Die Beratungskompetenz soll im Pforzheimer Volksbankhaus und in drei weiteren Filialen gestärkt werden, dafür müssen die Kunden an anderen Standorten auf persönliche Betreuung verzichten.
Die Beratungskompetenz soll im Pforzheimer Volksbankhaus und in drei weiteren Filialen gestärkt werden, dafür müssen die Kunden an anderen Standorten auf persönliche Betreuung verzichten. | Foto: PR

Automaten statt Berater

Volksbank Pforzheim strafft Filialnetz

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Auf persönliche Beratung und Nähe zum Kunden legt die Volksbank Pforzheim weiterhin großen Wert. Dennoch kommt auch das genossenschaftliche Kreditinstitut nicht um eine Standortkonzentration herum.

„Wir werden die ein oder andere Filiale in eine Selbstbedienungs-Stelle umwandeln“, kündigte Vertriebsvorstand René Baum bei der Bilanzpressekonferenz am Freitag an. Das bedeutet, dass an diesen Standorten nur noch Automaten sind, aber kein Personal mehr.

In vier größeren Filialen will die Volksbank hingegen ihre Beratungskompetenz stärken. Bei diesen sogenannten „Kopfstellen“ handelt es sich um die Filialen Volksbankhaus und Tiergarten in Pforzheim sowie die Filialen in Birkenfeld und Mühlacker.

„Wir bleiben mit der persönlichen Beratung weiterhin in der Fläche, orientieren uns dabei am Kundenverhalten und investieren bewusst dort, wo es den größten Nutzen für unsere Mitglieder und Kunden bringt“, sagte Baum.

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Derzeit hat die Volksbank Pforzheim noch 29 Standorte, die mit Beratungspersonal besetzt sind. Wie viele und welche davon in Selbstbedienungsstellen umgewandelt werden sollen, gaben die Vorstandsmitglieder noch nicht bekannt.

Mit Geschäftsjahr 2019 zufrieden

Mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr zeigten sich die drei Vorstandsmitglieder zufrieden. Sie nannten „kräftige Zuwächse im Kundengeschäft“ und eine „robuste Ertragslage“ als positive Entwicklungen in 2019.

Gleichzeitig machte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Zachmann deutlich, dass die andauernde Niedrigzinsphase eine Herausforderung ist. „Wir wollen unsere Mitglieder und langfristigen Kunden nicht mit Minuszinsen bestrafen“, sagte Zachmann.

„Wenn jemand neu zu uns kommt, nur weil er hier Geld parken will, sieht das anders aus.“ Institutionelle Kunden der Volksbank Pforzheim müssten schon seit Jahren Negativzinsen zahlen.

Strafzinsen bei der EZB

Im Geschäftsjahr 2019 ist die Summe die Bankeinlagen deutlich gestiegen, obwohl die Kunden dafür so gut wie keine Zinsen mehr bekommen. Der Vorstand wertet dies zwar als Vertrauensbeweis, doch führt der Geldzufluss zu Problemen.

„Der Zuwachs von rund 60 Millionen Euro auf der Passivseite hat uns bei der Europäischen Zentralbank Strafzinsen von 300.000 Euro gekostet“, rechnete Finanzvorstand Ralf Günther-Schmidt vor.

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Umso wichtiger ist es für die Bank, dass auch das Kreditgeschäft zugenommen hat – wobei hier noch Spielraum nach oben bleibt. Die Steigerung des Eigenkapitals nannte Günther-Schmidt als erfreuliche Entwicklung. „In der Bankenwelt ist das mittlerweile eine der wichtigsten Größen“, sagte das Vorstandsmitglied.

Vorstandschef Zachmann kritisierte die europäische Niedrigzinspolitik. Hauptprofiteur sei der deutsche Staat, sagte Zachmann. „Denn der Finanzminister muss keine Zinsen mehr zahlen. Aber es gelingt ihm nicht, das eingesparte Geld sinnvoll zu investieren.“

Noch keine Fusions-Gespräche

Über einen möglichen Zusammenschluss mit anderen Volksbanken sagte Zachmann nicht viel. Auf die Frage, ob etwa die VR Bank Enz plus ein Kandidat für eine Fusion wäre, antwortete er: „Ein möglicher Kandidat wäre es, aber im Moment gibt es keine Bewegung.“

Anfang 2017 waren Sondierungsgespräche über eine Fusion der Volksbank Pforzheim und der Volksbank Karlsruhe gescheitert.

Die VR Bank Enz plus hat ihren Sitz in Remchingen (Enzkreis) und erst kürzlich bekanntgegeben, dass sie einen großen Teil ihrer Filialen schließen muss. Sie ist aus der Fusion vier kleinerer Genossenschaftsbanken hervorgegangen.

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