Auf der Zielgerade befindet sich der Mordprozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler. Die Nebenklage fordert vom Angeklagte (hier mit Verteidiger Marvin Schroth) Schmerzensgeld und Schadensersatz.
Wie der Pforzheimer Schmuckhändler zu Tode gekommen ist, ist noch unklar. Sicher ist aber: Um eine natürliche Todesursache handelt es sich nicht. | Foto: Ochs

Überraschende Entwicklung

Unklare Todesursache und neue Beweise: Urteil im Pforzheimer Schmuckhändler-Prozess verschoben

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Normalerweise hätte am 29. Juni das lang erwartete Urteil im Fall um den getöteten Schmuckhändler aus Pforzheim fallen sollen. Allerdings brachte die Verhandlung vor der Schwurgerichtskammer am Karlsruher Landgericht am Freitag einige Überraschungen mit sich, welche eine Entscheidung in diesem Monat nicht mehr möglich machen.

So blieb die Todesursache des 57-jährigen Schmuckhändlers weiterhin ungeklärt und zusätzlich tauchten Aktenordner mit weiteren Spuren auf, welche dem Gericht bisher noch nicht bekannt waren. „Derzeit lässt sich nicht abschätzen, wie viele Termine bis zum Ende des Verfahrens noch notwendig sind“, so der Vorsitzende Richter Alexander Lautz. Aufgrund der weiterhin offenen Todesursache gab das Gericht am Freitag einen histologischen Befund in Auftrag, mit dessen Ergebnis aber nicht vor Mitte oder Ende Juli zu rechnen ist.

Gegensätzlich als zu von der Staatsanwaltschaft genannten Todesursache durch Strangulation, brachte ein Gutachter am neunten Verhandlungstag weitere Szenarien hervor. Diese konnten nun weder von einer Rechtsmedizinerin aus Straßburg und Heidelberg ausgeräumt werden. „Die wahrscheinlichste Todesursache  ist eine Mischung aus Sauerstoffentzug und Vergiftung“, so die Rechtsmedizinerin aus Heidelberg.

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Dagegen habe sie eindeutig Spuren, der als K.-o.-Tropfen genutzten Substanz GBL beim Opfer gefunden. Doch die gefundene Dosis reiche nicht für einen Tod aus. „Im rechten Halsbereich lassen sich Einblutungen nachweisen, doch wie diese zustande gekommen sind, kann ich nicht sagen“, erklärte eine Sachverständige aus Straßburg. Diese hatte den stark verbrannten Leichnam wenige Tage nach der Tat obduziert.

Natürliche Todesursache ist ausgeschlossen

Neben Hämatomen am Hals wurden weitere am Schulterblatt, Brustbereich und Rücken festgestellt. Dagegen konnte sie keine Hinweise für Ruß oder inhalierten Rauch im Mundbereich finden. Im Verfahren hatte der Angeklagte behauptet, dass dieser das Opfer am Hals und Arm gepackt und versucht habe, ihn wieder auf den Stuhl zu setzen. Abends habe er ihn über das Treppenhaus in sein Auto geschleppt.

„Halten Sie diese Theorie für die entstanden Hämatome für plausibel?“, wollte Richter Lautz wissen. „Nach meiner Einschätzung gibt es hierfür zu viele ausgedehnte Einblutungen und deshalb halte ich dies für nicht wahrscheinlich“, erklärte die 51-jährige Rechtsmedizinerin aus Heidelberg.

Eine natürliche Todesursache schlossen beide Rechtsmedizinerinnen aus. Ebenso konnten sie keine Auskunft darüber geben, ob das Opfer zuvor eine ätzende Substanz getrunken hatte oder ob diese über eine Spritze injiziert wurde.

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Weitere Erkenntnisse über die Todesursache soll eine histologische Untersuchung in Heidelberg ergeben. „Somit können wir die Ursache und den Zeitpunkt deutlich mehr eingrenzen“, meinte die 51-jährige. Der Prozess geht am Freitag, 26. Juni, ab 9 Uhr weiter.

(ste)