Abmarsch: Die linken Gegendemonstranten ziehen vom Wartberg ab, begleitet von der Polizei. | Foto: ron

23. Februar in Pforzheim

Warum sich Polizei und Initiative gegen Rechts bestätigt fühlen können

Anzeige

110 rechtsextremistische Fackelträger und rund 400 Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum: Das war die Grundkonstellation am Samstagabend auf dem Wartberg, die so ähnlich schon manches Mal zu Unruhe und Schlimmerem führte. Doch an diesem 23. Februar blieb es friedlich. Zwei Akteure dürfen sich bestätigt fühlen.

Der friedliche Verlauf hatte viel mit dem Auftreten der Polizei zu tun. Einsatzleiter Christian Ostertag setzte auf etwa 780 Polizisten, um die politischen Extreme voneinander zu trennen. Dabei wirkten die Beamten in der allgemeinen Wahrnehmung bewusst entspannend und deeskalierend. „Wir konnten ein Aufeinandertreffen beider Lager verhindern, und auch das Recht auf Versammlungsfreiheit und den friedlichen Protest in vollem Umfang gewährleisten“, bilanzierte Ostertag. Demnach wurde niemand festgenommen, es gab keine Verletzten. Er darf sein Konzept der sogenannten strukturierten Separierung angesichts der positiven Bilanz als vollauf gelungen bezeichnen.

„So friedlich wie bisher noch nie“

Dass es verglichen mit anderen Jahren so friedlich blieb, dürfte aber auch an einem anderen Akteur gelegen haben. Angesichts sich abzeichnender größerer Mobilisierung am linken Rand hatte die Initiative gegen Rechts (IgR) die Gegendemonstration nach 2013 wieder in ihre Hände genommen. „Das hat sich gelohnt“, findet Sprecher Christof Grosse. „Es war so friedlich und problemlos wie es bisher noch nie war.“ Man habe sich im Vorfeld mit allen Gruppierungen verständigt. Stetes Mantra war dabei: Man wolle den rechten Aufzug stören, aber gewaltfrei agieren. Auch hier ist angesichts des ruhigen Verlaufs des Abends festzuhalten: Ziel erreicht. Der größere Teil des Demonstrationszugs war nach einer gemeinsamen Kundgebung nicht zum Marktplatz, sondern Richtung Wartberg gelaufen – zunächst immer und problemlos auf dem von der Polizei vorgegebenen Weg.
Foto: ron

Planabweichung bei Hasenmayer

Eine Planabweichung gab es aber doch: Der Halt am Café Hasenmayer, wo es eine Rede geben sollte, entfiel. Die Spitze des Zugs rannte weiter hinauf zum Wartberg. „Der Rest ging dann hinterher, das ist Herdentrieb“, so Grosse. Was er in diesem Moment dachte? „Schade um den Redner.“ Die Audio-Anlage stand vorbereitet da, aber das Publikum fehlte. Der Programmpunkt wurde also gestrichen. Die Demo teilte sich nun. Rund 250 Teilnehmer wurden westlich der Rechten von Absperrgittern und Polizisten gestoppt. Etwa 150 weitere kamen östlich ebenfalls kaum näher an das von ihnen so missbilligte Auftreten des „Freundeskreis Ein Herz für Deutschland“ mit dem scheinbar so harmlosen Namen und den so extremen Ansichten. Die Gegendemonstranten skandierten und störten, vereinzelt wurden im Bereich weiter unten Silvesterraketen gezündet – aber nicht gegen Personen.

Polizei stellt sich in den Weg

Vor Ort am Wartberg war auch Bürgermeister Dirk Büscher, um die Lage zu beobachten. Seine Hoffnung, dass es ruhig bleiben möge, erfüllte sich. Einmal versuchten die Linken noch, von Westen zu den Fackelträgern zu gelangen. Die Polizei stellte sich in den Weg, stoppte sie und drängte sie zurück. Auch hierbei keine Spur von Eskalation. Danach ging es, abermals problemlos, zurück zum Pforzheimer Hauptbahnhof. Man habe sich hinterher mit der Polizei die Hände geschüttelt, so Grosse.