Zuhause statt in der Schule - bis zum Ende der Osterferien müssen viele Eltern ihre Kinder beschäftigen. | Foto: dpa

Geschlossene Kitas und Schulen

Wie Eltern in Pforzheim und im Enzkreis ihre Kinder in Zeiten von Corona betreuen

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Die Luft wird dünner beziehungsweise der Freiraum kleiner. Dass in ganz Baden-Württemberg zumindest bis zum Ende der Osterferien am 19. April alle Kitas und Schulen ihre Pforten schließen, ist nachvollziehbar. Auch für die Eltern, die sich nun der Aufgabe gegenübersehen, ihre Kinder zu Hause betreuen zu müssen. Einige Schulen – vor allem der weiterführende – müssen nun unter großer Kraftanstrengung und mit finanziellem Aufwand digital nachrüsten.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

E-Learning ist dabei wohl noch Zukunftsmusik, aber per E-Mail und oft über Elternvertreter werden die Schüler unterrichtet. Das heißt, sie bekommen Aufgaben, die sie selbstständig (oder mit Hilfe der Eltern) lösen müssen – zeitversetzt folgt die (Auf-)Lösung.

Büro im Wohnhaus erleichtert die Betreuungssituation

Wenn sowieso ein Elternteil zu Hause ist, mag das noch zu bewältigen sein. Was aber machen Eltern, die berufstätig sind oder gar alleinerziehend? Der Pforzheimer Andreas Ochs ist Grafikdesigner und Inhaber der Agentur „Agil Visuelle Kommunikation in Pforzheim“.

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Das Büro befindet sich im Wohnhaus, was die Sache etwas vereinfacht. Die Kinder werden in einem Wechselmodell zu gleichen Teilen von Vater und Mutter betreut. Und Andreas Ochs weiß ja bereits, wie es ist, wenn seine drei Töchter Hanna (15) und Lina (11, beide auf dem Reuchlin-Gymnasium in Pforzheim) sowie die Jüngste, die die Weiherberg-Grundschule besuchende neunjährige Emilia, Ferien haben und er aber als Selbstständiger in seiner Agentur arbeiten muss.

Kita- und Schulschließungen verlangen einiges ab

„Na ja, aber dieses Mal geht es ja fast nahtlos in die Pfingstferien und dann in die Sommerferien über“, sagt Andreas Ochs, der sich bewusst ist, dass die lange Phase sicher von allen Beteiligten einiges abverlangen wird. Oma und Opa fallen ja auch weg, da die Empfehlung von den Gesundheitsämtern gegeben wurde, Enkel nicht mit Senioren zusammen zu bringen, da Senioren besonders gefährdet sind.

Zum Glück hat die Serie mit den drei Fragezeichen gefühlt 1.698 Folgen.

Andreas Ochs

Seine Mädels, so Andreas Ochs, seien ja schon sehr selbstständig, dennoch müsse er sich auch hin und wieder Programmpunkte überlegen. Er sagt lachend: „Zum Glück gibt es von Super-Girl so viele Staffeln und die Serie mit den drei Fragezeichen hat ja auch gefühlt 1.698 Folgen.“

Etwas mehr Fernseh- beziehungsweise Filmkonsum werde sicherlich dazu kommen. „Aber ich denke auch, sie können sich ganz gut beschäftigen und backen jeden Tag einen Kuchen.“ Dass die Mädchen ihn natürlich auch ab und zu mal im Büro aufsuchen werden – zumal sich die Küche in der unteren Etage befindet – damit rechnet er.

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„Aber sie wissen auch, dass sie sich disziplinieren müssen und dass ich arbeiten muss. Ich habe es ihnen so erklärt, dass es so wäre, als ob ich bei ihnen in den Unterricht reinplatze. Das haben sie verstanden“, sagt Andreas Ochs, der sich sicher ist, dass es mit Jungs etwas schwerer sein könnte. „Mädchen sind wohl schon sozialer“, lautet seine Meinung.

Den Kindern Struktur geben

Sabine Schumann (50) aus Mühlacker sagt: „Ich habe das Glück, dass ich viel von zu Hause arbeiten kann und das Pech, dass Seminare und Kurse abgesagt wurden.“ Sie sieht es aber auch Glück an, dadurch viel Zeit gewonnen zu haben. Und ein Glück ist sicherlich auch, dass ihre Kinder groß sind und sich selbst beschäftigen können.

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Doch hält es die dreifache Mutter dennoch für nötig, dem Tag und damit den Kindern Struktur zu geben. Damit diese „nicht nur im Netz hängen“. Über die Schule äußert sich Sabine Schumann lobend. Das Kepler-Gymnasium in Pforzheim beschreibt sie als „gut aufgestellt“.

Elternvertreter bekommen neue Aufgaben

Die Elternvertreter würden Aufgaben an die Schüler weiterleiten; zeitlich versetzt würden Lösungshinweise geschickt. Die Lehrer stehen für Rückfragen per E-Mail zur Verfügung. „Für mich als Elternvertreterin ist das ein ,Nebenjob‘ geworden, denn ständig kommen News, die ich zeitnah weiterleiten muss. Heißt: Ich bin ständig auf der Hut und im E-Mail-Postfach unterwegs.“

Da sich ihre Kinder den Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sparen, hätten sie einen Zeitgewinn von zwei Stunden. Da alle Freizeitaktivitäten wegfallen, müsse sie sich allerdings als Mutter für die Nachmittage etwas ausdenken. „Ausmisten, vorgezogener Frühjahrsputz und das als Challenge. Zudem noch tägliche Spaziergänge an der frischen Luft.