Vor dem Haus war eine Frau nach der Messerattacke vor einem Jahr tot zusammengebrochen. Der Täter wurde verurteilt, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil der Angeklagte Revision eingereicht hat. Archivfoto: igm

Mord in Mühlacker jährt sich

Streit führt zu tödlichen Messerstichen

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Erschüttert und entsetzt waren viele Bewohner von Mühlacker, als vor genau einem Jahr ein Mann aus Syrien seine Frau vor den Augen der Kinder erstochen hat. Am Samstag, 2. März, jährt sich die Bluttat zum ersten Mal. Wie berichtet, wurde der 42-Jährige am 5. Oktober von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Revision wird noch geprüft

Das Urteil ist immer noch nicht rechtskräftig, weil der Angeklagte beim Landgericht Revision eingereicht hat. Die Sache werde derzeit noch vom Bundesgerichtshof geprüft. Mit einer Entscheidung sei nicht vor April zu rechnen, sagte Carolin Kley, Pressesprecherin für Strafsachen am Landgericht, auf Nachfrage. Bei der Revision wird ohne weitere Verhandlung überprüft, ob das Urteil ohne Verfahrensfehler zustande gekommen ist und ob alle Sachvorschriften eingehalten worden sind. Das Verfahren wird in einer Revision jedoch nicht wieder aufgerollt.

Tat aus „niederen Beweggründen“ verübt

Klar war für Richter Leonhard Schmidt, dass der Mann die Tat aus „niederen Beweggründen“ verübt hat, wie er in der Urteilsbegründung sagte. Als am Nachmittag des 2. März die Tragödie ihren Lauf nahm, hörten Nachbarn in der Hermann-Hesse-Straße Schreien und Weinen. Nachdem der Mann auf seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit dem Messer vor den Augen der beiden gemeinsamen Söhne neun Mal eingestochen hatte, schleppte sich die 37-Jährige aus ihrer Wohnung und brach auf einem öffentlichen Fußweg vor dem Haus tot zusammen. Die 13-jährige Tochter des Paares fand bei ihrer Rückkehr vom Einkaufen ihre Mutter vor dem Haus liegend und alarmierte die Polizei. Der Täter flüchtete mit seinem ältesten Sohn. Die Polizei überwältigte den Mann auf dem Platz vor dem Bahnhof und nahm ihn fest. Die Tatwaffe hatte er ins Gebüsch geworfen.

Täter filmt sich vor der Flucht

Vor der Flucht filmte sich der Täter, rechtfertigte in den 15-minütigen Video für sich die tödliche Tat, warnte darin alle syrischen Frauen und stellte das Video ins Internet. Es verbreitete sich rasch und löste zum Teil heftige Reaktionen aus. Der Clip wurde bald aus dem Netz genommen, der Mord sorgte jedoch überregional für Schlagzeilen und löste in der Stadt großes Entsetzen aus.

„Unbotmäßiges Verhalten“ als Motiv

Der Beweggrund für den Mord war die Bestrafung der Frau für ihr „unbotmäßiges Verhalten“, stellte das Schwurgericht am Landgericht Karlsruhe bei der Verhandlung Anfang Oktober fest. „Damit wollte er zeigen, dass syrische Frauen ihren Männern zu gehorchen haben“, verdeutlichte Richter Schmidt.
Der Angeklagte und seine Frau waren vor vier Jahren getrennt voneinander mit jeweils zwei Kindern nach Deutschland geflüchtet. In Deutschland ging die Ehe in die Brüche und zuletzt lebte der älteste Sohn beim Vater im Schwarzwald-Baar-Kreis. Die Tochter und zwei Söhne im Alter von sieben und neun Jahren wohnten bei der Mutter, die einen neuen Lebensgefährten hatte. Weil der Vater seinen Sohn vernachlässigte, drohte er, das Sorgerecht und die damit verbundenen Transferleistungen zu verlieren. Seiner von ihm getrennt lebenden Frau bot er an, das Sorgerecht gegen eine Zahlung von 3 000 Euro zu übertragen.

Kinder sind in Pflegefamilien untergebracht

Um das Sorgerecht drehte sich auch der Streit, der zu den tödlichen Stichen führte. Dass der Angeklagte bei seiner Messerattacke in Tötungsabsicht gehandelt hatte, daran gab es für die Schwurgerichtskammer schon wegen der wuchtigen Stiche in Richtung Hals und Oberkörper keine Zweifel.
Um die Kinder des Paares kümmerte sich nach der Tat die Jugendbehörde des Enzkreises. Inzwischen wurden sie in Pflegefamilien untergebracht.