Anarchie beim Lokus-Neubau? CDU-Stadtrat Sarow kritisiert die Stadtverwaltung wegen ausufernder Kosten. | Foto: Ehmann

Zu hohe Kosten

Toiletten-Häuschen im Pforzheimer Stadtgarten sorgt bei CDU für Stunk

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Große Aufregung um ein kleines Geschäft: CDU-Stadtrat Andreas Sarow kritisiert in einem Brief die Kostenplanungen der Verwaltung beim Neubau des Toiletten-Häuschens im Stadtgarten. Die Arbeiten könne man auch deutlich billiger umsetzen.

Andreas Sarow stinkt es gewaltig. Der CDU-Stadtrat und Architekt hat sich in einem Brief an die Stadtverwaltung gewandt, der dem Pforzheimer Kurier vorliegt. Der Inhalt in einem Satz: Die Planung von 300.000 Euro für den neuen Lokus im Stadtgarten gehört eher in dessen Abflussrohr als in den Haushalt.
Denn bei den 300.000 Euro bleibe es ja nicht, spekuliert Sarow.

Sarow: „Da können die Anbieter Mondpreise verlangen“

„Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit dürfte die Endsumme nach dieser Kalkulation vermutlich bei 400.000 liegen“, schreibt er in dem Brief. Im Gespräch mit dem Kurier legt er noch einmal nach: „Man sieht es bei anderen Projekten, da sind wir bei 30 Prozent mehr Kosten als geplant. Das ist dem Bürger nicht zu vermitteln.“

Dabei will Sarow gar nicht mit dem Rotstift wedeln, um die Kosten auf etwa 150.000 Euro zu senken. Aufgrund von Vandalismus und Hygienevorschriften gehe es im Stadtgarten-Lokus nicht ohne teuren Edelstahl, im Gegensatz zum Privatlokus mit Keramik-Teilen. Stattdessen sollen sich nicht so viele Unternehmen eine goldene Nase mit der Notdurft verdienen.

Module lieber eins zu eins nutzen?

„Wir haben in der Branche das Gefühl, es gibt zwei Preislisten – eine für Wettbewerber und eine für die öffentliche Hand“, sagt Sarow. „Der Bewegungsspielraum der Stadt ist geringer, da können die Anbieter dann auch Mondpreise verlangen.“

Allerdings sei der Neubau der Toilette wenig komplex. „Wenn man Module nutzt, dann sollte man die so nutzen, wie sie eins zu eins auf dem Markt sind“, fordert Sarow. Das führe zu weniger Beteiligten und weniger Mondpreisen, trotz nahezu gleicher Aufgaben, „inklusive Abriss, Entsorgung, Fundament mit Grundleitung und Fertigmodul“.

Sarow sorgt sich um die „großen Geschäfte“

„Freundlich, aber bestimmt“ nennt Sarow daher seinen Hinweis an die Verwaltung und Bürgermeisterin Sibylle Schüssler. Die Vehemenz und Öffentlichkeit seiner Kritik habe auch mit einem gewissen zeitlichen Druck zu tun. Zudem habe die Verwaltung schon bei anderen Projekten wie dem Umzug des Stadtarchivs wenig Fingerspitzengefühl bewiesen.

„Da hätte man einfach jemanden hinschicken können, der die Regale ausmisst. Stattdessen wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben“, beschwert sich Sarow, stellt klar: „Ich möchte nicht nur einfach Druck ablassen.“ Vor allem treibe ihn eine Sorge um. Dass derartige Kosten bei einem kleinen Geschäft wie einem Klohäuschen nichts Gutes für die wirklich großen Geschäfte bedeuten, die bei der Verwaltung anstehen. „Hier hat die Verwaltung einfach die Chance, zu beweisen, dass sie mehr drauf hat.“