Alles sicher im Pforzheimer Schmuckmuseum: Diese Nachricht möchte Leiterin Cornelie Holzach nach dem spektakulären Juwelenraub aus dem Dresdner Grünen Gewölbe vermitteln. Dennoch ist die Schmuckstadt Pforzheim in angemessener Aufregung. | Foto: Wacker

Viele offene Fragen

Nach Juwelenraub in Dresden: Wie sicher sind Pforzheims Schmuck-Schätze?

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Der spektakuläre Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe in Dresden beschäftigt auch in der Gold- und Schmuckstadt Pforzheim. Warum man von Juwelier über Schmuckmuseumsleiterin bis Scheideanstalts-Chef aber keinen Grund zur Panik sieht.

Drastischer hätte die Reaktion des Pforzheimer Juweliers Georg Leicht auf den spektakulären Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden kaum sein können. „Mir war richtig schlecht, als ich davon gehört habe. Wir waren erst ein paar Tage vorher da“, berichtet Leicht, der selbst jahrelang in Dresden gelebt hat und nur wenige Meter vom Tatort eine Filiale unterhält.

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Auf der anderen Straßenseite, um genau zu sein, im Taschenbergpalais. Sein Unternehmen darf einzelne Ausstellungsstücke des berühmten Museums kopieren, wie etwa den von ihm gestifteten St. Georgs Orden, der beim Semperopernball verliehen wird. Auch deshalb sei „eine freundschaftliche Verbindung gewachsen“ zwischen Leicht und Museumsleitung.

Juwelier Leicht war selbst Opfer von Überfällen

Die Fragen, die sich aus dem Raub ergeben, betreffen aber nicht nur Dresden, sondern auch die Schmuckstadt Pforzheim. Besondere Sorgen um seine eigenen Werke und Exponate habe Leicht nun zwar nicht – aber das liege auch daran, dass man ohnehin schon eine traurige Erfahrung mit Räubern gemacht habe.

In den vergangenen zwei Jahren wurde Leicht nach eigenen Angaben zweimal Opfer von Raubüberfällen. Bei diesen Vorfällen konnten die Täter ermittelt werden. Ähnliches erhofft er sich auch für die Räuber von Dresden. Seine größte Sorge aber gilt dem Diebesgut. „Das sind Kunstschätze von Weltrang. Da stehen Milliardenbeträge im Raum. Es wäre dramatisch, wenn sie unwiederbringlich verloren wären.“

Leiterin des Schmuckmuseums spricht von „herbem Schlag“

Nicht minder betroffen äußert sich Cornelie Holzach, Leiterin des Schmuckmuseums im Pforzheimer Reuchlinhaus. „Wir kennen ja die Kollegen in Dresden und die Ausstellung. Als Kulturgut ist das in seiner Gesamtheit unersetzlich und ein herber Schlag.“

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Ob sie selbst nun auch ins Fadenkreuz von Juwelenräubern geraten könnte? „Ein Risiko besteht immer“, gibt Holzach zu. Aufgeschreckt sei man allerdings nicht, vertraue dem eigenen Sicherheitskonzept. In die Details gehen möchte Holzach natürlich nicht. Am Ende sei es immer auch eine Frage der Abwägung, welche Exponate man der Öffentlichkeit zeigt, und welche man lieber im sicheren Tresor wegschließt.

Leicht kritisiert Dresdner Polizei

Von wohlfeiler Kritik am Sicherheitskonzept der Kollegen hält sie – wie auch Leicht – jedenfalls wenig. „Ich glaube nicht, dass die Polizei da alle Einzelheiten bekannt gibt – das wäre ja Irrsinn. Sie dürfen sicher sein, dass die Sicherheitsmaßnahmen in Dresden sehr gut waren.“

Ähnlich sieht es Leicht, der die Sicherheitsvorkehrungen im Grünen Gewölbe gut kennt. Dass die Täter anscheinend derart leichtes Spiel hatten, schockiert den Juwelier daher: „Ich hätte gedacht, da gibt es keine Chance. Und doch sind sie reingekommen.“

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Vorwürfe erhebt Leicht nicht gegenüber der Museumsleitung, sondern gegenüber der Dresdner Polizei. „Wie kann es sein, dass es in diesem Gebiet mit der Semperoper, dem Grünen Gewölbe und dem Taschenberg-Palais keine Bestreifung gibt, die in zwei Minuten da ist? Das ist für mich der eigentliche Skandal!“ Man müsse sich fragen, „ob wir überhaupt in der Lage sind, unsere großen Kunstschätze zu schützen.“

Agosi-Chef eher besorgt durch Goldraube

Große Werte lagern auch in den Tresoren von Pforzheims Scheideanstalten. Franz-Joseph Kron hat als Vorstandsvorsitzender der Agosi eine etwas andere Perspektive auf den Raub. „Ich halte das für einen sehr ungewöhnlichen Vorfall“, sagt er.

In dieser Klasse von Überfällen seien Goldtransporte eher Ziele als Museen. Im Juli erst wurden bei einem Überfall in São Paulo 750 Kilo Gold an einem Flughafen erbeutet. Im August gab es einen Vorfall in einer mexikanischen Münze. „Wir beobachten derartige Fälle intensiv“, betont Kron.

Da werde dann auch das eigene Sicherheitskonzept überprüft – nicht so beim Dresdner Raub. Zumal die Sicherheitsvorkehrungen, allein schon aufgrund der Tresore, bei Scheideanstalten andere seien: „Ich glaube nicht, dass Derartiges bei uns möglich wäre.“