Meister des Cyr Wheel: Sanchez Leonardo Mayorga
Meister am Reifen: Sanchez Leonardo Mayorga | Foto: Rubner

Zauberhafte Winterträume

Wall Clown verzerrt die Perspektive

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Er sahnt den fettesten Applaus des Abends ab beim Premierenpublikum der „Winterträume“, das glaubt, schon ziemlich alles an spektakulären VarietéNummern gesehen zu haben. Doch „Wall Clown“ Tobias Wegner bringt die Zuschauer am Mittwochabend im Kulturhaus Osterfeld aus der Fassung. Er verdreht ihnen buchstäblich die Augen, indem er mit Perspektiven spielt und am Ende alle an der eigenen Wahrnehmung zweifeln lässt. Dabei steht er einfach nur da, lässig mit einer Hand an die Wand gelehnt. Aber nein, es ist ein Handstand, und der Mann steht nicht, sondern stemmt die Füße zur Stabilisierung des schwebenden Körpers an eine zweite, im rechten Winkel stehende Wand.

Wirklichkeit oder Illusion?

Was ist hier Wirklichkeit und was Illusion? Zwei Realitäten treten in ein urkomisches Wechselspiel: mittels LiveProjektion wird der „Wall Clown“ im anderen Bild wieder auf die Beine gestellt. Das Publikum erlebt eine kleine Sensation beim Varietétheater 2018/19 auf der Pforzheimer Kleinkunstbühne und es tobt.

Um diese Zeit ist die Show schon vorangeschritten. Moderator Archie Clapp hat die Zuschauer mit gespielt schiefen Zauberkunststückchen und schlagfertiger, zuweilen derber Schlabbergosch bestens unterhalten. In Mathias aus dem Publikum findet er einen perfekten Kompagnon, der sich geschmeidig in eine Jonglage mit funkelnden Keulen einfügt und dafür Sonderapplaus erhält.

Sturz in die Tiefe

Rasant stürzt Antonia Modersohn von ihrem chinesischen Mast aus fünf Metern Höhe in die Tiefe. Ihr Auftritt raubt dem Publikum sekundenlang den Atem. Und das gilt auch für den „Riesenrad-Spezialisten“ Leonardo Mayorga Sanchez: Er springt, tanzt, läuft im Ring und neben ihm her, geschmeidig den kreisrunden Bewegungen folgend.

Feuerwerk aus goldenen Reifen

Die russische Akrobatin Viktoria Lapidus scheint zunächst auf ihre körperlichen Reize zu setzen, wofür sie dem Publikum ein ums andere Mal Beifall abverlangt. Aber dann legt die Herrin der Ringe los und entfacht ein Feuerwerk aus goldenen Hula-Hoop-Reifen. Tosenden Applaus gibt es auch für die stilleren Nummern der Show. Einen schwarz gewandeten Jongleur, der mit der Eleganz eines Tänzers weiße Ringe in der Luft spielen lässt und sie mit einem roten Regenschirm wieder einholt, hat das Pforzheimer Publikum noch nicht erlebt.

Perfekte Symbiose

Von anrührender Zärtlichkeit ist die Paarakrobatik von Anna und Saleh. Vom artistischen Standpunkt betrachtet, scheint die Beziehung auf dem Kopf zu stehen: Sie liegt am Boden und hält ihn. Am Ende sind die Körper kunstvoll verschlungen in perfekter Symbiose.

Ritt auf gigantischem Schaukelpferd

Mit seinem Soloauftritt zur Eröffnung hat Saleh schon in der ersten Nummer Maßstäbe für einen Abend voller Winterträume-Wunder gesetzt: Auf einem gigantischen Schaukelpferd träumt sich der Handstandakrobat gemeinsam mit dem Publikum in die Kindheit zurück.            Claudia Kraus

 

Service

Die „Winterträume“ gehen bis einschließlich 6. Januar.

Karten: Telefon (07231) 3182 15

karten@kulturhaus-osterfeld.de