Wie geht es mit dem geplanten Königsbacher Gewerbegebiet „Laier“ weiter? Das wollten rund 60 Bürger zu Beginn der Gemeinderatssitzung von Bürgermeister Heiko Genthner wissen. | Foto: Wacker

Gegner gehen auf die Barrikaden

Streit um Gewerbegebiet: Bürgerinitiative in Königsbach-Stein gegründet

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In Pforzheims Nachbargemeinde Ispringen formiert sich Widerstand gegen die Pläne für das Gewerbegebiet „Klapfenhardt“, in Königsbach-Stein könnte es nun zur Causa „Laier“ kommen. Zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstag versammelten sich im kleinen Bürgersaal des Steiner Rathauses rund 60 Bürger, die sich für den Erhalt der Fläche westlich des Ortsausgangs von Königsbach Richtung Wössingen als Naherholungsgebiet aussprechen. Sie befürchten, dass sich in dem Gebiet auch größere Firmen ansiedeln könnten. Es kam zu einem emotionalen Wortwechsel mit Bürgermeister Heiko Genthner.

Bürgerinitiative gegründet

Zu den Kritikern gehört Rainer Botz, der mit anderen Projektgegnern eine Bürgerinitiative gegründet hat. Ein Streitpunkt sei zum Beispiel das von Botz vernommene Interesse des in der Remchinger Straße ansässigen Galvanikbetriebs IMO Oberflächentechnik, im „Laier“ eine Produktions- und Lagerstätte zu errichten, erklärt er gegenüber dem Pforzheimer Kurier. Botz zufolge handelt es sich bei IMO aber um „Großindustrie“. „Das hat mit Kleingewerbe nichts zu tun“, so der Königsbacher Tierarzt. Ursprünglich, so Botz weiter, habe der Gemeinderat nämlich beschlossen, im „Laier“ nur kleinere Betriebe aus dem Ort anzusiedeln. Das mögliche Abweichen von diesem Beschluss deuten manche Kritiker als Wortbruch. Botz fragte deshalb in der Gemeinderatssitzung, ob an den Gerüchten etwas dran sei, dass IMO im „Laier“ eine 18 bis 20 Meter hohe Halle mit einer Schornsteinhöhe von bis zu zehn Metern bauen wolle.

Genthner widerspricht Behauptungen

Er dürfe keine Auskünfte zu einzelnen Firmen geben, antwortete Bürgermeister Heiko Genthner.
Botz habe zudem Behauptungen aufgestellt, die so nicht richtig seien, sagte Genthner am Tag nach der Gemeinderatssitzung gegenüber dem Pforzheimer Kurier: „Es gibt kein Beschluss, der besagt, dass im betreffenden Gewerbegebiet nur Kleingewerbe angesiedelt werden darf.“ Außerdem gehe es im Bebauungsplan darum, die Art der Bebauung festzulegen und nicht die Größe der Betriebe. Abgesehen davon sei „Kleingewerbe“ kein kommunalrechtlicher, sondern ein steuerrechtlicher Begriff. Der Bürgermeister finde es schade, dass die Kritiker nicht zu einem früheren Zeitpunkt auf ihn zugegangen seien.

Das Königsbacher Gebiet „Laier“, hier von der Rotenbergstraße aus aufgenommen, ist für viele ein beliebtes Naherholungsgebiet. | Foto: PK

Für uns ist das Gemeinwohl das Maß

„Es gibt mehrere ortsansässige Firmen, die Interesse an Erweiterungsflächen haben“, verdeutlicht  der Bürgermeister den aus Sicht der Gemeinde dringenden Handlungsbedarf, den heimischen Betrieben Erweiterungsflächen anzubieten. Persönlich könne Genthner die Sorgen mancher Bürger nachvollziehen, aber: „Für uns ist das Gemeinwohl das Maß. Die große Anzahl der Arbeitsplätze im Ort möchte ich erhalten“, sagt Genthner, der die Gefahr sehe, dass lokale Firmen andernorts eine geeignete Fläche suchten – und womöglich fänden.

Sorge wegen Lärm und Emissionen

Die Gemeinde ist laut Genthner nicht vollständig im Besitz der für das Gewerbegebiet vorgesehenen Flächen. Man habe aber bereits Gespräche mit Eigentümern geführt. Das Projekt werde schließlich nur deshalb weiterverfolgt, weil Aussicht auf Erfolg bestehe, sagt der Schultes auf Nachfrage. Einige Bürger befürchten mit der Ausweisung des Gewerbegebiets eine starke Zunahme von Lärm und Emissionen. Siw Müller wollte in der Bürgerfragestunde deshalb wissen, ob es dazu bereits Untersuchungen gebe. Genthner verwies auf Gutachten, die im Lauf des Planungsverfahrens vorgestellt und zugänglich gemacht würden.

Reitverein sieht sich in existenzieller Not

Der in der Bleiche 2, an der östlichen Grenze von „Laier“ ansässige Reit- und Fahrverein sieht sich durch die Pläne in existenzieller Not. „Für uns ist das eine Hängepartie. Wir wissen nicht, wo es hingeht“, sagt der Vorsitzende Martin Leopold. Seine Frau Tanja meldete sich im Gemeinderat besorgt zu Wort. Beide sehen acht von zehn Pferdekoppeln wegfallen. Die Flächen für die Koppeln hat der Verein laut Martin Leopold von der Gemeinde gepachtet. Die Verträge liefen Ende 2020 aus. „Es gehört einfach zu einer guten Pferdehaltung, dass man Koppeln hat.“ Wäre der Fortbestand des Vereins durch ein Gewerbegebiet gefährdet? Leopold glaubt, dass sich zumindest die Rahmenbedingungen der Vereinsarbeit ändern würden und nennt den Industrieverkehr als Beispiel. „Ein Pferd ist ein Fluchttier und viele Kinder befinden sich auf dem Vereinsgelände.“ Man wisse um die Abhängigkeit von der Gemeinde bei den Pachtverträgen, tatenlos zuschauen wolle man aber nicht, so Leopold.