Fit bleiben: Die Übungen, die Jennifer Schneider zeigt, können Sportler komplett ohne oder mit einfachen Hilfsmitteln machen.
Fit bleiben: Die Übungen, die Jennifer Schneider zeigt, können Sportler komplett ohne oder mit einfachen Hilfsmitteln machen. | Foto: pr

Trainer senden E-Mail-Übungen

Sportvereine in Pforzheim weichen nach Corona-Absagen aufs Internet aus

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Training und Wettkämpfe sind tabu: Die Sportvereine haben ihren Übungsbetrieb wegen der Ausbreitung des Coronavirus eingestellt, die Sportplätze und -hallen sind leer. Wie gehen die Pforzheimer Vereine damit um? Einige suchen Lösungsansätze – und weichen aufs Internet aus.

Jennifer Schneider liegt auf dem Rücken, die Knie sind angezogen. Dann geht das Becken nach oben, nur die Schultern, Arme und Beine bleiben auf der Matte. Beckenheben heißt die Übung, die sie den Instagram-Followern des TV Huchenfeld (TVH) demonstriert.

„Ich habe mir Gedanken gemacht, da ich viele Kurse anbiete und mir die Menschen ans Herz gewachsen sind: Was mache ich jetzt?“, erzählt die Sportlehrerin, die beim TVH arbeitet, von Problemen, die aktuell viele Sportvereine umtreiben. Der Übungsbetrieb ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus eingestellt, die Sportplätze und -hallen sind leer. Doch wie gehen die Vereine damit um?

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Erst habe sie Trainingspläne per E-Mail an Kursteilnehmer und Leistungsturnerinnen verschickt, erzählt Schneider. Dann sei ihr die Idee gekommen, die Übungen jeden Tag auf die Website des Vereins zu stellen. Dort sowie auf Instagram und Facebook gibt es nun die „Fitnesschallenge 2020“.

Angebot mit Übungen für Eltern und Kinder

Material für die Übungen hat Schneider mittlerweile für mehr als einen Monat – „aber Ideen habe ich unendlich viele“, versichert die studierte Sportwissenschaftlerin. Sie habe bereits viele positive Rückmeldungen bekommen. Seit Donnerstag arbeitet der Verein zudem an einem Angebot mit Übungen für Eltern und Kinder, das ebenfalls auf der Website zu finden ist und erweitert werden soll.

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„Durch die vielen Ideen hoffen wir auch, dass die Leute sehen, der Verein kümmert sich um sie“, sagt TVH-Sportvorsitzende Sonja Eitel. Austritte wegen fehlendem Trainingsbetrieb sind ihr nicht bekannt. „Ich hoffe, dass die Solidarität unserer Mitglieder so groß ist, dass sie so einen Schritt nicht gehen.“

Von Mitgliedsaustritten hat auch Gudrun Augenstein, die Vorsitzende des Sportkreises Pforzheim Enzkreis, noch nichts gehört. Allerdings löst etwas anderes bei ihr Unverständnis aus: „Es kommen Anfragen wegen der Sportabzeichen, ob die noch gemacht werden können. Das ist ganz streng verboten. Die haben den Ernst der Situation noch nicht begriffen.“ Alles sei nun auf Eis gelegt im Sport.

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Den Vereinsvorsitzenden des SV Büchenbronn, Dieter Rüdenauer, besorgt vor allem die Absage des Tags des Sports am 26. April. „Da gewinnen wir neue Mitglieder. Das fällt weg.“

Die Befürchtung mancher Vereine, dass Mitglieder sich abmelden könnten, hält er für realistisch. „Die meisten der mehr als 1.400 Mitglieder sind bei uns, weil sie Sport machen wollen. Und das ist jetzt nicht mehr möglich. Eltern könnten sich fragen, warum sie noch den Mitgliedsbeitrag zahlen, wenn ihre Kinder nicht mehr Sport machen.“

Übungsbeispiele werden per E-Mail versendet

Was die Sportkurse angeht, will sich Rüdenauer noch mit den Übungsleitern besprechen, wie ein entsprechendes digitales Angebot auf die Beine gestellt werden kann. „Möglicherweise auch über Instagram.“

Mit einigen Mitgliedern sei man beim SV Büchenbronn gut vernetzt. An sie sollen bald Übungsbeispiele per E-Mail versendet werden „Wir haben den Sportbetrieb einstellen müssen, das ist eine Sache, wie wir das ein bisschen auffangen.“

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Nochmal schwieriger ist die Situation beim SSC Sparta: „Als Schwimmverein haben wir im Moment keinerlei Möglichkeiten, etwas zu tun“, sagt der technische Leiter Ralf Gremmer. Der Sportbetrieb ruhe bis aus weiteres. „Im Moment trainieren wir eben mehr an Land als im Wasser“, so Gremmer.

Trainingsrückstand aufgeholt –  und dann kam das Coronavirus

Bereits zu Saisonbeginn sei das Training drei Monate lang ausgefallen, da das Fritz-Erler-Bad den Schwimmern nicht zur Verfügung stand. Diesen Rückstand habe man aufgeholt. Und dann kam das Coronavirus. „Jetzt können wir die Saison eigentlich abhaken.“

Die Jugendrunde der Handballer wurde schon vorzeitig beendet, berichtet Beate Lupus von der Vereinsleitung der SG Pforzheim/Eutingen. „Augenblicklich machen wir digital noch nichts“, sagt sie, „unsere Trainings-Teilnehmer werden so geschult, dass sie wissen, was im Moment noch möglich ist, ohne dass man sich auf verbotenes Terrain begibt.“

Lupus ist zudem beim TV Eutingen aktiv, wo sie unter anderem eine Reha-Sportgruppe leitet. Sie überlegt, ihren Teilnehmern Sportübungen, die sie per Video aufnimmt, zur Verfügung zu stellen. „Im Moment ist jeder gefordert, aus seiner Komfortzone rauszukommen und sich Gedanken zu machen, wie komme ich durch diese Krise durch.“

Wenn ein Verein so eine Idee entwickelt, warum sollten das nicht auch andere umsetzen?

Sonja Eitel, Sportvorsitzende des TV Huchenfeld

Für Sonja Eitel vom TV Huchenfeld ist in Bezug auf Sport via Instagram und Co jedenfalls klar: „Wenn ein Verein so eine Idee entwickelt, warum sollten das nicht auch andere umsetzen?“ Vielleicht gibt es also bald mehr Sportvereine, die, sofern es ihnen möglich ist, zumindest für die kommende Zeit ihr Angebot ins Digitale verlegen.