Viel geschafft und noch viel vor haben Bürgermeister Martin Steiner und die Birkenfelder Gemeindeverwaltung. Noch im November soll der Bau der neuen Gemeindebibliothek auf den Weg gebracht werden. Foto: Ehmann

Birkenfeld wählt Rathauschef

Steiner tritt 2019 bei zwei Wahlen an

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An seinen ersten Kontakt mit der Kommunalpolitik erinnert sich Martin Steiner genau: Er war 14 und hat mit einem Freund auf dem Pforzheimer Rodrücken Geld für die Deutsche Umwelthilfe gesammelt. Hartnäckig und bei strömendem Regen. Dabei war ein erklecklicher Betrag zusammengekommen. Für seinen Einsatz wurde er vom damaligen Ersten Pforzheimer Bürgermeister Siegbert Frank mit einem Preis ausgezeichnet. Steiners Berufswunsch war danach jedenfalls klar: „Mama, ich will Bürgermeister werden“, verkündete er zu Hause.

Der Bürgermeister baut, saniert und entwickelt

An seinem Traumjob hat sich auch gegen Ende seiner ersten Amtszeit als Birkenfelder Rathauschef nichts geändert. Und auch nicht an der Begeisterung, mit der er vor über sieben Jahren in das Amt gestartet ist. „Das Schöne am Beruf ist, die Gemeinde weiterzuentwickeln. Das geht nur in der Kommunalpolitik. Der Bürgermeister baut, saniert und entwickelt“, sagt der 42-Jährige in seinem Büro im Rathaus. Hinter ihm stehen Bilder von seiner Frau und seinen drei Kindern. An den Wänden hängen gerahmte Plakate von John F. Kennedy und Cicero.

Manche Themen verfolgen ihn in den Schlaf

„Bürgermeister sein ist eine Berufung. Es ist immer noch mein Traum, den ich jeden Tag leidenschaftlich lebe“, schwärmt der Verwaltungschef. Bürgermeister sein bedeute aber auch: ein voller Terminkalender und 365 Tage im Jahr im Dienst. Das Handy ausschalten – fast undenkbar. Im Urlaub im August 2016 habe er es dennoch einmal gewagt und erst abends auf sein Mobiltelefon geschaut: 23 Anrufe in Abwesenheit. Die Gemeindebibliothek war an dem Tag abgebrannt. Manche Themen verfolgen ihn sogar bis in den Schlaf. Manchmal komme es vor, dass er nachts um drei aufwache, dann aber oft mit der Lösung für ein Problem.

Beruf des Rathauschefs hat sich gewandelt

Traumjob – ja, aber sein Bild vom Beruf des Rathauschefs hat sich für Steiner dennoch geändert. Themen wie Digitalisierung, Breitbandausbau, Umweltschutz, Energieversorgung seien in den Vordergrund gerückt und die Kommunikation habe insgesamt stark zugenommen. Er lege Wert darauf, offen und ansprechbar zu sein und versuche, wie ein Schwamm aufzusaugen, was die Bürger wollen, betont Steiner. Darüber hinaus pflege er einen neuen Führungsstil, frage Verwaltungsmitarbeiter um Rat und könnte mit kritischen Stimmen umgehen und damit, dass sie ihm auch mal widersprechen.

Bibliothek auf ehemaligem Metzgereigelände geplant

„Zusammen haben wir viel geschafft“ lautet Steiners Bilanz unter seiner ersten Amtszeit. In der ersten Hälfte sei es jedoch darum gegangen, vom Vorgänger Reiner Herrmann „geerbte“ Projekte zu Ende zu bringen – beispielsweise die viel diskutierte Hermann-Gross-Sporthalle, das interkommunale Gewerbegebiet Dammfeld 1 oder die Sanierung des Areals Hindenburgstraße/Pfarrgasse in Gräfenhausen. Erst in den vergangenen drei, vier Jahren sei es möglich gewesen, eigene Ideen zu entwickeln, erzählt Steiner. Das sei spannend und treibe ihn an. Wobei: Jedes Jahr habe es unvorhergesehene Dinge gegeben, die einen Strich durch die Planung gemacht haben. Etwa der Schaden am Schwimmbad der Ludwig-Uhland-Schule oder die abgebrannte Gemeindebibliothek. Diese könnte auf dem Areal der ehemaligen Metzgerei Pfrommer bei der Silcher-Schule wieder aufgebaut und mit einem Erweiterungsbau des Sankt-Klara-Kindergartens kombiniert werden. Das Thema soll im November im Gemeinderat diskutiert und vielleicht auch beschlossen werden.

„Grünes Haus“ noch nicht unter Dach und Fach

Was noch nicht ganz unter Dach und Fach ist, ist die Sanierung des denkmalgeschützten „grünen Hauses“ in Gräfenhausen. Ein privater Investor will auf dem Areal ein Gebäude für betreutes Wohnen, Tagespflege und Kurzzeitpflege bauen. Der Kaufvertrag liege bereit. Steiner hofft, dass er noch in diesem Jahr unterschrieben wird.
Die Gemeinde stehe, was ihre Finanzkraft angehe, so gut da wie nie: Die Rücklagen haben sich zwischen 2010 und 2018 von 9,9 auf 23,2 Millionen Euro erhöht. Viel Geld werde in den nächsten Jahren in den Tiefbau fließen – in den Erhalt von Kanälen und Straßen. Zweites großes Thema wird die Innenentwicklung in Birkenfeld sein. Die Gemeinde habe hier viele Grundstücke aufgekauft, um Platz für Gewerbe und junge Familien zu schaffen. Denn die hohe Nachfrage nach Bauplätzen könnten derzeit von der Gemeinde nicht befriedigt werden, so Steiner.

Steiner will CDU-Kreisrat werden

Dass er bei der Bürgermeisterwahl am 5. Mai 2019 wieder kandidiert, hat Steiner Ende Oktober offiziell verkündet. Auch bei den Kreistagswahlen will er drei Wochen später antreten, um künftig die CDU-Fraktion im Enzkreis-Parlament zu verstärken. Ob es bei der Bürgermeisterwahl Gegenkandidaten gibt oder er durchmarschiert wie im Mai 2011, als er im ersten Wahlgang 72,3 Prozent der Stimmen holte, sei schwer zu sagen, so Steiner: „Ich gehe selbstbewusst in den Wahlkampf, aber man darf sich nicht zu sicher sein.“