landgericht karlsruhe
ZUR VERHANDLUNG nicht erschienen ist am Montag ein Angeklagter aus Pforzheim. Er wird jetzt per Haftbefehl gesucht. | Foto: dpa/Deck

Beil-Attacke und Belästigung

Urteil vertagt: Angeklagter aus Pforzheim spurlos verschwunden

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Es geht um versuchten Totschlag und sexuelle Belästigung: Weil ein 28-jähriger Angeklagter am Montag nicht vor dem Landgericht Karlsruhe erschien, wird der Umzugshelfer aus Pforzheim nun per Haftbefehl gesucht. Die Verhandlung wurde vom Richter vertagt.

Eine Fortsetzung der Verhandlung mit Plädoyers und Urteilsverkündung sei ihm aus juristischer Sicht „zu heikel“ gewesen, betonte der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt nachdem die Polizei in Pforzheim eine Stunde lang vergeblich nach dem Angeklagten gesucht hatte.

Mann aus Pforzheim droht mehrjährige Haft

Nun soll die Verhandlung am Montag, 9. April,  um 9 Uhr am Landgericht fortgesetzt. „Bis dahin werden wir ihn kriegen“, stellte Schmidt klar. Wenn der 28-Jährige in allen Anklagepunkten – versuchter Torschlag, Beleidigung und sexuelle Belästigung – schuldig gesprochen wird, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat der 28-Jährige in der Nacht zum 1. Juli im Lokal „Zeitlos“ zunächst einer 32-Jährige Frau gegen deren Willen über den Rücken gestreichelt. Eineinhalb Stunden später soll der Angeklagte dann vor dem Nachtlokal mit einem Beil auf einen 24 Jahre alten Begleiter der 32-Jährigen losgegangen sein und ihn mit einem wuchtigen Hieb in Richtung Kopf nur knapp verfehlt haben.
Zunächst einmal stand offenbar allerdings nur eine Bewährungsstrafe wegen sexueller Belästigung im Raum.

Anklage: Versuchter Totschlag und sexuelle Belästigung

Als bei einer Überprüfung des Sachverhalts am Amtsgericht Pforzheim die widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten auffielen, wurde die Anklage in versuchter Totschlag in Tateinheit mit Beleidigung und sexueller Belästigung abgeändert und das Verfahren wegen der nun schwerwiegenderen Vorwürfe ans Landgericht Karlsruhe verwiesen. Nach dem Ende der Beweisaufnahme stellte Schmidt aber auch eine mögliche Verurteilung wegen versuchten Mordes in den Raum. Dafür müssen allerdings Mordmerkmale wie Heimtücke oder Arglosigkeit nachgewiesen werden. Der 24-Jährige hatte bei seiner Zeugenaussage behauptet, er sei erst durch die Zurufe von seinen Begleitern auf den Angreifer aufmerksam geworden und habe dem Beilhieb anschließend nur knapp ausweichen können.

28-jähriger hatte zwei Promille Blutalkohol

Der Angeklagte hatte dagegen betont, er habe dem 24-Jährigen lediglich „Angst einjagen“ wollen. Außerdem sei er von dem 24-Jährigen und seinen Freunden kurz zuvor zum Verlassen des Lokals „Zeitlos“ aufgefordert und dabei beleidigt worden. Für Verteidigerin Susanne Burkhardt muss zudem noch die Frage geklärt werden, ob ihr Mandant seinen Angriff aus freien Stücken oder erst nach dem Eintreffen der Polizei beendet hat. Außerdem sei ihr Mandant bei einem Blutalkoholwert von rund zwei Promille zur Tatzeit nur eingeschränkt schuldfähig gewesen, so Burkhardt.

Diese und andere Fragen zu dem Fall werden nach Lage der Dinge frühestens wieder am 9. April vor dem Landgericht erörtert werden können. Sofern der Angeklagte bis dahin tatsächlich gefunden wurde.

Autor: Ekart Kinkel