Headliner am Freitagabend war die Power-Metal-Band „Winterstorm“, die beim Metal Festival in Wiernsheim fachkundig die Gehörgänge der Besucher durchgeblasen hat. Foto: Teeger

Metal-Festival in Wiernsheim

Viel Dezibel und viele Facetten

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Das „Riedler Open Air“ ist bei Fans der Metal-Musik schon lange kein Geheimtipp mehr. So bevölkern von Donnerstag bis Samstag zahlreiche Besucher das überschaubare Festivalareal nebst dem angeschlossenen Campingbereich, der auch im diesem Jahr wieder den Genuss von Alkoholika ermöglicht, ohne Zwang einen Fahrer bestimmen zu müssen, oder sein Nachtlager auf freiem Feld mit Hase und Igel zu teilen.

Heavy-Metal-Veranstaltungen haben ihren ganz eigenen Zauber. Dass auch das Riedler Open Air hier keine Ausnahme bildet, zeigt sich bereits auf dem Parkplatz. „Du bist zu weit gefahren“, grinst der Parkplatzanweiser, und weist geübt den richtigen Weg. Auch an der Kasse das gleiche Bild: freundliche Menschen, denen ihre Aufgabe sichtlich Spaß macht. Selbst die Securitymänner und -frauen an der Einlasskontrolle heben sich von anderen Veranstaltungen deutlich ab. Kein bärbeißiges Gesicht, das einen nochmals panisch zum Rucksack greifen und kontrollieren lässt, ob man auch ja die Trinkflasche im Auto gelassen hat, stattdessen strahlt einem ein offenes und ehrliches Lächeln entgegen.

Freundliches Personal und angenehme Temperaturen

Das Festgelände besticht durch sehr viel Angebot auf kleinem Raum. Die Cocktail-Bar lädt zum stilvollen steigern des Alkoholpegels ein, während sich der überdachte Pool direkt daneben trotz fehlender, brütender Hitze, nicht über mangelnden Zustrom beklagen kann. Auch das Wetter zeigt sich während der gesamten drei Tage als Fan des Festivals. Kein Niederschlag und angenehme Temperaturen, die erst sehr spät in der Nacht etwas frischer werden, tragen zusätzlich zu den kulinarischen und liquiden Genüssen zum körperlichen Wohlbefinden bei.

Hunderte Besucher kamen an jedem der drei Festivaltage zum Riedler Open Air in Wiernsheim, das längst kein Geheimtipp mehr ist. Foto: Teeger

Pogotänzer passen auf die Zuschauer auf

Die Seele dieser Veranstaltung lässt sich allerdings am deutlichsten erkennen, wenn man sich die Besucher genauer ansieht. Von Kindern mit großen Ohrenschützern, über Jugendliche, junge Erwachsene, Menschen mittleren Alters bis hin zu Senioren ist alles vertreten. Der Umgang miteinander ist familiär und freundlich. Hier passen sogar die Pogotänzer auf, dass sie einen blinden Zuschauer in der ersten Reihe nicht umtanzen. „Ich habe noch nie eine Heavy-Metal-Veranstaltung erlebt, auf der asoziale Menschen gewesen wären“, erzählt Lorenz Fuchs vom Riedler-Verein und fügt hinzu, dass auch wenn mancher Fan durch Kutte und wilde Haarmähne etwas martialisch wirke, sie in der Regel einen sehr sanften Kern hätten.

20 Bands unterhalten an drei Festivaltagen

Und tatsächlich scheint es so, als würde mit zunehmender Lautstärke und Wildheit auf der Bühne auch die Gemütlichkeit auf dem Gelände zunehmen. Ganze 20 Bands unterhalten an diesem Wochenende mit Charme, wachsenden Dezibel und jeder Menge Remmidemmi. Man habe sich die Anregungen der Fans im vergangenen Jahr zu Herzen genommen und dieses mal eine noch größere Auswahl zusammengestellt, erzählt Fuchs.

Die Folk-Rock-Band „Cantus Levitas“ war einer der 20 Bands, die das facettenreiche Programm des Metal Festivals gestaltet hat.
Foto: Teeger

Bis 400 Besucher pro Tag

In der Tat bekommen die rund 300 bis 400 Besucher pro Festivaltag, jede Menge auf die Ohren. Die Rock-Fraktion wartet auf mit Brocken Business Rock (Bouncing Betty), Alternative Rock (Scope, Heart of Chrome), Punk Rock (Green Frog Feet, The Journey Back), Ska Rock (Ezzo) oder Folk Rock (Cantus Levitas) und bereitet so am jedem der Tage das Publikum auf die nicht minder facettenreiche Metal-Fraktion vor.
Die beiden größten Gruppierungen bilden hier Power-Metal mit „Victorius“ und den beiden Headlinern „Winterstorm“ und „Cypecore“ sowie Melodic-Death-Metal mit „Nachtschatten“, „May the Silence Fail“ und „Burden of Grief“, welche allesamt, fachkundig die Gehörgänge der Anwesenden durchblasen.
Aber auch Melodic-Groove-Metal in Person von „Ataraxy“, Modern-Metal mit „Mindead“ und „Horseman“, der Trash-Metal des dritten Headliners „Fateful Finality“ und sogar den rauen Gewässern Düsseldorfs entrissener Pirate-Folk-Metal von „Storm Seeker“ erweitern klangvoll das musikalische Spektrum.
Nicht zu vergessen „Pussy Sisster“, die am späten Abend doch noch einmal den Glam/Hard-Rock ins Feld führen und so ein rundum gelungenes Festival komplettieren. Ron Teeger