Bienen helfen kann jeder, in der Landwirtschaft und im eigenen Garten. Darauf weist Jörg Schock vom Bienenzuchtverein Pforzheim anlässlich des Weltbienentags an diesem Mittwoch hin.
Bienen helfen kann jeder, in der Landwirtschaft und im eigenen Garten. Darauf weist Jörg Schock vom Bienenzuchtverein Pforzheim anlässlich des Weltbienentags an diesem Mittwoch hin. | Foto: Friedrich

Zum Tag der Biene

Warum Bienen retten eigentlich keine große Sache ist

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Bienen retten – an sich ist das keine große Sache, sagt Jörg Schock vom Bienenzüchterverein Pforzheim. Was vielen nämlich nicht bewusst ist: schon eine brachliegende Fläche reicht aus, damit die Tiere ausreichend Nahrung finden und sich stark vermehren können. Nicht nur Beispiele in Brandenburg und auf der Schwäbischen Alb bestätigen das, sondern auch aktuelle Zahlen.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Nach dem „Katastrophenjahr“ 2019, als der Honig-Ertrag pro Volk im einstelligen Bereich lag, sieht es 2020 nämlich deutlich besser aus: Alleine die Frühtracht war „jenseits der 20 Kilo“; dabei steht die Sommertracht noch aus und auch im Herbst ist teilweise noch mit Honig aus dem Wald zu rechnen, überbringt Schock passend zum Weltbienentag am heutigen Mittwoch eine positive Nachricht. Einer der Gründe dafür: Die Bienen fanden schon im Frühjahr ausreichend Nahrung und konnten sich entsprechend vermehren.

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Womit auch schon die Brücke zum viel diskutierten Bienensterben geschlagen ist. Oftmals werde ja befürchtet, dass vor allem Pestizide dafür verantwortlich seien, weiß Schock. Dabei ist das nicht die eigentliche Ursache. Pro Jahr sei durchschnittlich nämlich nur ein einziger Fall in Baden-Württemberg bekannt, der tatsächlich mit einer fehlerhaften Mischung der Pflanzenschutzmittel zu tun hat. „Ein Bauer macht was falsch und die Imker drum herum kriegen es mit.“ Das sei insgesamt betrachtet aber überschaubar.

Es ist vielmehr das fehlende Nahrungsangebot, das den Bienen zu schaffen macht. Wo nur noch Monokulturen angebaut werden, findet die Biene eben nur noch eine Wüstenlandschaft vor, keine Nahrung, erklärt Schock – wobei Wildbienen darauf noch wesentlich sensibler reagieren, als die Honigbienen. „Das macht dann zum großen Teil das Bienensterben aus.“

Auch Privathaushalte können Bienen leicht helfen

Eine Untersuchung in Brandenburg habe gezeigt, was passiert, wenn Landwirte zwei oder drei Meter am Rand ihrer Felder komplett der Natur überlassen. „Plötzlich explodieren die Völker.“ Die Zahl der Bienen habe sich dann in kurzer Zeit vervielfacht. Gerade die Wildbienen finden dort, was sie zum Leben brauchen. Hilfreich ist aber nicht nur, wenn Landwirte – gegen entsprechende Subvention – ganze Streifen ihrer Felder brach liegen lassen. Auch Privathaushalte können den Bienen theoretisch etwas Gutes tun, wenn sie über einen Garten oder ein Stück Wiese verfügen: einen Teil davon nicht mähen und die Pflanzen einfach stehen lassen, das wirkt. „Die Bienen finden dann auch von alleine dorthin“, sagt Schock.

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Im Bienenzüchterverein Pforzheim sind es derzeit rund 250 Imker, die sich im Sommer um viele Millionen Bienen kümmern. Im Schnitt betreut jeder Imker zehn Völker, die bis zu 50.000 Tiere umfassen können, erklärt Schock. Interessieren sich die alteingesessenen Imker vorrangig für die Honiggewinnung, möchten sich neue Imker oftmals für die Umwelt engagieren. „Da kommen ideelle Werte rein und die Diversifikation nimmt zu“, erzählt Schock.

Bis zu 24 Völkern ist Imkern noch Hobby

Die Arbeit im Sommer hält sich meist in Grenzen. Anspruchsvoller wird es, wenn das Volk für den Winter gefüttert und vor Parasiten beschützt werden muss, respektive beim Honigschleudern – je nachdem, ob es manuell betrieben oder von einer Maschine unterstützt wird und abhängig davon, ob sich der Imker nur auf den Honig fokussiert oder auch Nebenprodukte wie Wachswickel oder Propolis herstellt.

Die Grenze zum Berufsimkertum zieht das Finanzamt orientiert an der Anzahl der Völker. „Es gibt in Deutschland zwei Schwellen“: Bis 24 Völker gilt es als Hobby, bis 70 Völker geht man von einem vernachlässigbaren Verdienst aus, alles darüber gilt als Berufsimkertum.

Egal jedoch ob Profi oder Privatmann, eines ist allen gleich: „Die Symbiose zwischen Imkern und Bienenvolk ist immer eine emotionale. Man freut sich wenn es den Völkern gut geht und leidet mit ihnen wenn sie etwas straucheln.“