Der Kunst und der Literatur verpflichtet: Jeff Klotz hat seine Räume im Schloss Bauschlott als Ort der Begegnung gestaltet. Es gibt auch ein Wiener Kaffeehaus. | Foto: Kraus

Ein Mann vieler Eigenschaften

Verleger, Autor, Schlossherr: Jeff Klotz lebt und arbeitet im Schloss Bauschlott

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Ein 16-stündiger Arbeitstag und so viele Professionen, dass es dafür eigentlich mehrerer Leben bedürfte: Jeff Klotz braucht nur eines, und er brennt für jede seiner Tätigkeiten gleichermaßen. Der Autor und Verleger wartet im Schloss Bauschlott noch mit anderen erlesenen Angeboten auf.

Es ist ein idyllischer Flecken, der eine anregende Heiterkeit ausstrahlt. Im Hof der Schlossanlage plätschert zwischen Blumenrabatten und Laubbäumen munter ein Springbrunnen. Innerhalb des Gemäuers aus dem 16. Jahrhundert wohnen Kunst, Literatur – und Jeff Klotz. Im Schloss Bauschlott befindet sich auch das J. S. Klotz Verlagshaus, das der Leiter des Remchinger Römermuseums vor fünf Jahren gründete.

30-Jähriger ist Autor, Verleger, Galerist und Kaffeehaus-Betreiber

Hier betreibt der gebürtige Pforzheimer auch einen Buchladen, eine Galerie und ein Wiener Kaffeehaus. Die Kaiserstadt sei sein Sehnsuchtsort. Klotz schwärmt von der Qualität der Wiener Oper und der Institution des Kaffeehauses als sozialer Interaktionsraum. Verwurzelt ist er jedoch hier, als Kulturträger der Region. „Und ich werde hier bleiben.“

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In diesem Sinne hat Klotz seinen Verlag zu einem Ort gestaltet, an dem Menschen sich treffen, um zu reden, zu schmökern und sich rund 300 Bilder, vorwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert, anzusehen. Der leidenschaftliche Kunstsammler hat sie alle erworben und lässt Besucher des Hauses an seinem Genuss teilhaben.

Jeff Klotz wuchs in Remchingen und Kopenhagen auf, seiner „Kindheits- und Herzensheimat“, die er, ebenso wie den Vornamen, seiner dänischen Mutter verdankt. Er habe eine schöne Kindheit gehabt, erzählt er. Liebevoll-streng sei seine Erziehung gewesen und gönnend. „Ich habe alles mitbekommen.“ Kunst, Kultur, Bildung waren zentrale Werte und weckten Verlangen nach mehr.

Mit 19 Jahren Museumsleiter in Remchingen

Klotz erinnert sich, wie er als 16-jähriger Schüler zum ersten Mal inmitten einer Professorenrunde saß: Geradezu klischeehaft trugen die Mitglieder der AG für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein schwarze Anzüge und waren weit in ihren 70ern. „Ich verstand nichts, aber ich wollte in einem seriösen Verein mitreden und etwas beitragen können zu den fundierten Gesprächen.“

Im Lauf der Zeit sei er „reingewachsen“. Parallel zu Abitur und Studium baute Klotz das Römermuseum mit auf. „Mein Kind“, nennt er liebevoll das rein ehrenamtlich geführte Haus, dessen Leiter er mit nur 19 Jahren wurde. Eigentlich ein Fulltime-Job, räumt Klotz ein. An der Uni Heidelberg studierte er Geschichte, Klassische Archäologie sowie Ur- und Frühgeschichte. Reingewachsen ist der mittlerweile 30-Jährige in so viele Tätigkeiten, dass es dafür eigentlich mehrerer Leben bedürfte.

Bildung als Kitt unserer Gesellschaft

„Ich schreibe viel“, sagt er. Der Museumsleiter und Verleger ist Autor zahlreicher Bücher über Archäologie sowie kunst-, regional- und kirchengeschichtliche Themen. Er organisiert Bildungsreisen und hält Vorträge.
All diese Professionen wurzeln in einer Ur-Passion: „Ich bin geprägt vom humboldtschen Bildungsideal.“ Klotz lebt und propagiert sie: eine auf Alexander von Humboldt zurückgehende ganzheitliche Ausbildung, die nicht elitär sein, sondern breite Schichten erreichen möchte. Bildung sei der Kitt unserer Gesellschaft und ein allgemeiner Zugang dazu essenziell für eine Chancengleichheit.

Musik, Kunst und Literatur sind die großen Themen der Menschheit

„Menschen müssen sich bilden, es ist eine Pflicht.“ Andere zu begeistern für die Beschäftigung mit tradierten Kulturthemen, verlorene Neugier wieder zu erwecken, sieht Klotz als seine Rolle an in dem Rahmen, den er sich dafür geschaffen hat.

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„Musik, Kunst und Literatur sind mehr als Zeitgeist. Es sind die großen Themen der Menschheit.“ Sich mit alten Bauten und anderen Kulturen zu befassen, bedeutet für Klotz Wertschätzung. „Wir reden es oft tot: Aber das klassische Bildungsbürgertum ist so reichhaltig wie nie. Es verteilt sich auf die Fläche.“ Beispielhaft nennt er Familien, in denen musiziert wird, und zugezogene türkische Familien, die ihre Kultur teilweise viel authentischer pflegten.

Viele Weggefährten sind enge Freunde geworden

Voll Zuneigung spricht Klotz von Mentoren, denen er viel zu verdanken habe. Ob es der langjährige, inzwischen verstorbene Leiter des Badischen Landesmuseums, Harald Siebenmorgen, oder weitere Menschen in dessen Umfeld waren. Auch andere Personen aus seinen diversen beruflichen Kontexten gehören dazu. Verlagsmitarbeiter, die Ehrenamtlichen im Museum. „Tolle Weggefährten“, nennt er sie. Viele sind zu engen Freunden geworden, auch manch ein Gesprächspartner, den er bei Veranstaltungen oder auf Reisen trifft. Die Energie, die solche Begegnungen entfalten, beglücke ihn und gebe ihm Kraft für sein Leben nach einem perfektionierten Zeitmanagement. „Ich arbeite 16 Stunden am Tag und habe das Glück, wenig Schlaf zu brauchen.“ Ist Klotz ein Getriebener? Lächelnd verneint er. „Ich bin tiefenentspannt“, versichert er glaubhaft, ganz konzentriert auf das Gespräch mit seinem Gegenüber. Dann erzählt er von neuen Ideen und Projekten. Bildungsreisen plant er. Diesmal sollen sie nicht nach Italien oder ins Heilige Land führen, sondern nach Osteuropa: Ungarn, Rumänien und Polen. Er schwärmt von der Reichhaltigkeit dieses Kulturraums und will hier den Blick dafür schärfen.

Das J. S. Klotz Verlagshaus im Schloss Bauschlott in Neulingen-Bauschlott bietet ein vielfältiges Kulturangebot. Verlegt werden neben Publikationen wie Bildbände, Ausstellungskataloge, Führer aus den Bereichen der Kunst und Geschichte, auch andere Sparten der Literatur, wie Romane und Gedichtbände.
Der Verlag veranstaltet Tagesfahrten und Studienreisen, organisiert Veranstaltungen und bietet ein vielfältiges kulturelles Programm im Schloss Bauschlott und ganz Baden-Württemberg. Im Verlagshaus befinden sich auch eine Galerie und ein Wiener Kaffeehaus. Mail: info@klotz-verlagshaus.de