Die Beatles mit Paul McCartney (Cover, Zweiter von rechts) hatten großen musikalischen Einfluss auf Hans-Peter Dennemarck aus Gräfenhausen. | Foto: Dennemarck

Musiklehrer und Sänger gratulieren Sir Paul

„Wegbereiter für viele Musiker“

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Musikunterricht in der Schule, lange ist es her, doch die Erinnerungen an den Lehrer, der am Klavier sitzt und „Let It Be“, „Yesterday“ oder „Imagine“ spielt, sind noch immer klar. Die ganze Klasse singt begeistert mit. Das ist der übliche Einstieg in die Stunde. Glück gehabt, denn nicht jeder Musiklehrer hätte Stücke der Beatles, einer Rock-Band, im Unterricht behandelt. John Lennon und Paul McCartney waren allgegenwärtig in den – leider nur – zwei Jahren gemeinsamer Zeit mit dem Beatles-affinen Lehrer.

Mit 17 erste Cover-Band

Auch Hans-Peter Dennemarck begleiten die Beatles schon seit seiner Kindheit. Der 75. Geburtstag von Paul McCartney am 18. Juni ist für den Leiter der Musik- und Kunstschule Westlicher Enzkreis in Remchingen Anlass, über den Einfluss des Bassisten und Sängers McCartney sowie der Beatles im Allgemeinen nachzudenken. „Ich bin Jahrgang 1954, stamme aus einer Musikerfamilie mit klassischem Hintergrund und hatte mit 17 meine erste Cover-Band“, erzählt Dennemarck. „Selbstverständlich spielten wir fast alle gängigen Hits der Beatles nach und mussten die Songs, mangels Noten oder Internet, Ton für Ton heraushören, damit sie auch authentisch klangen.“ So hätten die Pilzköpfe indirekt dazu beigetragen, dass sein Gehör von Jugend an trainiert wurde. „Als Klavierspieler haben mich natürlich Titel wie ,Let It Be‘, ,Get Back‘ oder ,Lady Madonna‘ besonders begeistert.“

Songs waren damals etwas völlig Neues

Aber ist die Musik, wie manche Jugendlichen meinen, über die Jahre nicht auch ein bisschen angestaubt? Klar, die jungen Leute orientieren sich heutzutage eher an den Idolen ihrer Generation, meint Dennemarck und nennt Adele oder Lady Gaga als Beispiel. „Wenn man sie aber auf die Beatles-Songs aufmerksam macht, kommt oft der Satz: Ja, den Titel kenne ich. Dann üben wir schon mal zusammen ,Yesterday‘, bis die Harmonien sitzen.“ Dass die „Fab Four“ immer wieder neue Fans gewinnen, hat für den Musikschulleiter vor allem einen Grund: „Die Songs von Lennon/McCartney waren zu ihrer Zeit etwas völlig Neues und Wegbereiter für ganze Musikergenerationen.“

Lieder wichtiger Teil der Musikkultur

Heute seien die Lieder ein Stück Musikgeschichte und „daher aus unserer Musikkultur nicht mehr wegzudenken“, ist Dennemarck überzeugt. „Die Musik der Beatles wird daher von Hörer-Generation zu Hörer-Generation fortbestehen.“ Häufig werden die Kids durch einen bestimmten Song „infiziert“. Der lässt sie dann nicht mehr los, die Melodie begleitet den Hörer durch den Tag. Und Ohrwürmer haben die Beatles reichlich. Zum Beispiel „Ticket To Ride“ vom 1965er-Album „Help!“ – der Lieblingssong von Hans-Peter Dennemarck, weil es damals der erste Titel war, den er in der Band singen durfte.

„Sgt. Pepper“ Dennemarcks Lieblingsalbum

Beim Lieblingsalbum der Beatles muss der Gräfenhäuser nicht lange nachdenken: „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, das vor fast genau 50 Jahren veröffentlicht wurde und „für mich das beste und experimentellste Album der Beatles“ ist. Das Album hat er sogar noch als Schallplatte mit aufklappbarem Cover (englisch: „Gatefold“).

Dreimal hat der Maulbronner Club-Betreiber Wolfgang Kienzle Paul McCartney schon live gesehen. | Foto: Kienzle

Dreimal hat Wolfgang Kienzle Paul McCartney live gesehen, davon zweimal in Stuttgart. Damals, vor mehr als 30 Jahren war der Brite noch mit seiner Band „Wings“ unterwegs. „Das war gigantisch, ich stand drei Meter vor der Bühne, da schwebt man in einer anderen Welt“, schwärmt der Betreiber des Clubs „Musicpark Live“ in Maulbronn. „Der strahlt eine Präsenz aus, das ist unvorstellbar.“

Habe großen Respekt vor Lebensleistung

Kienzle bezeichnet sich selbst als Rock’n’Roller, die Rolling Stones und Elvis stehen ihm eigentlich viel näher. „Dennoch habe ich großen Respekt vor McCartneys Lebensleistung.“ Bei seinen Live-Auftritten spielt Kienzle auch Beatles-Stücke. Und die haben es in sich, vor allem seien sie schwierig zu singen. „Im Vergleich zu Elvis haben die Lieder der Beatles eine ganz andere, viel höhere Tonart. Das hat die Gruppe ausgemacht“, so der 59-Jährige. Am liebsten singe er „Help!“, den Titelsong des gleichnamigen Albums und Films (deutscher Titel: „Hi-Hi-Hilfe!“) von 1965. „Bei dem Titel braucht man einen guten Background-Chor. Musikalisch haben McCartney und die Beatles viel geleistet.“

Die-Paul-ist-tot-Theorie
Es ist zum Haare raufen! Man geht doch als kritischer Journalist einer albernen, womöglich der größten Verschwörungstheorie im Rock nicht auf den Leim! Wäre ja noch schöner, für bare Münze zu nehmen, dass Paul McCartney tot ist. Und das angeblich schon seit 1966! Kein Doppelgänger der Welt könnte weitere Beatles-Alben aufnehmen, Songs schreiben und eine ausgesprochen erfolgreiche Solo-Karriere aufbauen – bis heute, denn „Macca“ tourt ja immer noch über den ganzen Globus. Sind wir Beatles-Fans so blind, so leicht hinters Licht zu führen? Die ganz Ausgefuchsten unter denjenigen, die glauben, Sir Paul wäre bei einem Autounfall ums Leben gekommen, sind der Meinung, dass seit 1966 der ähnlich aussehende Billy Shears den Bassisten ersetzte. Die Ähnlichkeit ist verblüffend! Trotzdem, kann und darf nicht sein.
Besonders detailversessen ist folgende Sichtweise: Das Album-Cover von „Abbey Road“ (1969) soll des Rätsels Lösung sein. Es gleiche einer Prozession. Vorneweg geht der ganz in weiß gekleidete „Pfarrer“ Lennon, dahinter Ringo Starr (schwarzer Anzug) als Bestatter, es folgt der barfüßige und „verblichene“ McCartney, hinter ihm Totengräber Harrison. Das passt ja fast schon wieder zu perfekt. Man will es einfach nicht glauben!
Pauls früherer Spezi Ringo meldete sich 2015 zu Wort: „Der echte Paul starb 1966“, behauptet er. Auf alle Fragen der Journalisten hat er eine passende Antwort parat. Er wolle das Geheimnis nicht mit ins Grab nehmen. Ein PR-Gag? Geltungssucht? Sir Paul kanzelte ihn als senil ab. Ganz schön forsch vom echten – oder falschen? – McCartney. Tassilo Pfitzenmeier