Das erste Absperrband bei der Bombendrohung am Mittwoch in Pforzheim riegelte den Marktplatz ab, während städtische Mitarbeiter das Rathaus verließen. | Foto: Edith Kopf

Ziel der Aktion unklar

Woher kam die Bombendrohung gegen das Pforzheimer Rathaus?

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Nach einer Bombendrohung gegen das Pforzheimer Rathaus ermitteln Cybercrime-Experten der Polizei. Die Drohung kam per E-Mail vom Absender „Der Widerstand“. Zur selben Zeit gingen solche Mails am Mittwoch auch in Erfurt und Zwickau ein.

„Der Widerstand“ hat eine breite Basis von links über Windkraftgegner bis ganz rechts. Dies ist laut Polizeisprecher Frank Otruba eines der ersten Ergebnisse bei den Ermittlungen zu der Bombendrohung, die am Mittwoch zu einer Evakuierung des Rathauses führte.

Die Warnung war per E-Mail mit diesem Absender nicht nur in Pforzheim, sondern wortgleich auch in Zwickau und in Erfurt eingegangen. Kriminalpolizisten aus den drei Städten arbeiten jetzt eng zusammen bei der Aufklärung – in Pforzheim bislang unter der Federführung des Staatsschutzes.

Ob das so bleibt oder ob das Bundeskriminalamt die Ermittlungen zu den Bombendrohungen gegenüber Kommunalverwaltungen in ganz Deutschland an sich zieht, sei noch offen. Die Abfolge der Ereignisse legt nahe, dass es dazu kommen wird.

Pforzheimer Verwaltung war auf eine Bombendrohung gut vorbereitet

Bereits im März wurden Verwaltungen – zum Beispiel in Zweibrücken – aufgeschreckt durch eindeutige Ansagen gegen das Leben der Mitarbeiter. Im Pforzheimer Rathaus nahm man das laut Pressesprecher Philip Mukherjee zum Anlass, im April einen größeren Stab einzuberufen und ein derartiges Szenario durchzusprechen.

Gute Vorbereitung ist alles, können die Verantwortlichen jetzt bilanzieren. Sie haben bei dem Termin im April beispielsweise die Notfallpläne aktualisiert, die fußläufig erreichbaren Sammelplätze EMMA, Theater und – das jetzt hauptsächlich genutzte CCP für solche Fälle festgelegt.

„Vorzüglich“ lief aus Sicht der Polizei die Alarmierungskette. Das lag nicht nur daran, dass der OB als gelernter Polizist genau wusste, was zu tun ist, und die Nerven behielt.

Hilfreich insbesondere für die Evakuierung der drei Rathausgebäude binnen zehn bis 15 Minuten war auch, dass die Bombendrohung von der Poststelle aufs Handy des OB in die Amtsleitersitzung platzte. Dadurch wusste jeder: „Das ist ernst.“ Entsprechend wurde darauf geachtet, dass alle draußen sind. Personalchef Bernhard Enderes prüfte abschließend jeden Raum im Rathaus, so Mukherjee.

Sprengstoffhunde waren im Einsatz

Rathaus-Mitarbeiter, die von einer Übung ausgingen und am Schreibtisch blieben, gab es keine, stellte auch die Polizei fest, als sie nach der Entwarnung mit einem Sprengstoffhund kontrollierten. Das Tier aus der Dienststelle Pforzheim hätte sich ganz still hingesetzt, hätte es etwas Verdächtiges erschnüffelt. Das unterscheidet es von den Artgenossen, die bei der Polizei auf Drogen oder Leichen spezialisiert sind. Freudig mit dem Schwanz wedeln ist tierischen Sprengstoffexperten nicht erlaubt.

Die Supernasen waren auch in Zwickau und Erfurt im Einsatz, ohne dass sie sich still hinsetzten. Dort gab es im Gegensatz zu Pforzheim noch nicht einmal den in der E-Mail angekündigten schwarzen Sportrucksack. Dass der in Pforzheim gefundene ebenfalls nichts mit der Bombendrohung zu tun hatte, stellte sich wie berichtet erst später raus.

Gegen was richten sich die Bombendrohungen?

Entscheidend ist jetzt für die Polizei, ob es Verbindungen mit Zwickau und Erfurt gibt. Auch Düsseldorf, wo es am Mittwoch ebenfalls eine Bombendrohung gab, werde mit einbezogen. Ob auch dort eine E-Mail gleichen Inhalts einging, sei bislang aber nicht geklärt, erläutert Polizeisprecher Otruba weiter.

Mit der Suche nach Herkunft und Urhebern der Pforzheimer E-Mail sind „Cybercrime-Spezialisten“ der Polizei beschäftigt. Auf Informationen aus der Bevölkerung können sie laut Otruba bislang nicht zurückgreifen. „Der Widerstand“, der noch in keine Polizeiakte einging, scheint auch sonst eher unbekannt zu sein. Die Frage, gegen was er sich richtet, ist auch offen.