Gut aufgestellt sieht sich die SPD für den bevorstehenden Wahlkampf. Unter dem Motto „Pforzheim braucht Sicherheiten“, eröffnete sie am Mittwoch ihr „Revolutionsbüro“ in der Zerrennerstraße. Mit Uwe Hück (von links), Johanna Kirsch, Annkathrin Wulff, Sami Erdem und Esad Esmer leitete die SPD damit vor allen anderen Parteien ihren Wahlkampf ein. | Foto: Ehmann

„Revolutionsbüro“ in Pforzheim

SPD leitet Wahlkampf ein: Hück schlägt „revolutionäre“ Töne an

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Die Revolution kam mit einigen Minuten Verspätung. „Ich bin pünktlich“, beteuerte hingegen SPD-Spitzenkandidat Uwe Hück als er am Mittwoch zur Eröffnung des „Revolutionbüros“ in die Zerrennerstraße eilte.

Das Medieninteresse war enorm – zahlreiche Kameras und Mikrofone drängten sich um den ehemalige Porsche-Gesamtbetriebsratschef. Bevor er das Wahlbüro überhaupt erst betreten konnte, galt es, für die Kameras zu posieren.

SPD setzt auf Bürgerbeteiligung

Einmal im Wahlbüro angekommen, betonte Hück: „Wir haben viel vor“. Es sei an der Zeit, Pforzheim aus seinem „1 000-Jahre-Schlaf“ zu wecken. Die SPD setzt auf Bürgerbeteiligung, das „Revolutionsbüro“ mit Kickertisch und Kaffeebar soll dabei als Anlaufstelle dienen. „Jeder Pforzheimer kann vorbeikommen und mitentscheiden, was in der Stadt passiert“, beteuerte Hück bei der Eröffnung. „Wir benötigen einen anderen Politikstil, wir benötigen mehr Volksnähe“, sagte er.
Uwe Hück
SPD-Kandidat Uwe Hück eröffnet „Revolutionsbüro“ in Pforzheim. | Foto: Fabian Sommer/ dpa
Die SPD möchte zuhören – nicht nur im neuen Wahlbüro, sondern auch in Kneipen, Biergärten und Vereinen. „Berührungsängste habe ich keine“, beteuerte Hück. „Wir wollen die Dinge anpacken und Pforzheim rocken“, ergänzte SPD-Kreisvorsitzende Annkathrin Wulff, die auf Listenplatz zwei steht. Mit einem Team von 40 Kandidaten sieht sie die Partei dafür gut aufgestellt. „Pforzheim braucht mehr Sicherheiten“, prangt das Motto der Partei für den bevorstehenden Wahlkampf in großen Lettern auf der Glasscheibe des Wahlbüros.

Wir lassen es nicht zu, dass Pforzheim ausblutet.

Uwe Hück will den Bund in der Pforzheimer Bäderfrage um Hilfe bitten.

Auf höherer Ebene möchte die SPD verstärkt auf einen Dialog setzen. „Wir haben marode Bäder und der Bund gleichzeitig einen Überschuss von 50 Milliarden Euro“, kritisierte Hück. Dieses Ungleichgewicht könne er nicht akzeptieren. „Wir lassen es nicht zu, dass Pforzheim ausblutet“, sagte er kämpferisch. Die SPD wolle darum das Gespräch mit Land und Bund suchen.

Mit Porsche hat Hück abgeschlossen

Das Thema Porsche sei für ihn abgeschlossen, sagte der ehemalige Gesamtbetriebsratschef vor Medienvertretern. Ganz los lässt den langjährigen Vize-Aufsichtsratschef seine berufliche Vergangenheit aber noch nicht. Nach wie vor werden kritische Fragen zum etwas abrupten Ende seiner 30-jährigen Ausnahmekarriere beim Sportwagenbauer gestellt. Und bei einer Steuerprüfung ist Hück neben anderen Führungskräften auch ganz persönlich betroffen. Berichten zufolge soll er nach einer Prüfung zu 7500 Euro Steuernachzahlung verdonnert worden sein, weil er sich im Dienstwagen zu privaten Terminen habe chauffieren lassen.

Hücks Kandidatur war ein Konflikt mit der SPD vorangegangen, weil der 56-jährige Ex-Porsche-Gesamtbetriebsratschef zunächst mit einer eigenen Liste bei den Kommunalwahlen hatte antreten wollen. Damit hätte dem langjährigen SPD-Mitglied der Parteiausschluss gedroht. Der Streit wurde beigelegt und Hück für die SPD auf dem Listenplatz Eins aufgestellt (die BNN berichteten). Mit der Eröffnung des „Revolutionsbüros“ hat die SPD in Pforzheim vor allen anderen Parteien den offenen Wahlkampf eingeläutet. Die Partei hatte in Pforzheim in den vergangenen Jahren und Monaten einige Rückschläge hinnehmen müssen. Mit der Abwahl von Oberbürgermeister Gert Hager im Mai 2017 und dem mangelnder Perspektive geschuldeten Weggang von Sozialbürgermeisterin Monika Müller nach Wolfsburg im Frühjahr 2018 waren den Goldstadt-Genossen binnen kürzester Zeit zwei Führungsfiguren abhanden gekommen.