Umringt war Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der beim Neujahrsempfang der SPD in Mühlacker als Gastredner auftrat. Foto: Wacker

Sigmar Gabriel in Mühlacker

Über Europa zur GroKo

Ein so großes journalistisches Interesse habe sie bei einem SPD-Neujahrsempfang noch nie erlebt, sagte Bundestagsmitglied Katja Mast mit verwundertem Blick in den Uhlandbau in Mühlacker. Über 300 Besucher aus vielen gesellschaftlichen Bereichen waren am Donnerstag zur Veranstaltung der Sozialdemokraten aus Pforzheim und dem Enzkreis gekommen – viele von ihnen aus Neugier auf den Gastredner: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel.

Eine Stunde zu spät in Stuttgart gelandet

Am Morgen habe es noch so ausgesehen, dass er wegen des Sturms überhaupt nicht würde kommen können, erzählte Mast. Doch dann sei sein Flugzeug doch in Stuttgart gelandet – wenn auch eine Stunde zu spät. Vor dem Uhlandbau demonstrierten Friedensgruppen aus Kleinglattbach, Ludwigsburg und Vaihingen mit Bannern dafür, dass ein Atomwaffenverbot in den Koalitionsvertrag mitaufgenommen wird. „Es war eine spontane Aktion, um ein Zeichen zu setzen“, erklärt Gerlinde Ehrenfeuchter aus Vaihingen.

Demo für Atomwaffenverbot

Die Gäste im Saal klatschten, als sich der Vizekanzler im Blitzlichtgewitter schließlich den Weg zur Bühne bahnte und von den Kreisvorsitzenden Paul Renner (Enzkreis) und Frederic Striegler (Pforzheim) begrüßt wurde. Zunächst gab es viel Lob für Katja Mast: Gabriel bezeichnete sie als „exzellente Abgeordnete, die nicht vergessen hat, wo sie herkommt.“ In seiner 30-minütigen Rede ging der geschäftsführende Außenminister vor allem auf Europapolitik ein. Die wichtigste Botschaft für 2018 sei, die europäische Union wieder mehr zusammenzubringen, so Gabriel, „denn nirgendwo auf der Welt leben die Menschen so friedlich und demokratisch wie in Europa“. Deutliche Worte zur GroKo, mit denen viele im Uhlandbau sicherlich gerechnet hatten, blieben aus. Das Sondierungspapier erwähnte er nur ein Mal und das, als er es als „Wende in der Europapolitik“ der Regierung bezeichnete.

Deutliche Worte zur GroKo bleiben aus

Auf die große Koalition ging hingegen Katja Mast ausgiebig ein. Die GroKo sei keine „Liebesheirat“, absolut niemand sehne sie herbei, versicherte die Dietlingerin, aber beim Parteitag am Sonntag werde sie der Aufnahme der Koalitionsverhandlungen zustimmen. In den Sondierungsgesprächen habe die SPD „extrem viel für Familien“ herausgeholt. Und es gebe am Sonntag nur zwei Optionen: Koalitionsverhandlungen oder Neuwahlen, so Mast.

Besucher von Gabriels Rede angetan

Auch der Martin Kunzmann, Bezirksvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), wünscht sich  Koalitionsverhandlungen – „alles anderes wäre unberechenbar“. Er sei optimistisch, dass die Mehrheit der Delegierten am Sonntag für Koalitionsverhandlungen stimmen.
Viele der Besucher waren von Gabriels Rede angetan. „Ich fand den Auftritt sehr gut. Was die Außenpolitik angeht, hat er mir aus der Seele geredet“, sagte Hans Vester, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. Aus Vesters Sicht hat sich Gabriel über den Umweg Europa doch für die GroKo ausgesprochen, insofern als dass Deutschland eine funktionsfähige Regierung brauche – für Europa.