Sportliche Schlagzeilen will der Türkische SV Mühlacker in dieser Saison schreiben. Doch auch im Stadtderby dominiert der Schiedsrichter-Disput. Foto: Henkel | Foto: Henkel

Aggression gegen Unparteiische

Protest gegen Schiedsrichter: Keine Ruhe beim Türkischen SV Mühlacker – Kritik auch aus Bruchsal

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Es will keine Ruhe einkehren beim Türkischen SV Mühlacker. Vor einer Woche hatte sich das Team vorzeitig im Spiel gegen den FV Knittlingen vom Platz entfernt, aus Protest gegen den Schiedsrichter, wie es damals hieß. Im Stadtderby gegen die Sportfreunde am Sonntag wäre es beinahe wieder zu einer solchen Situation gekommen.

„Ich wollte erneut die Mannschaft zurückziehen“, berichtet Türkspor-Trainer und Zweiter Vorsitzender Recep Coskun. „Die schlachten uns, seit zwei Wochen. Irgendwann ist Schluss. Es kann doch nicht sein, dass immer die Spieler schuld sind und nie der Schiedsrichter“, beklagt er sich.

Türkischer SV Mühlacker kritisiert erneut den Schiedsrichter

Was war geschehen? Christian Zok aus Neudorf (Kreis Bruchsal) war als Unparteiischer eingeteilt, hatte neben einer Roten Karte nach Tätlichkeit gegen den Türkischen SV drei Elfmeter gepfiffen beim 2:1 für die Sportfreunde – zwei für den späteren Sieger. „Der hat uns von der ersten Minute an niedergepfiffen“, sagt Coskun, wobei er einräumt, dass die Rote Karte gerechtfertigt war.

Trainer der Sportfreunde Mühlacker spricht von hitzigen Momenten

Eine andere Sicht auf die Dinge hat sein Gegenüber, Sportfreunde-Trainer Ehab Ahmad. „Die haben von Anfang an jede Entscheidung des Schiedsrichters kommentiert“, berichtet er. „Der Schiedsrichter hat hervorragend gepfiffen“, erklärt er weiter. „Auch beim Elfmeter gegen uns.“ Nach dem Abpfiff sei es dann hitzig geworden.

„Gott sei Dank waren ein paar Vernünftige beim Türkischen SV dabei, die die Leute zurückgepfiffen haben.“ Auch von den Sportfreunden hätten Verantwortliche den Unparteiischen „geschützt“. So sei es friedlich geblieben. Vor allem von den Rängen sei Zündstoff gekommen. Bereits im Juli war der TSV negativ aufgefallen, als es beim Stadtpokal gegen Großglattbach eine Schlägerei gab.

Bruchsaler Schiedsrichter-Obmann will eigene Leute in Pforzheim besser schützen

Vollends bedient jedenfalls ist der Bruchsaler Schiedsrichter-Obmann Andreas Rothengaß. Wie schon am vergangenen Wochenende pfiff mit Zok einer seiner Schützlinge das Spiel. „Wir müssen uns überlegen, ob wir weiterhin Austausch-Schiedsrichter nach Pforzheim schicken“, erklärte er.

„Wir müssen unsere Schiedsrichter schützen. Wir nehmen zur Kenntnis: Bei Austauschspielen haben wir Probleme.“ Bereits beim Vorfall vor einer Woche, so berichtet Rothengaß, sei er aus der Kabine angerufen worden, habe aus der Ferne eingegriffen.

Und der stellvertretende Pforzheimer Kreisvorsitzende Thomas Distel sagte schon zum diesem Vorfall: „Wo kommen wir da hin, wenn jeder einfach so den Platz verlässt, wenn ihm der Schiedsrichter nicht passt?“

Kritik auch am badischen Fußballverband

Derweil mischen sich auch ehemalige Schiedsrichter wie Thomas Merkelbach aus Dettenheim in die Debatte mit ein. 20 Jahre lang pfiff er im badischen Fußballverband, unter anderem in der Oberliga. Er kritisiert die Schiedsrichterausbildung und Verbands-Obmann Rolf Karcher.

„Schiedsrichterneulingslehrgänge werden mit dem unbedingten Ziel durchgeführt, jeden Teilnehmer zur Prüfung zuzulassen und diesen auch bestehen zu lassen“, sagt er. Zudem würden die Sportgerichtsbarkeit viel zu milde Urteile gegen die Vereine fällen.

Coskun hätte sich Beobachter beim Derby gewünscht

Mühlackers Coskun sieht das naturgemäß anders – ist aber auch enttäuscht vom Verband. „Ich hätte erwartet, dass die einen Beobachter schicken“, klagt er. Immerhin habe Karcher dieser Redaktion gegenüber ein Interview gegeben und dabei auch Bezug auf die Situation in Mühlacker genommen. Generell sei man aber auch in Mühlacker dankbar, dass es Schiedsrichter gebe. Selbst stelle der Verein keine.