Basis, gemeinsam nach vorne zu gehen.“

Wie geht es weiter für Katja Mast?

Doch wie geht es weiter für Katja Mast? Was der Nahles-Rückzug für sie selbst bedeuten könnte, war zunächst völlig unklar. Mast selbst sagte dazu am Sonntag kein Wort. Die Fraktionssprecherin für Arbeit und Soziales, kann durchaus messbare Erfolge in der Großen Koalition vorweisen. Allerdings steht Mast für viele Genossen an der Basis auch für den Niedergang einer großen Partei, die ihre Erfolge nicht mehr vermitteln konnte.

Für Ellen Eberle, die langjährige Stadträtin und Grande Dame, der Pforzheimer Sozialdemokratie, ist Mast durchaus für höhere Weihen geeignet: „Katja Mast hat sich enorm eingesetzt. Als Stellvertreterin ist sie eine potenzielle Nachfolgerin in der Fraktion.“ Eberle macht aber auch deutlich, dass sie anders als Mast, die Große Koalition immer für falsch hielt. Mast hatte sich seit 2013 von einer Gegnerin zur entschiedenen Befürworterin der gemeinsamen Regierung mit der Union entwickelt.

Katja Mast hat sich leider zu weit von der Basis entfernt. Sie ist Teil der Berliner Blase und deshalb Teil des Problems.

Ein altgedienter Sozialdemokrat, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sieht die Rolle von Mast noch deutlich kritischer: „Katja Mast hat sich leider zu weit von der Basis entfernt. Sie ist Teil der Berliner Blase und deshalb Teil des Problems.“

Kreisvorsitzende Annkathrin Wulff sagte zum Nahles-Rückzug auf Kurier-Anfrage: „Wir haben großen Respekt vor Andrea Nahles’ Entscheidung, die sich mit dem Parteivorsitz im vergangenen Jahr einer schwierigen, vielschichtigen Aufgabe angenommen hatte. Wir halten eine Neuaufstellung der SPD für unabdingbar, jedoch vielmehr inhaltlich und programmatisch als personell. Neben der Parteispitze ist hier daher insbesondere auch die Basis gefragt.“

An der Basis rumort es gewaltig

Und an der Basis rumort es gewaltig. Im Kommunalwahlkampf habe man die Performance der Parteichefin in den vergangenen Wochen nicht gerade als Rückenwind erlebt, so schimpft ein Kandidat im Hintergrund. Pforzheims Spitzenkandidat Uwe Hück will darüber auf Anfrage nicht sprechen. Er blickt lieber nach vorne: „ Wir haben keine Zeit für internen Streit, wir müssen die Probleme der Menschen angehen. „Allerdings braucht die Partei dazu mehr Menschen mit Charisma“, fordert Hück.

Uwe Hück setzt auf Pforzheim

Sein eigenes Charisma will der wegen hoher Bezüge in die Schlagzeilen geratene Ex-Betriebsratschef von Porsche bis auf Weiteres nur in Pforzheim einbringen. „Dafür verwende ich meine ganze Kraft“, stellt der Pforzheimer Stimmenkönig und künftige Stadtrat klar. Mit Blick auf die Landtagswahl 2021 gelte es dann „ein sensationelles Ergebnis für Andreas Stoch“, den SPD-Landeschef, zu sichern.

Externer Link: Der SPD Kreisverband Pforzheim