Straßenkünstler: Alin aus Rumänien spielt Akkordeon.
Straßenkünstler: Alin aus Rumänien spielt Akkordeon. | Foto: Roth

Parkplätze für Musiker?

Stadt Pforzheim weist Straßenmusikern mit Piktogrammen feste Plätze zu

Anzeige

In der westlichen Unterführung in Pforzheim gibt es auf dem Boden neuerdings ein Piktogramm, das Straßenmusikern einen festen Platz zuweist. Wie kommt die neue Regelung bei Musikern und Passanten an?

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

Vielleicht hat er einen Moment lang gestutzt, der Musiker mit dem Akkordeon. Aber dann setzt er sich brav auf den für ihn vorgesehenen Platz. Und der liegt in der westlichen Unterführung gegenüber vom Radkäfig. Blauer Grund, weiße Umrandung, ein Piktogramm-Männchen mit einer unter den Arm geklemmten Gitarre. So weit geht das neu angebrachte Emblem der Stadt Pforzheim allerdings nicht, dass es vorschreiben würde, welches Instrument zu spielen ist.

Auch interessant: Karlsruher Cellist sorgt in der Pforzheimer Fußgängerzone für Stimmung

Also kann der französisch sprechende Rumäne, der nur seinen Vornamen Alin und sein Alter (38) nennen möchte, beherzt loslegen, französische Chansons zum Besten zu geben. Konkurrenz hat er keine, es gibt weit und breit in dieser Unterführung kein zweites Piktogramm dieser Art. Es stört ihn nicht, sagt er, dass er sich genau hier aufzuhalten hat. Viel mehr stört den Musiker, der seit zehn Monaten in Pforzheim lebt und die Fußgängerzonen beziehungsweise Unterführungen bis nach Bretten und Mühlacker aufsucht, dass an diesem trüben Tag auch nach Stunden noch recht wenig in der Transporttasche seines Instruments gelandet ist.

Musiker-Piktogramme: Aufwertung oder sinnlos?

Mit Verwunderung nehmen dagegen die Passanten Kenntnis von den Neuigkeiten. Sehr schön und gut zu lesen sind die neuen, wegweisenden Schriften auf dem Boden, aber der Sinn des Musikerplätzchens erschließt sich nicht jedem. „Da ist doch genug Platz?!“, wundert sich Stephanie Baral im Vorübergehen. Wenn man das Piktogramm bei Instagram und Facebook postet, erhält man ziemlich viel Aufmerksamkeit und löst Diskussionen aus. Eine Teilnehmerin fragt im Scherz, wie viele Formulare denn ausgefüllt werden müssten, bevor man die Fläche betreten dürfe. Eine andere hofft, dass es sich um eine „Guerilla-Aktion“ handelt.

Aber es geht auch anders: Besim Karadeniz findet, dass das Piktogramm eine Aufwertung der reisenden Musikanten darstellt. „Das sollte man nicht so pforzheim-typisch eng sehen“, ist seine Meinung. Musikern hafte laut Besim Karadeniz oft ein schmuddliges Image an; das Signet zeige, das man ihnen in Pforzheim einen festen Raum gebe. Und damit dann auch eine Wertschätzung entgegen bringt.

Auch interessant: Auf Kassette, aber nicht bei Spotify: Karlsruher Musiker Adrian Prath lebt seinen Traum

Das Piktogramm scheint wiederum bei einem anderen Nutzer der sozialen Medien die Fantasie anzuregen. Er postet Ideen für weitere Piktogramme: eines mit einer sogenannten (Hundekacke-) Tretmine, Skater (für deren Betätigung ein solches Piktogramm sicher nicht ausreichen würde) und eine Regenwolke, deren Ausschüttung man sicher manchmal gern auf diese geometrische Form begrenzen würde.

Und die Stadt selbst begründet das Piktogramm so: Laut der Social-Media-Redakteurin Natalie Hüeber, die die Anfrage an das Presseamt beantwortet, möchte das Grünflächen- und Tiefbauamt die Unterführungen aufwerten. Da kommt noch mehr, eine Sitz- gruppe mit Zeitschriftenbörse zum Beispiel.