Am Boden zerstört war Stanley Ratifo auch nach dem DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen mit dem 1. CfR Pforzheim. In Guinea-Bissau wurde der mosambikanische Nationalspieler zum tragischen Helden. | Foto: Rubner

Pforzheimer Nationalspieler

Tal der Tränen statt Afrika-Cup: Traum von CfR-Pforzheim-Kicker Ratifo platzt in Nachspielzeit

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Noch eine Stunde nach dem Abpfiff saß Stanley Ratifo in der Kabine. Die Tränen flossen in Strömen und wäre Mosambik nicht gerade von einer schlimmen Naturkatastrophe getroffen worden, im gesamten Land gäbe es wohl niemanden, der stärker unter Schock stünde als der Fußballer des 1. CfR Pforzheim und seine Mannschaftskameraden der mosambikanischen Nationalmannschaft.

Ratifo wähnte sich schon im Afrika-Cup

„Für drei Minuten waren wir im Afrika-Cup“, sagt Ratifo am Montag danach, zurück in Pforzheim. Er wird diesen Satz, einem Mantra gleich, in dem Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier nicht nur einmal verwenden. Wer Ratifo in Pforzheim erlebt hatte, der wusste: Bei aller Liebe für den Oberliga-Club, sein großes Ziel war die Qualifikation mit Mosambik. „Ich quatsche ja viel darüber, auch im Club. Jeder weiß, dass das mein Traum war.“ Als Gruppendritter verpasst er nun die Teilnahme am afrikanischen Pendant der Fußball-EM.

Pforzheimer Ratifo leitet mit Tor für Mosambik Aufholjagd ein

Es kommt aber auch so vieles zusammen, gerade für Ratifo – den Mann, der mit seinem Siegtreffer gegen Sambia erst den Showdown gegen Tabellenführer Guinea-Bissau ermöglicht hatte. Den Mann, der nach dem 0:1 in Westafrika zur Pause den Startschuss zu einer wahren Willensleistung gab mit seinem 1:1-Ausgleich. „Da wussten wir, wir gewinnen das heute“, sagt Ratifo. Und das musste die Auswahl des Geburtslandes von Eusébio – WM-Torschützenkönig von 1966 – im Duell der portugiesischen Ex-Kolonien auch. Nur so war es möglich, noch an Guinea-Bissau oder Namibia vorbeizuziehen.

Ratifos Mannschaft wollte für Zyklon-Opfer in Mosambik gewinnen

Als Mosambik schließlich das herbeigesehnte 2:1 in der 89. Minute erzielte, schien für den wegen eines Krampfes ausgewechselten Ratifo der große Traum wahr zu werden. „Wir wollten dem ganzen Land etwas schenken. Auch wegen der Naturkatastrophe. Ihnen eine Freude machen.“ Der Trainer habe sie mit Bildern vom verheerenden Wirbelsturm motiviert. „Meine Oma lebt in einem der betroffenen Orte“, sagt Ratifo, entsprechend nahe seien ihm die Verwüstungen durch den Zyklon gegangen.

Ausgleich lässt Mosambiks Träume zerplatzen

Wie viele Minuten die Hoffnung auf etwas Schmerzlinderung nun genau währte, darüber streiten sich die Quellen. Die deutschsprachige namibianische Allgemeine Zeitung spricht von sechs Minuten, Ratifo von drei, die Fifa von vier. Bei ihrem Ende sind sich aber alle einig: Ein Freistoß der Gastgeber fand über Umwege den Weg ins Tor und Ratifos Träume wurden brutal zerstört. „Wir haben schon gefeiert“, sagt Ratifo. „Und dann kriegst du das Gegentor.“ Er selbst musste das Drama von der Seitenlinie ertragen. „Ich habe alles gegeben. Ich kann in den Spiegel schauen.“

CfR-Sportvorstand Heinemann: „Werden ihn in den Arm nehmen“

Nun gelte es, den Schalter wieder umzulegen. Die richtige Einstellung für das Oberligaspiel gegen die Stuttgarter Kickers am Freitag zu finden. „Jetzt muss man vom Traum abschalten“, sagt er, glaubt, dass das „ab Mitte der Woche“ gelingen wird. Die Reaktionen, gerade auch vom CfR, seien aufmunternd gewesen. Entsprechend formuliert es auch Sportvorstand Torsten Heinemann: „Wir werden ihn in den Arm nehmen und ihn tätscheln. Aber auch ein bisschen schubsen, damit er gegen die Kickers auch ein Tor schießt.“

Ratifo hofft auf neue Chance für Afrika-Cup 2021

Bis Ratifo allerdings den Schock endgültig verdaut habe, das „dauert seine Zeit“. Aber vielleicht gibt es ja in zwei Jahren nochmal eine Chance für Mosambik und Ratifos Traum. „Ich glaube dran“, sagt Ratifo. „Man weiß nie, was passiert.“