DIE FLAUSCHIGEN HÄRCHEN der Raupe haben es in sich: Sie können für Hautreizungen und Atemnot sorgen. | Foto: dpa

Kleine Raupe – großer Ärger

Ungebetener Premierengast auf der Pforzemer Mess

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Ein wegen seiner vielen Härchen fast flauschig aussehendes Insekt spielt sich als Spaßbremse auf bei der Pforzemer Mess. Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS) sorgten am Montagabend für Ungemach. Sieben Personen klagten laut Feuerwehr über Beschwerden, und es sind just diese Härchen, die Hautreizungen und Atemnot hervorrufen können.

Hautreizungen und Atemnot

Einige Besucher seien vor Ort vom Notarzt behandelt worden, andere ambulant im Krankenhaus, berichtet ein Sprecher der Feuerwehr. Diese sperrte daraufhin eine etwa 15 auf zehn Metter große Fläche um eine befallene Eiche im westlichen Bereich der Mess’ ab, nachdem dort Raupen des Schädlings entdeckt worden waren. Es war der zweite Einsatz seit Sonntag. Hin zur Hauptfeuerwache wurde am Montag eine weitere Fläche mit fünf kleineren Bäumen abgesperrt.

Eichen werden mit Insektizid besprüht

„Die Bereiche werden mit einem biologischen Insektizid besprüht“, erklärt Stadtsprecher Stefan Baust die Vorgehensweise von Technischen Diensten und Grünflächen- und Tiefbauamt. Aber auch wenn die Tiere abgestorben sind: Das giftige Protein, das sich in den hohlen Brennhaaren befindet, wirkt weiter und kann durch Wind über die Absperrung hinaus getragen werden. Daher wird die Feuerwehr nach dem Sprühen die befallenen Bäume an diesem Mittwoch noch mit Wasser abspritzen. Dieses binde die Härchen und fließe mit ihnen über die Kanalisation ab, erläutert Baust. So verhindere man die Fortpflanzung des EPS im nächsten Jahr – wenn denn das Insektizid wirkt.

Zweiter Einsatz seit Sonntag

Bereits am vergangenen Sonntag war die befallene Eiche im westlichen Bereich besprüht worden, ohne Erfolg. Jetzt hofft man, ein wirkungsvolleres Mittel zu haben. Zwei Stände auf der Mess mussten zusammenpacken, doch am heutigen Mittwoch soll es für sie wieder weitergehen.

GESPERRT sind vorübergehend zwei Bereiche bei der Pforzemer Mess, wo der Eichenprozessionsspinner bekämpft wird.
GESPERRT sind vorübergehend zwei Bereiche bei der Pforzemer Mess, wo der Eichenprozessionsspinner bekämpft wird. | Foto: Ehmann

Zwei Stände vorübergehend geschlossen

Man habe sich geeinigt, so Marktleiter Marc Pfrommer, der glaubt, an diesem Mittwoch den ungebetenen Premierengast auf der Mess wieder los zu sein.
Vor einem Monat sorgten Raupen des EPS an zwei Brettener Schulen für Aufregung. Kinder klagten über Atemnot und Hautrötungen. Der Name Eichenprozessspinner rührt daher, dass die Raupen Eichenblätter fressen und Stämme und Äste in langen Prozessionen überziehen.

Spinner legt nach heißem Sommer zu

Heimisch sei er hier schon seit Jahrhunderten, erklärt Markus Haller, Leiter des städtischen Umweltamts. „Im Wald gehört er dazu.“ Nach dem Hitzesommer 2003 habe er deutlich zugelegt, und dies sei auch nach dem vergangenen heißen, trockenen Sommer zu beobachten. Eine Bekämpfung der grau-schwarzen, fünf Zentimeter langen Raupen mit der Chemiekeule hält Haller für bedenklich.

Chemiekeule ist bedenklich

„Man tötet zu viele andere Arten.“ Anders als bei betroffenen Eichen in der Stadt oder im Garten, wo man sich länger aufhält, seien Waldspaziergänge unbedenklich. Er rät: „Auf den Wegen und weg von den Raupen bleiben.“ Sie seien meist im oberen Stammteil zu finden und verpuppten sich um diese Jahreszeit in Gespinstnester. „2005 ist die Population wieder zusammen gebrochen, ganz ohne Bekämpfung .“