Ein seltener Moment: Julien Frisch (stehend), Inhaber des Arlinger-Restaurants, bedient seine Gäste. Viele Tische allerdings blieben leer – und das, obwohl er bereits die Außentische um ein Drittel reduziert hat. | Foto: Ehmann

Restart der Gastronomie

Tag eins nach Corona-Shutdown: Viele Tische bleiben in Pforzheim leer

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Seit Montag haben die Restaurants auch in Pforzheim wieder geöffnet. Wirklich groß war die Freude darüber bei den Wirten allerdings nicht. Die sehen große wirtschaftliche Risiken am Horizont. Und manche hatten gar nicht erst aufgemacht.

Wenn Betreiber von Restaurants zur Mittagszeit in Ruhe ein Interview führen können, ist das nur selten ein gutes Zeichen. Julien Frisch, Inhaber des Arlinger Restaurants in Pforzheim, nimmt sich viel Zeit.

Entsprechend schlecht sind die Nachrichten, die er zu verkünden hat am herbeigesehnten Tag, da die Gastronomie wieder reguliert öffnen darf.

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Im Arlinger fehlen nach Corona-Pause Familien und Ältere

„Wirtschaftlich ist es eine Katastrophe“, sagt Frisch. Auf ein Drittel der Plätze im Biergarten musste er verzichten, im Innenraum sind es noch einmal deutlich mehr. „Aber selbst die wenigen Plätze, die wir haben, kriegen wir nicht gefüllt“, klagt Frisch, der auf einem kleinen Tisch Desinfektionsmittel und Hinweise zu den Corona-Regeln bereitgestellt hat.

Man habe mit einem bescheidenen Zustrom gerechnet. Im Arlinger lebe man eben von Großveranstaltungen, von den älteren, „der Risikogruppe“, so Frisch. 13 Mitarbeiter beschäftigt Frisch, gerade einmal zwei davon hat er aus der Kurzarbeit zurückgeholt. Und eigentlich sei man ja nur da, „um Präsenz zu zeigen“.

Geschäftiges Treiben im Würmtal

Etwas geschäftiger geht es in der Würmtal-Gaststätte von Peter Monasso zu. Der zumindest hat zur Mittagszeit keine Möglichkeit zum Interview, ist in der Küche gebunden. „Schuld“ sind auch Kundinnen wir Helga Zink aus Huchenfeld, die mit ihrem Mann hergekommen ist. „Es hat uns schon gefehlt“, sagt sie mit einem Glas Johannesbeer-Schorle in der Hand.

Das ist nicht mehr als eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Frank Daudert, Betreiber des Biergartens im Enzauenpark

Viele Gastronomen aber haben den Montag gescheut, öffnen erst später. So wie Frank Daudert, Inhaber des Biergartens im Enzauenpark. Der zweite Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands im Enzkreis Dehoga hatte zunächst gar nicht öffnen wollen, nun soll es doch am Mittwoch soweit sein, mit 300 anstatt 1.900 Plätzen.

Auch Daudert ist skeptisch: „Das ist nicht mehr als eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, sagt er, während die Arbeiten vorangehen. Immer wieder kommen Kunden vorbei, die er abweisen muss. „Ich hätte bestimmt 150 Kunden gehabt“, sagt er. Bei einem Betrieb, der sonntags bis zu 30 Mitarbeiter hat, sei das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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Stammkunden essen wieder griechisch

Halbwegs zufrieden ist immerhin Spyridon Evangelos, Inhaber des griechischen Restaurants am Marktplatz. „Es ist nicht ganz so schlimm gewesen wie erwartet“, sagt er. Vor allem auch, weil die Stammkunden die Treue gehalten hätten. 60 Essen habe er immerhin verkauft, etwa die Hälfte des normalen Umsatzes. Und doch sind auch bei ihm die Sorgenfalten tief.

Denn erst im September hatte er einen kleinen Laden in der Leopoldstraße eröffnet. „Der hat noch nicht so viele Stammkunden“, sagt der aus dem Raum Ludwigsburg Hergezogene. Da sehe es schlecht aus.

Und so stehen sie alle zwischen Hoffen und Bangen, wie es Julien Frisch im Arlinger beschreibt: „Wenn noch einmal geschlossen werden muss, ist finito.“