Markus Epple wechselt die Schreibtischseite, wenn er ab 1. Juni neuer Wirtschaftsförderer von Pforzheim ist. | Foto: PK

Neuer Wirtschaftsförderer

„Verbrannte Erde beim Pforzheimer Outlet-Center“

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Verbrannte Erde sieht Pforzheims neuer Wirtschaftsförderer Markus Epple beim von der Firma Bader angestrebten Factory Outlet Center. Schuld daran sei die emotional geführte Debatte, die zu verhärteten Fronten führe. Epple, der am 1. Juni seine neue Stelle beim Pforzheim WSP antritt, setzt auf Dialogverfahren.

Rheine, Kassel, Pforzheim – in dieser Reihenfolge nähert sich Pforzheims neuer Wirtschaftsförderer seinem Schreibtisch bei Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Markus Epple will seine Projekte für die „Markt und Standort Beratungsgesellschaft“ in Erlangen abschließen, bevor er am 1. Juni die Schreibtischseite wechselt. Denn bisher – und das sind die vergangenen 20 Jahren seit dem Ende seine Studiums in Augsburg – ist der Diplom-Wirtschaftsgeograf als Berater unterwegs. Er erläutert Kommunen und Unternehmen wie sie ihre Standorte entwickeln können oder wie sich Megatrends wie derzeit Gesundheit auf eine lokale Ebene herunter brechen lassen.

„Bla, bla kann jeder“

Den Wandel begleiten heißt ein marktgängiger Slogan zu solchen Vorgängen. Der seit dieser Woche 45 Jahre alte neue Pforzheimer Wirtschaftsförderer versteht derartige Sätze als Auftrag, spezielle Erfordernisse herauszuarbeiten und dann die Ausführung direkt zu begleiten: „Bla bla, kann jeder, aber es geht darum, die Sache nach unten zu transportieren“ auf die Ebene derer, die ein Konzept leben müssen, erläutert er. Das sei auch das, was ihm Spaß mache. Und das sei das, wo er „jetzt weiter machen und erfolgreich sein will“, schlägt Epple den Bogen zur neuen Aufgabe in Pforzheim.

Motivation der Unternehmer zählt

„Das drängendste Problem ist aber zunächst, dass die Motivation bei den Unternehmen so hoch bleibt wie sie ist.“ Es gelte möglichst schnell Bedarfe zu ermitteln und im übrigen Kontinuität herzustellen zu dem, was Vorgänger Reiner Müller „lange und gut gemacht hat“, sagt Epple weiter. Zwei bis drei Monate, dann soll es soweit sein, dass es läuft, sagt der Mann, der privat E-Sport betreibt, gerne wandert, joggt und kocht sowie Kommunikation als seine Stärke sieht.

Personal hängt am Bedarf

Wünsche der Akteure aus der hiesigen Wirtschaft legt Epple auch seinem WSP-internen Wirken zugrunde. Er übernimmt eine Position mit derzeit zehn Abteilungen von Standortentwicklung über Fachkräftesicherung, Hochschule, IT, Gründerzentrum, Digital Hub, Kreativwirtschaft, Cluster Hochform, Zentrum für Präzisionstechnik (ZPT) und Unternehmerservice. Vier der 14 Stellen sind vakant. Epple ist zuversichtlich, dafür allein schon über sein Netzwerk durch Lehraufträge an seiner früheren Hochschule in Augsburg geeignete Leute zu finden. Entscheidend sei allerdings der Bedarf und der hänge wesentlich davon ab, was die Wirtschaft will: „Dafür sind wir da.“

„In Pforzheim werden Themen schnell abgewürgt“

Auffällig findet Epple, „dass Themen in Pforzheim relativ schnell abgewürgt werden“. Das entnehme er Zeitungsberichten zum Beispiel über interkommunale Gewerbegebiete. „Flächen sind begrenzt, deshalb brauche es eine nachhaltige und langfristige Kooperation“, macht der Wirtschaftsförderer deutlich. „Nur wenn Pforzheim und kleinere Gemeinden eine strategische Allianz haben, werden sie neben Karlsruhe und Stuttgart ernst genommen.“

Verhärtete Fronten beim Outlet-Center

Etwas zurückhaltender, aber nicht weniger munter reagiert der neue bei der WSP, wenn es um das heiß diskutierte Factory Outlet Center (FOC) im Brötzinger Tal geht. „Ideal wäre eine fachbezogene Diskussion mit Sachgrundlagen gewesen“, sagt Epple. Eine emotionale Herangehensweise, wie jetzt, verhärte nur die Fronten. Außerdem hinterlasse sie verbrannte Erde bei Regional- und Landesplanung, „die alles daran setzen werden, das FOC nicht zu wollen“.

„Ein Dialogverfahren ist schwierig, aber der effektivere Weg zum Ziel zu kommen, weil es Akteure mitnimmt und nicht außen vor lässt“, macht Epple deutlich, wo er nicht nur in diesem Falle ansetzen würde. Ob ein FOC dem Gesamtimage dienlich ist, das Pforzheim seit der Standortpositionierung „Themenwelt Pforzheim“ im Jahr 2008 anstrebt, würde Epple über eine „fachlich neutrale Untersuchung“ überprüfen lassen. Die damals von der Agentur Arthesia mit hoher Beteiligung der Bevölkerung erstellte Grundanalyse habe ebenso das Cluster Hochform der Präzisionstechnik wie das Kreativzentrum EMMA oder die Innenstadt-Ost auf den Weg gebracht.

Lob für Quartiersentwicklung

Entscheidend bei solchen Ansätzen sei, dass sie kontinuierlich weiter gehen, meint der Wirtschaftsgeograf auch mit Blick auf den angefangenen Stadtumbau. Der Schwerpunkt Quartiersentwicklung entspreche genau dem, „was eine moderne Stadt ausmacht“, lobt er. Auch sonst findet Epple wenige Tage vor seinem ersten Arbeitstag im „Il Tronco“ an der Erbprinzenstraße nur gute Worte über Pforzheim. „Die Leute sind wahnsinnig nett“, zieht er Bilanz zur erfolgreichen Wohnungssuche. Ihm gefalle das Offene und dass man weiß, woran man ist, sagt der „Urbayer“, der mit Frau und Hund in die Wartbergsiedlung zieht. Ganz fremd wird er sich dort nicht fühlen, ist sich Epple sicher. Schließlich hat er schon für die Kreissparkasse Böblingen-Sindelfingen und in Horb gearbeitet. Außerdem gebe es Verwandtschaft in der Region.