pforzheim gewerbegebiet
WAS MACHT PORSCHE? Doch nicht im Ochsenwäldle, sondern hier im Gewann Klapfenhardt nahe Ispringen will die Stadt Pforzheim ein Gewerbegebiet entwickeln. Porsche hatte sich im Ochsenwäldle eine Fläche reservieren lassen. | Foto: Keiper

Streit um Gewerbegebiet in Pforzheim: OB Boch reagiert enttäuscht

Die Pläne von Oberbürgermeister Peter Boch für ein künftiges Gewerbegebiet Klapfenhardt nördlich der Autobahnanschlussstelle Pforzheim-West sorgen weiter für Missstimmung. Während man bei der Bürgerinitiative Nord die Kritik am Rathauschefs bekräftigt, zeigt sich der OB in einer Stellungnahme enttäuscht über den scharfen Tonfall. Für ihn ist Klapfenhardt „wirklich eine Zukunftsfrage“.

Wie berichtet kündigte die Bürgerinitiative (BI) Nord Widerstand gegen die vom OB kurz vor Weihnachten öffentlich gemachten Pläne an. Bei dem Stadtwaldgebiet handle es sich um ein Naherholungsgebiet mit altem Baumbestand und schützenswerten Arten.

Zudem hatte BI-Sprecher Manfred Pflüger das Kommunikationsverhalten des Rathauschefs kritisiert. Der OB habe vor seiner Entscheidung keinen diesbezüglichen Austausch mit der Bürgerinitiative gesucht. Erst kurz bevor die Klapfenhardt-Pläne von der Stadt öffentlich gemacht wurden, habe Boch den BI-Sprecher per „Telefonat vom Autotelefon“ informiert.

Knappe Ansage vom Autotelefon?

Pflüger bekräftigte am Mittwoch seine Enttäuschung über die nach seiner Darstellung  knappe telefonische Ansage in einer E-Mail an OB Boch, die dem Kurier vorliegt. Der Rathauschef habe gesagt: „Ich sage Ihnen das, bevor Sie es morgen in der Zeitung lesen.“ Pflüger schreibt weiter: „Geschmacklos haben Sie dann am 23. Dezember der Bevölkerung mitgeteilt, dass Sie 68 Hektar eines der ältesten Wälder der Stadt für kommerzielle Zwecke abholzen wollen. Wohlgemerkt ohne weitere Konsultation oder Information der Pforzheimer Bürgerschaft.“

Ich bin ein bisschen enttäuscht über den scharfen Tonfall der Bürgerinitiative Nord. Denn mit Herrn Pflüger habe ich vorab ein – wie ich fand – sehr sachliches Gespräch geführt.

Im Rathaus zeigt man sich unterdessen verwundert über die massive Kritik der Bürgerinitiative, die nach eigenen Angaben rund 700 Mitglieder hat. OB Boch: „Ich bin ein bisschen enttäuscht über den scharfen Tonfall der Bürgerinitiative Nord. Denn mit Herrn Pflüger habe ich vorab ein – wie ich fand – sehr sachliches Gespräch geführt. Ich will den Blick aber nach vorne richten: Die Stadt ist sehr gerne bereit, den Dialog mit der Bürgerinitiative fortzuführen und sich auch die Sicht der Naturschutzverbände anzuhören.“ Für die Stadt sei es nämlich „wirklich eine Zukunftsfrage, in einem überschaubaren Zeitraum neue Gewerbeflächen zu entwickeln“. Boch stellte zudem klar: Was Klapfenhardt angehe, befinde man sich noch in der Prüfphase. „Unter anderem werden wir in diesem Jahr eine Artenschutz- und Umweltverträglichkeitsprüfung beauftragen. In diesem Zusammenhang werden auch die Naturschutzverbände gehört. Außerdem steht noch die Abstimmung mit sämtlichen zuständigen übergeordneten Stellen an.“

OB Boch betont finanzielle Vorteile

Boch betonte erneut die finanziellen Vorteile des neuen Plangebietes: „Sollte der Gemeinderat im Anschluss daran der Aufstellung des Bebauungsplans zustimmen, werden wir mit der Entwicklung von Klapfenhardt 50 Millionen Euro im Vergleich zu Ochsenwäldle einsparen. Das ist ein echtes Wort!“
Ähnlich wie die anderen Stadtkreise Heilbronn, Ulm oder Mannheim habe Pforzheim einen Auftrag als Oberzentrum zu erfüllen. Ziel bleibe die Entwicklung eines nachhaltigen Gewerbegebietes. Umweltgesichtspunkte sollen bei der Erschließung so weit wie möglich berücksichtigt werden. „Gleichzeitig wollen wir als Kompensation die Entwicklung von Steinig nicht weiterverfolgen und den angrenzenden Erholungsraum aufwerten. Das bisher erarbeitete Waldausgleichskonzept für Ochsenwäldle können wir weitgehend auf Klapfenhardt übertragen“, so Boch.

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