Auf dem Wochenmarkt fühlt sich OB Gert Hager wohl. Wenn er nicht gerade im Wahlkampf um Stimmen wirbt – hier im Gespräch mit Hilde Renschler“ –, erledigt er dort mit Frau und Hund auch gerne seine Einkäufe. | Foto: Wacker

Gert Hager wirbt um Pforzheim

„Wir schwätzen halt miteinander“

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Ein wenig irritiert sieht die junge Pforzheimerin den großen Mann an, der sie gerade aus ihren Gedanken gerissen hat. „Darf ich mit ihnen über die Wahl sprechen?“, fragt er. Die Frau mit dem gefüllten Einkaufskorb stutzt und muss plötzlich lachen. „Ach, Sie sind das. Ich hab Sie so gar nicht erkannt. Grüße Sie, Herr Hager.“ Der Oberbürgermeister macht Wahlkampf auf dem Wochenmarkt. Für die heiße Phase vor der Wahl am 7. Mai hat sich der Amtsinhaber frei genommen. Der feine Anzug, in dem er von den Wahlplakaten lächelt, bleibt an diesem Morgen im Schrank. In Trekkingschuhen, Pulli überm Karohemd und Outdoorjacke geht Gert Hager auf Stimmenfang. Gewählt hat er sein Outfit bewusst. Er wolle sich als Mensch präsentieren und so als Sieger aus der „Persönlichkeitswahl“ hervorgehen.

Am Turnplatz macht der OB gerne Wahlkampf

„Ich mache wahnsinnig gerne Wahlkampf, da ist man direkt bei den Themen und beim Bürger“, betont der OB. Nach einer Stunde auf dem Turnplatz will er noch auf den Haidach und gibt zu: „Ich kann nicht einschätzen, wie es dort läuft.“ Sein Publikum auf dem Turnplatz hingegen kenne er. Der sei die Kommunikationsstätte schlechthin, ein Muss für den Wahlkampf. Mit Frau Sabine und Hund Timmy ist Hager sonst privat hier. Vorstellen muss er sich kaum einem. Meist wird der OB selbst angesprochen, während er behäbig zwischen duftendem Flieder und frischem Gemüse umhergeht, die Wahlflyer fest in den Händen. Für manchen Pforzheimer gibt es am frühen Morgen nicht nur einen festen Händedruck, sondern eine herzliche Umarmung. Hilde Renschler hat bereits ein paar Minuten gewartet, um mit dem Mann zu sprechen, der seit acht Jahren die Geschicke der Goldstadt lenkt. Die Entwicklungen zum Stadion und den Vereinen liegen ihr am Herzen. „Ihr Enkele spielt Fußball, nicht wahr“, sagt Hager. Renschler nickt und macht ihrem Ärger Luft. „Da will man Großstadt sein und ist blamiert mit solchen Dorfvereinen“, sagt sie. Hager nickt geduldig. Ihre Kritik nehme er mit, antwortet er in breitem Pforzheimerisch. Renschler bedankt sich. Kein Thema, meint Hager: „Wir schwätzen halt miteinander.“

Kritik und Zuspruch für den Amtsinhaber

„Ich habe schon Briefwahl gemacht. Und Sie gewählt“, ruft ein Mann dem OB im Vorbeigehen mit nach oben gerecktem Daumen zu: „Wen auch sonst.“ Hager lächelt und zuckt zufrieden mit den Schultern. Anderen Passanten fällt durchaus eine Alternative ein. „Brötzingen hat er verloren“, raunt ein Pforzheimer. Dort habe die CDU dem SPD-Mann den Rang abgelaufen. „In acht Jahren kann man es leider nicht allen recht machen“, sagt Hager. Dennoch gibt sich der OB siegesgewiss. Sorgen mache er sich zumindest nicht. „Aber ich nehme die Sache sehr ernst.“ Generell gehe es ihm aber darum, dass möglichst viele Bürger zu den Urnen gehen. „Demokratie ist ein so kostbares Gut.“ Im Gespräch kann der OB mit Zahlen punkten, er kennt seine Stadt.
Aber auch Kritik bekommt Hager zu hören. „Ständig geben alte Geschäfte in der Innenstadt auf. Am Ende zieht noch eine Dönerbude ein“, beschwert sich ein Mann. „Schwieriges Thema“, sagt Hager. Ein Marktbeschicker drückt dem Kandidaten einen Becher mit frisch gepresstem O-Saft in die Hand: „Zu Stärkung.“ Und Hager sieht sich bestärkt. „Man bekommt von den Pforzheimern einfach auch etwas zurück“, stellt er fest, trinkt den Saft in wenigen Zügen aus und wirbt weiter. „Wissen Sie, dass am 7. Mai Wahl ist?“, fragt er einen älteren Herrn. „Ich weiß, dass Sie gewählt werden wollen“, entgegnet der mürrisch, läuft weiter – und steht kaum später doch wieder vor Hager. Er habe gar keine Wahlunterlagen erhalten. Hager gibt ihm prompt Mailadresse und Ansprechpartnerin. „Da schreiben Sie hin. Und sagen schöne Grüße von Ihrem OB.“