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Uwe Hück, Betriebsratsvorsitzender der Porsche AG, verkündet am Montag in Stuttgart seinen Wechsel in die Pforzheimer Kommunalpolitik. | Foto: dpa

Kommunalwahl in Pforzheim

Von Porsche in die Mangelwirtschaft: SPD irritiert über Hück

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Vom erfolgreichen Sportwagenbauer in die politische Mangelwirtschaft: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hat am Montag in Stuttgart seine Ämter niedergelegt und will sich nun ausgerechnet auf die Pforzheimer Kommunalpolitik stürzen.

Schon zur Gemeinderatswahl Ende Mai will er antreten. „Ich betrachte die Entwicklung in Pforzheim schon länger mit Sorge. Aber das Fass zum Überlaufen gebracht hat für mich die Schließung des Emma-Jaeger-Bades. Die Pforzheimerinnen und Pforzheimer haben etwas Besseres verdient“, so Hück zum Pforzheimer Kurier.

Hück-Liste statt SPD

Der 56-Jährige – eines der prominentesten SPD-Mitglieder der Region – will sich aber nicht um einen Platz auf der SPD-Liste bemühen, sondern strebt eine eigene Liste an. „Ich trete an, um zu gewinnen“, erklärt Hück auf Nachfrage. Die SPD sei derzeit in keiner guten Verfassung. Außerdem wolle er seine „Hück-Liste“ politisch breit aufstellen. Jeder, der Pioniergeist besitze und Pforzheim voranbringen wolle, sei bei ihm willkommen. Die Liste sei noch nicht abgeschlossen.

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LANGJÄHRIGER GENOSSE: Uwe Hück mit der damaligen SPD-Landeschefin Ute Vogt und Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Familienfest derLandes-SPD im Europa-Park in Rust im Jahr 2005. | Foto: dpa (Archiv)

OB Boch zurückhaltend

Neben der Politik will Hück auch sein vielfältiges soziales Engagement in Pforzheim verstärken. So wolle er am 13. Juli für den guten Zweck in den Ring steigen. Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) reagierte in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend auf die politischen Pläne Hücks. Diese wolle er „aus Neutralitätsgründen nicht kommentieren“, ließ Boch mitteilen. Hücks soziales Engagement lobte Boch: „Grundsätzlich freue ich mich über jede oder jeden, die oder der sich sozial engagiert. Die Lernstiftung ist dafür ohne Zweifel eine geeignete Einrichtung, sie leistet eine sehr wichtige Arbeit um benachteiligte und sozial schwache Jugendliche zu unterstützen.“

SPD reagiert irritiert

Irritiert reagiert man bei Hücks Partei, der SPD. Gemeinderatsfraktionschef Ralf Fuhrmann und Bundestagsabgeordnete Katja Mast wussten von Hücks Plänen nichts. „Der erste Schritt ist jetzt das gemeinsame Gespräch – darum bemühen sich viele“, so Mast.

Falls er je mit einer eigenen Liste antritt, verstößt er gegen das Statut der SPD.

Andreas Reißig, Sprecher der Landes-SPD, sagte dem Kurier: „Wir würden uns sehr freuen, wenn er – gerade in schwierigen Zeiten – weiterhin innerhalb der SPD um die gute Sache ringt und nicht außerhalb.“ Reißig stellte klar: „Falls er je mit einer eigenen Liste antritt, verstößt er gegen das Statut der SPD.“ Vor fünf Jahren hatte ein ähnlicher Fall im Ortschaftsrat Eutingen zu einem Parteiausschlussverfahren geführt.

Parteiausschluss würde Hück nicht schrecken

Ein Parteiausschlussverfahren würde ihn nicht schrecken, gibt Hück gegenüber dem Kurier zu verstehen. „Ich mag die SPD.“ Er sehe sich der SPD aber nicht verpflichtet, zumal er die Partei in Wahlkämpfen immer wieder unterstützt habe.

Auch bei der CDU dürfen Parteimitglieder nicht auf anderen Listen kandidieren. Prominentestes Opfer war Siegfried Kauder, der 2013 im Schwarzwald-Baar-Kreis gegen den offiziellen CDU-Bewerber für den Bundestag kandidierte und einem Parteiausschluss nur durch Austritt zuvorkam. Diesbezüglich problematisch scheint in Pforzheim auch die „Junge Liste“. Diese gründete Philipp Dörflinger, der auch CDU-Funktionär ist, unter anderem Vorsitzender des Ortsverbandes Nord/Ost.

Hück hat schon Wohnung in Pforzheim

Die Gemeinderatswahl findet am 26. Mai statt. Wählbar sind Pforzheimer Bürger, die am Wahltag seit mindestens drei Monaten ihren Hauptwohnsitz in der Stadt haben. Nach eigenen Angaben wohnt Hück bereits in Pforzheim, sein Haus in Mühlacker stehe zum Verkauf. Zeit für seine Liste hat er bis zum 28. März. Über die Gültigkeit aller Wahlvorschläge befindet der Wahlausschuss am 4. April.

Uwe Hück und Pforzheim
Uwe Hück (56) tritt in Pforzheim bislang vor allem durch wohltätigen Einsatz in Erscheinung. Der Vorsitzende des FSV Buckenberg macht sich für Integration stark. Zu diesem Zweck gründete er auch den Uwe-Hück-Cup für Fußballer. Seine Lernstiftung mit Sitz in Pforzheim unterstützt benachteiligte und sozial schwache Jugendliche. Auf Initiative von Hück spendet Porsche für die Tafeln in Pforzheim und Mühlacker.
Hück wuchs als Vollwaise im Sperlingshof in Wilferdingen auf. In Ersingen ging er zur Volksschule. Als Sportler war er unter anderem beim Judo-Club Pforzheim aktiv und feierte Erfolge als Boxer bei Blau-Weiß Pforzheim. Für die Inklusionsabteilung des 1. CfR Pforzheim spendete er kürzlich 10 000 Euro. Hück wurde zum CfR-Ehrenmitglied ernannt. ron