Auf der Zielgerade befindet sich der Mordprozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler. Die Nebenklage fordert vom Angeklagte (hier mit Verteidiger Marvin Schroth) Schmerzensgeld und Schadensersatz.
Auf der Zielgerade befindet sich der Mordprozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler. Die Nebenklage fordert vom Angeklagte (hier mit Verteidiger Marvin Schroth) Schmerzensgeld und Schadensersatz. | Foto: Ochs

Urteil fällt am 29. Juni

Mordprozess um Pforzheimer Schmuckhändler: 140.000 Euro Schadensersatz gefordert

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Der Mordprozess um den getöteten Pforzheimer Schmuckhändler steht kurz vor dem Abschluss. Am 26. Juni wollen Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers halten. Am 29. Juni soll dann das Urteil fallen. Die Nebenkläger haben bei der Verhandlung am Dienstag vor dem Schwurgericht am Karlsruher Landgericht ihre Schadensersatzansprüche geltend gemacht: Sie fordern vom Angeklagten rund 140.000 Euro.

Heimtücke werfen die Witwe und der Sohn des getöteten Schmuckhändlers dem Angeklagten vor. Dieser soll am 21. Juni 2019 beschlossen haben, seinen 57-jährigen Geschäftspartner zu töten und zu berauben. Mit K.o.-Tropfen im Sushi, das er beim Geschäftstreffen in seinem Büro zubereitet hatte, soll er den Schmuckhändler erst betäubt und dann erwürgt haben – um anschließend dessen Schmuck zu rauben.

Dass er das Auto des Toten als Ablenkungsmanöver umgeparkt hat, hat der 37-jährige Angeklagte aus dem Landkreis Calw bereits eingeräumt.

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Auch dass er in Panik die Leiche in einem schwarzen Sack in seinen Lieferwagen geschleppt hat, ins Elsass gefahren ist und den Toten auf einem Feldweg abgelegt und angezündet hat. Dass er ihn jedoch umgebracht haben soll bestreitet der Beschuldigte weiterhin.

Mord an Schmuckhändler in Pforzheim: Angeklagter bestreitet Tötung weiterhin

Die Summe der Schadensersatzforderung setzt sich zusammen aus dem Wert der verschwundenen Rolex-Uhr, die der Schmuckhändler zum Zeitpunkt seines Todes getragen hat und dem des Erbschmucks, den der Angeklagte aus dem Auto des Schmuckhändlers genommen hat und eine Woche später einschmelzen ließ.

Hinzu kommt der Preis für Brillanten, die der Schmuckhändler an den Angeklagten geliefert hatte und Beerdigungskosten in Höhe von 15.000 Euro. Das Schmerzensgeld wollen die Nebenkläger für das seelische Leid, das sie seit dem Tod des Schmuckhändlers erleiden.

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Mit dem sogenannten Adhäsionsverfahren machen die Nebenkläger im Strafverfahren zivilrechtliche Ansprüche geltend; so brauche es kein extra Zivilrechtsverfahren, erklärte Markus Schwab, Anwalt der Nebenkläger, auf Nachfrage.

Sachverständige aus Frankreich sagt am Freitag aus

Am 14. Verhandlungstag verlas der Vorsitzende Richter Alexander Lautz WhatsApp-Nachrichten und E-Mails des Beschuldigten mit Geschäftspartnern. Am Todestag des Schmuckhändlers schrieb er etwa an einen Geschäftspartner: „Herr S. war da. Hat aber kaum was gegessen. Hab noch Essen übrig“.

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Der Prozess geht am Freitag, 19. Juni, ab 9 Uhr weiter. Dann sagt eine Sachverständige der Rechtsmedizin aus Frankreich aus. Die Aussage könnte weiter Aufschluss über die Todesursache geben.

Zuletzt war die Theorie der Staatsanwaltschaft durch die Aussage eines medizinischen Gutachters erschüttert worden. Er hielt es für möglich, dass der Schmuckhändler nicht stranguliert wurde, sondern dass seine Verletzungen davon herrühren, dass er im Büro des Angeklagten bewusstlos vom Stuhl gefallen ist.