Gut abgeschirmt war US-Botschafter Richard Grenell (Mitte) bei einem Besuch in Pforzheim – hier beim Verlassen der Firma Wellendorff Gold-Creationen, wo ein Treffen mit Unternehmern stattfand. Die Termine des engen Vertrauten von US-Präsident Donald Trump fanden unter Auschluss der Öffentlichkeit statt. | Foto: str

Kritik an Trump aus Pforzheim

US-Botschafter Grenell in Pforzheim: Beim Thema Breitbart ausgewichen

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Da hat Gunther Krichbaum durchaus einen Coup gelandet. Dem CDU-Bundestagsabgeordneten und Europapolitikexperten ist es gelungen, den erst seit Mai dieses Jahres amtierenden Botschafter der USA, Richard Grenell, von Berlin nach Pforzheim zu lotsen. Und so bekam am Donnerstag ein handverlesener Kreis aus der goldstädtischen Unternehmerschaft die Gelegenheit, den langjährigen Vertrauten von Donald Trump live zu erleben und vielleicht ein bisschen besser zu verstehen, wie der zuweilen erratisch wahrgenommene US-Präsident denn so tickt.

Veranstaltet wurde das exklusive Treffen vom Wirtschaftsrat der CDU in den Räumlichkeiten der Schmuckmanufaktur Wellendorff. Geschäftsführer Georg Wellendorf ist Sektionssprecher des Wirtschaftsrates.

Nicht nur Smalltalk

Zwar war die mehr als einstündige Veranstaltung auf Wunsch der US-Botschaft selbst für Pressevertreter nicht zugänglich. Dennoch ergibt sich aus Berichten von Teilnehmern, dass es bei der Zusammenkunft nicht nur beim netten Small Talk blieb. Dem Vernehmen nach wurde der Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur gelobt, sondern musste sich auch skeptische Nachfragen und Kritik anhören. Namentlich die Klimapolitik und die Handelspolitik von Donald Trump und die mögliche Einführung von Strafzöllen wurden kritisiert. Langfristig würden die US-Bürger dafür die Rechnung bezahlen, so wurde unter anderem gewarnt. Wie zu hören war, versuchte Grenell diesbezüglich zu beruhigen. Sinngemäß soll der Trump-Vertraute eingeräumt haben, dass die US-Regierung auch nicht ernsthaft Strafzölle wolle, die Möglichkeit aber als Druckmittel für einen guten Deal aufrechterhalte.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt

Neben dem Unternehmertreffen standen für den Botschafter einige touristische Highlights der Stadt auf dem Programm. Nach einem Besuch der Schmuckwelten ging es weiter ins Gasometer zu einem Rundgang durch das Rom-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi, geführt von Gasometer-Promotor Wolfgang M. Trautz. Zuvor fand aber an einem provisorisch hergerichteten Tisch im Foyer der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt statt. Auf Englisch bedankte sich Grenell in seinem Eintrag „für die großartige Gastfreundschaft“, bevor die US-Delegation wieder den Heimweg in die Hauptstadt antrat.

Grenell sieht in Breitbart kein Problem

Für ein ganz kurzes Pressegespräch war zuvor auch noch Zeit. Grenell forderte dabei unter dem Eindruck der Bombenfunde in der Post an Trump-Kritiker mehr Toleranz in der politischen Debatte.
Dass er selbst einst regelmäßig für das äußerst polarisierende Internetportal Breitbart.com geschrieben hatte, bestätigte Grenell erst auf mehrfaches Nachfragen und zwar ziemlich schmallippig. Der Botschafter wollte in dem – vom inzwischen geschassten Trump-Einflüsterer Steve Bannon gegründeten – Leitmedium der Alt-Right-Bewegung kein Problem erkennen. „Social Media kann in der politischen Debatte durchaus hilfreich sein, weil es den Menschen erlaubt, ihrer Meinung eine Stimme zu verleihen“, befand Grenell.