Schwarz-gelb ist die charakteristische Farbe des Feuersalamanders. Feuer löschen kann man mit Lurchi und seinen Artgenossen übrigens nicht, das ist ein mittelalterlicher Irrglaube. | Foto: Ehmann

Lurchi wird bald 50

Uralter Feuersalamander lebt in Pforzheim-Huchenfeld

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Bei Familie Staub im Pforzheimer Stadtteil Huchenfeld lebt ein Feuersalamander, der wirklich alt ist, denn Lurchi geht flott auf die 50 Jahre zu. Das klingt rekordverdächtig, denn das älteste bekannte Exemplar der Schwanzlurche lebte in Bonn im Terrarium des Naturkundemuseums Koenig von 1863 bis 1913. Wer Lurchi genüsslich und wohlgenährt auf der Hand seiner Besitzerin liegen sieht, glaubt gerne, dass diesem gut 20 Zentimeter großen Feuersalamander eine Sensation gelingt, spätestens 2023.

Dabei sah es für Lurchi zunächst gar nicht gut aus. Es war Dezember 1972, erinnert sich Rüdiger Staub, der damals neun Jahre alt war: „Wir waren gerade von Pforzheim nach Huchenfeld gezogen.“
Seine Mutter Toni erinnert sich gut: „Über die Terrasse ging es damals ein paar Stufen zur Waschküche herunter und dort war ein Gully.“ Da saß das arme Tier gefangen und am Eis festgefroren und schien tot zu sein. Die beherzte Tierfreundin taute mit einem Föhn den noch kleinen, damals zehn Zentimeter langen Salamander auf und siehe, er lebte.

Ein Familienleben mit Feuersalamander führt Toni Staub seit fast 47 Jahren. | Foto: Ehmann

Vier Würmer täglich

Doch was nun? Als Frau der Tat rief sie sofort bei Deutschlands großem Zoologen Bernhard Grzimek an und holte Rat ein. Es kam über die nächste Zeit zu einem angeregten Briefwechsel zwischen Toni Staub und Grzimek. Lurchi erhält seitdem täglich vier Regenwürmer, gekauft bei einem Anglergeschäft.

In der Natur werden Feuersalamander etwa 20 Jahre alt

Der Feuersalamander zählt zu den Schwanzlurchen und ist eine Amphibienart. Er legt seine schon gut entwickelten Larven im Wasser ab. „In der Natur werden Feuersalamander etwa 20 Jahre alt, ob jeder so alt wird muss man aber bezweifeln“, erklärt Steffen Kraut, Tierarzt in Birkenfeld. Der Feuersalamander hat Fressfeinde wie Vögel und Ringelnattern. „In neuer Zeit gibt es auch einen Pilz, der Lurche befällt und an dem sie sterben können“, sagt der Tierarzt. Da sich der Lurch langsam bewegt, können Autos dem nachtaktiven Tier zum Verhängnis werden, wenn es die Straße quert.

Hund, Katze und Lurchi

Auch Lurchi geht nachts gerne im Stall spazieren. „Wenn man dann schaut, sitzt er auf seinem Haus drauf“, sagt Rüdiger Staub. Das genaue Geburtsdatum kann Familie Staub nur schätzen – „er war im jugendlichen Alter“, als sie ihn gefunden haben, so Rüdiger Staub, der zusammen mit dem Salamander groß wurde. „Wir hatten immer Haustiere“, sagt er. Hunde und eine Katze. Und eben Lurchi. Der war damals sogar in der Grundschule in Huchenfeld dabei und wurde direkt zur Sensation: „Ein Klassenkamerad wollte ihn haben – wir haben ihn aber nicht hergegeben“, erzählt Rüdiger Staub.

Man kann das Geschlecht meistens nur in der Fortpflanzungszeit feststellen

Das Tier lebt friedlich in einem größeren Terrarium der Marke „Eigenbau“, das seinen Bedürfnissen entspricht: luftig und feucht. Er scheint sich wohlzufühlen. Wobei gar nicht sicher ist, ob „er“ nicht gar eine „sie“ ist. „Man kann das Geschlecht meistens nur in der Fortpflanzungszeit feststellen“, erklärt Kraut, „Männchen haben dann eine verdickte Kloake und eine Längsfurche in der Mitte.“

Zuhause ist Lurchi in einem Terrarium der Marke „Eigenbau“´, das wichtige Voraussetzungen erfüllt: Es ist luftig und feucht. | Foto: Ehmann

Feuersalamander ist gefährdet

Es sei übrigens ein Aberglaube, dass Feuersalamander für Menschen giftigen Schleim absondern, erklärt Rüdiger Staub verständnislos. Kraut weist jedoch darauf hin, dass das Salamandrin für den Menschen reizend sei. Wer damit in Kontakt kommt, sollte die Hände waschen. Außerdem ist es mittelalterlicher Irrglaube, dass Feuer mit Feuersalamandern gelöscht werden könne, indem man sie hineinwirft. In Deutschland ist der Feuersalamander „besonders geschützt“, in Baden-Württemberg wird er auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Wer einen Feuersalamander findet, darf ihn nicht einfach mitnehmen. Als Haustier muss der schwarz-gelbe Lurch bei der zuständigen Behörde angemeldet werden.

2023 ins Guiness-Buch der Rekorde?

Wenn Lurchi weitermacht wie bisher – er war noch nie krank – überlegen Mutter und Sohn 2023 beim Guinnessbuch der Rekorde Lurchis Aufnahme als ältester lebender Feuersalamander zu beantragen.

Mitarbeit: Ulla Donn-von Yrsch