Da kann der „Dicke“ noch so mahnend die Arme in die Seiten stemmen: Viele Autofahrer missachten die Lieferzeiten in der Pforzheimer Fußgängerzone. Um den Verkehr zu reduzieren sieht das Andienungskonzept für den Kernbereich versenkbare elektrische Poller vor – etwa auf der Höhe des Dicken. | Foto: Weiss

Pforzheimer Fußgängerzone

Weniger Verkehr heißt das Ziel

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Schöner soll sie werden, zum Flanieren und Verweilen einladen: Damit die Pforzheimer Fußgängerzone ihr eigenes, charmantes Flair entwickeln kann, bedarf es in den Augen der Stadtverwaltung vor allem eines – der Reduzierung des Verkehrs. Das hohe Verkehrsaufkommen als immenser Störfaktor im zentralen Innenstadtbereich ist die Grundlage für ein Konzept zur Steigerung der Attraktivität der Fußgängerzone, das die Verwaltung jüngst veröffentlicht hat.

Mit der Erarbeitung des Andienungskonzepts hatte die Stadt das Darmstädter Verkehrsplanungsbüro R+T beauftragt. Das Konzept sei eine große Chance, die Innenstadt attraktiver zu machen, sagt Michael Hertl, Fachbereichsleiter Innenstadtentwicklung beim Wirtschafts und Stadtmarketing Pforzheim (WSP): „Die Kernfußgängerzone soll nach außen strahlen. Dafür wollen wir an allen Stellschrauben drehen.“

Lieferzeiten sollen angepasst werden

Zu den Stellschrauben zählt eine Anpassung der Lieferzeiten. Aktuell können Waren zwischen 6 und 10.30 Uhr angeliefert werden. Wie die Analyse und eine Befragung von R+T ergab, werden diese Zeiten jedoch oft missachtet. Demnach findet die Anlieferung zu 50 Prozent außerhalb der Zeiten statt. Das liege auch daran, dass sich der Einzelhandel generell gewandelt habe, heißt es vom WSP. Der Zeitraum soll daher auf 6 bis 11 Uhr erweitert werden. Außerdem soll es ein weiteres Lieferfenster am Abend von 18 bis 20 Uhr geben. Die dafür nötige neue Beschilderung an zwölf Standorten kostet die Stadt 1 080 Euro.

Weniger Ausnahmegenehmigungen

Als weiteren Vorschlag nennen die Verkehrsplaner die Reduzierung der Ausnahmegenehmigungen sowie eine Überarbeitung des Vergabeverfahrens. 211 Jahresausnahmegenehmigungen wurden im Jahr 2015 erteilt. Künftig sollen Betriebe oder Anwohner mit Stellplatz in der Fußgängerzone, Betriebe der Brandschutz- und Sicherheitstechnik für Notfalleinsätze, Geldtransporte, Hotels und die Caritas für die Zufahrt zu ihren Stellplätzen am Bernhardusheim eine Genehmigung bekommen. Kurzfristige Ausnahmegenehmigungen sollen etwa für Handwerker, Paketdienstleister, Apotheken und Ärzte oder bei Arztbesuchen ausgegeben werden. Beide Maßnahmen sind für 2019 geplant.

Wer in die Pforzheimer Fußgängerzone einfährt, will die Stadtverwaltung künftig stärker kontrollieren.
Wer in die Fußgängerzone einfährt, will die Stadt künftig verstärkt kontrollieren. | Foto: Weiss

Kontrollen werden verstärkt

Bereits 2017 will die Stadt die Verkehrsmenge innerhalb und außerhalb der Lieferzeiten durch verstärkte Kontrollen reduzieren. Langfristig – ab 2018 – soll ein Pollersystem die Zufahrt regulieren. „Leute, die heute sagen, sie fahren trotzdem hinein und nehmen das Knöllchen in Kauf, haben mit Pollern keine Chance mehr“, sagt Hertl vom WSP. Die elektrisch versenkbaren Poller sollen die Durchfahrt vom „Dicken“ bis zum Technischen Rathaus/Deimlingstraße verhindern. Mit Chipkarten oder Transpondern können Zufahrtsberechtigte die Hindernisse jedoch absenken. Das Planungsbüro schätzt die Kosten auf 160 000 Euro.

Ladezonen für geordnete Anlieferung

Für weniger Verkehr im Kernbereich der Fußgängerzone soll noch in diesem Jahr die Einrichtung von Ladezonen außerhalb und von Ladebereichen innerhalb der Fußgängerzone sorgen. Letztere dienen der Ordnung des Lieferverkehrs während der Lieferzeiten. Für die Ladezonen empfiehlt R+T ein eingeschränktes Halteverbot, damit die Plätze nachts für alle Nutzer freigegeben werden könnten. An acht Standorten soll es markierte Ladezonen geben, die Kosten liegen laut R+T bei rund 4 800 Euro. Für die sieben Ladebereiche werden 4 200 Euro fällig. Hertl sieht in der Einteilung eine sinnvolle Bündelung, Anlieferer seien durch die Ladebereiche flexibler: „Dann muss man im Zweifel nur ein paar Meter laufen. Das ist in anderen Städten auch so und eine große Qualitätssteigerung für die Fußgängerzone“, betont Hertl.

Alternative Anlieferung könnte gefördert werden

Über alle Umgestaltungen hinaus empfiehlt R+T einen weiteren Punkt zur Reduzierung der Kfz-Fahrten: die Förderung alternativer Anlieferungsformen, etwa mit Lastenrädern. Eine Idee, die das WSP grundsätzlich unterstützenswert findet, wie Hertl sagt: „Dabei sind wir aber auch auf Dienstleister wie Paketdienste angewiesen.“