Der Radweg zeigt sich Touristen während des langen Wochenendes an manchen Stellen nicht ideal.
Der Radweg zeigt sich Touristen während des langen Wochenendes an manchen Stellen nicht ideal. | Foto: Ellinger

Übervolle Abfalleimer

Wegen gesperrter Pforzheimer Grillplätze beseitigt niemand den Müll am Enztal-Radweg

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Sobald die Grillsaison auf den dafür vorbehaltenen Pforzheimer Plätzen eröffnet ist, gibt es auch ein Mittel gegen übervolle Mülltonnen am Enztal-Radweg: Acht Mitarbeiter der Technischen Dienste sorgen wochenends für saubere Verhältnisse.

Gäbe es die städtischen Grillplätze schon wieder, das Müllproblem am Enztal-Radweg wäre möglicherweise schnell behoben. Denn dann gibt es auch wieder den städtischen Sonntagsdienst, der dafür sorgt, dass der Rest der Party weder Müllcontainer verstopft noch einfach liegenbleibt.

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Acht Leute sind dafür normalerweise im Einsatz. Aber da – an Pfingsten zum Beispiel – die städtischen Grillplätze noch gesperrt sind, gibt es auch niemanden, der aufräumt beziehungsweise aufräumen lässt, wenn das gesellige Miteinander vorbei ist.

Das Bild, das sich Radtouristen bietet, ist erbärmlich.

Jürgen Ellinger aus Pforzheim

Deutlich sichtbar ist das am Montagabend am Enztal-Radweg. Zwischen Turnplatz und dem Ende der Habermehlstraße scheint es keinen Mülleimer mehr zu geben, der nicht überladen ist und neben dem überdies nicht zahlreiche Abfallsäcken liegen, beobachtet Jürgen Ellinger.

„Das Bild, das sich Radtouristen bietet, ist erbärmlich“, schreibt er und dokumentiert den Eindruck, den die Stadt Pforzheim hinterlässt, mit Fotos.

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Neue Bewegungsfreiheit und geschlossene Grillwiesen lassen grüßen. „Die Bevölkerung verstreut sich auf alle freien Plätze“, beobachtet Jens Hartmann, bei den Technischen Dienste für Pflege und Reinigung zuständig. Es sei doch klar, dass die Leute jetzt Party machen, zeigt er Verständnis. Manch einer musste die lange Corona-Isolation ohne Garten oder Balkon bewältigen.

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Müll und Glasscherben an den Wegen

Der öffentliche „Kater“ des geselligen Miteinanders sind der Müll und gelegentlich Glasscherben in Anlagen und auf Wegen. An langen Wochenenden kommt hinzu, dass die Müllbehälter in einem anderen Rhythmus geleert werden als üblich.

Das, so erläutert Hartman, war mit dem eigenen Personal nicht anders als bei der Firma, die jetzt für diesen Dienst zuständig ist. Ergebnis sei bereits über Christi Himmelfahrt gewesen, dass nach vier Tagen Feierlaune deutliche Müllspuren zu sehen waren.

Es war einfach zu viel für die mittlerweile 1.200 Abfallbehälter, trotz verdichtetem Leerungsturnus und Müllpolizei, „die täglich zu verschiedenen Tag- und Nachtzeiten unterwegs ist“, wie Hartman erläutert.

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Sicherheit ist für Fahrradclub wesentlicher

„Etwas unschön“, findet auch Martin Mäschke vom ADFC die Müllberge, die beispielsweise am Montagabend den Enztal-Radweg zieren. Der Fahrradclub habe allerdings mehr die Sicherheit im Kopf, wenn er an die Route denke. Was Corona, gutes Wetter und geschlossene Grillwiesen nach sich ziehen, sei dagegen mehr ein ästhetisches Problem an der touristischen Attraktion, ist seinen Worten zu entnehmen.

Wichtiger wäre dem ADFC, wenn der Pforzheimer Gemeinderat am 23. Juni endlich die Kombination von Fußgängern und Radlern auf der Strecke aus der Welt schaffe. Es geht ihm um die Verlagerung des Radwegs zwischen Messplatz und Rossbrücke auf die Südseite der Enz.

Die Sache mit dem nicht nur von Jürgen Ellinger beklagten Müllüberfluss entlang eines touristischen Kleinods in der Stadt, wird damit nicht aus der Welt geschaffen. Hier könnte Hartmann zufolge nur helfen, wenn es bald auch für Menschen ohne Garten oder Freisitz, für Jugendliche, die für sich sein wollen, und für alle anderen wieder die schönen großen Grillplätze in der freien Natur gäbe. Bis in zwei Wochen soll es soweit sein, heißt es aus informierten Kreisen.

Stadt Pforzheim kommuniziert noch keinen möglichen Öffnungstermin der Grillplätze

Bei der Stadt Pforzheim will das niemand bestätigen. Man befinde sich noch in Absprachen bezüglich der Öffnung. An diesem Donnerstag seien „Grillplätze Thema im Verwaltungsstab“, schreibt eine Sprecherin auf Nachfrage und verweist auf dann „glasklare“ und „vollumfängliche Informationen“ im Anschluss per Pressemitteilung. Erst danach könne öffentlich darüber gesprochen werden, wie die Öffnung aussehe.