ERNSTE GESICHTER: Chefarzt Thushira Weerawarna (links) und weitere Siloah-Verantwortliche im Gespräch mit dem Pforzheimer Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum (rechts). | Foto: str

Siloah-Klinikum

„Wir haben Respekt vor Corona, aber keine Angst“: So laufen die Vorbereitungen in Pforzheim

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Am Siloah-Klinikum kämpft ein 53-jähriger Pforzheimer um sein Leben. Chefarzt Thushira Weerawarna und sein Team erwarten weitere schwere Fälle. Auch aus dem Elsass nimmt die Klinik Patienten auf, weil französische Kliniken überlastet sind. Dennoch gibt sich der Lungenspezialist gelassen, man sei in Pforzheim gut vorbereitet. Er sagt: „Wir haben Respekt vor Corona, aber keine Angst.“

Für Chefarzt Weerawarna ist die Sache klar. Es seien Situationen wie diese, für die die Ärzte und Pflegekräfte im Siloah-Klinikum nun einmal ausgebildet wurden. „Wir wollen helfen, und wir können das auch“, sagt der 51-jährige Lungen- und Beatmungsspezialist. Seit 15 Jahren ist er am Siloah, seit drei Jahren als Chefarzt. Gemeinsam mit Oberarzt Cornelius Ehmann koordiniert er die Corona-Behandlung des Krankenhauses.

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Am Dienstagvormittag nahm das Corona-Team vom Siloah einen beatmungspflichtigen Patienten von der Uniklinik Straßburg in Empfang.  Ein Hubschrauber des französischen Zivilschutzes landete gegen 11.30 Uhr auf dem Dach der Klinik. Darin ein 73-jähriger Mann, der in Frankreich nicht mehr beatmet werden konnte. Bis zum Abend wurde ein weiterer Elsässer (69) eingeliefert.

Für uns als christliches Krankenhaus ist es eine ethisch-medizinische Verpflichtung, unseren Nachbarn zu helfen.

Siloah-Chefarzt Weerawarna

Baden-Württemberg hatte sich vor einigen Tagen bereit erklärt, insgesamt zehn Patientinnen und Patienten aus den stark betroffenen Grenzregionen Frankreichs aufzunehmen.

Der Pforzheimer Chefarzt erklärt: „Die Kapazitäten in den elsässischen Kliniken sind überlastet. Für uns als christliches Krankenhaus ist es eine ethisch-medizinische Verpflichtung, unseren Nachbarn zu helfen.“

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In Frankreich werden aktuell nur jüngere Patienten an die begrenzten Beatmungsmaschinen angeschlossen. Weerawarna: „In Mühlhausen liegt die Beatmungsgrenze bei 65 Jahren.“ Zudem sei der Zeitpunkt ideal. „Wir haben alle Vorbereitungen für die Behandlung von Corona-Patienten abgeschlossen.“

53-jähriger Pforzheimer kämpft um sein Leben

In dem vom Evangelischen Diakonissenverein getragenen Krankenhaus mit 500 Betten lagen bis Dienstagabend insgesamt vier Corona-Patienten auf der isolierten Corona-Intensivstation. „Dort haben wir derzeit zwölf Covid-Plätze, die wir schnell auf 30 Plätze ausbauen können“, so der Lungenspezialist. Neben den beiden Franzosen werden dort zwei Pforzheimer beatmet: zwei Männer,  einer davon ist 53 Jahre alt und kämpft seit einer Woche um sein Leben.

Die Situation begreifen wir auch als Chance, mehr über das Virus zu lernen.

Siloah-Chefarzt Weerawarna

„Die Situation begreifen wir auch als Chance, mehr über das Virus zu lernen“, sagt der gebürtige Sri Lanker, der keineswegs Entwarnung geben will, was die erwarteten Fallzahlen anbelangt. „Die Kurven haben eine Ähnlichkeit mit Italien. Nur, dass wir zwei bis drei Wochen später dran sind.“

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Allerdings sei man in Deutschland und Pforzheim wahrscheinlich besser vorbereitet. „Wir sind extrem gut geschult und haben das große Glück, dass wir etwa drei Wochen Vorlauf haben.“ Das bestätigt auch Klinikdirektor Ulrich Schulze. Seit Wochen werde die Organisation optimiert. Zwölf Intensiv-Plätze stehen für Covid-Patienten bereit. „Bei Bedarf kann das schnell auf 30 aufgestockt werden.“

Ärztlicher Direktor René Gust (rechts) erklärt die Vorbereitungen am Siloah. | Foto: str

Unkonventionelle Corona-Vorbereitung am Siloah

Zur Vorbereitung am Siloah gehören auch unkonventionelle Maßnahmen. Ärztlicher Direktor René Gust: „Auf Youtube gibt es Videos aus Las Vegas, die zeigen, wie mit einem Beatmungsgerät vier Patienten beatmet werden können.“

US-Ärzte hatten sich diesen Kniff ausgedacht, als nach dem Amoklauf in der Glücksspielstadt mehr als 100 Schwerverletzte zu versorgen waren. Im Siloah-St.-Trudpert-Klinikum machte sich am Dienstag auch Gunther Krichbaum (CDU) ein Bild von den medizinischen Vorbereitungen. Der Bundestagsabgeordnete war sichtlich beeindruckt.

Für Berlin gab Chefarzt Weerawarna dem Abgeordneten eine große Bitte mit auf den Weg: „Wenn Sie Gesundheitsminister Spahn treffen, sagen Sie ihm, dass wir weitere Schutzbekleidung brauchen.“