Eine Erinnerung an die Eltern ist für Julius Stockert nicht nur deren Hochzeitsfilm, sondern auch die Plakette, die die beiden damals geschenkt bekamen. | Foto: eko

Eine Hochzeit in Pforzheim

„Zurückgespult“ ins Jahr 1935

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In einer kleinen, beigen Pappschachtel steckt für Julius Stockert aus Eutingen eine wertvolle Erinnerung: Es ist die Hochzeit seiner Eltern Julius Valentin und Melanie Luise am 31. August 1935 in der Pforzheimer St.-Antonius-Kirche. Nachdem er von der BNN-Aktion „Zurückgespult“  gelesen hat, habe er sich zu Hause auf die Suche nach historischen Aufnahmen gemacht – und ist fündig geworden. Sein Film ist der erste, der nun in der Redaktion des Pforzheimer Kurier angekommen ist.

Hier dürften ungefähr zehn Minuten drauf sein

„Hier dürften ungefähr zehn Minuten drauf sein“, erklärt der 79-Jährige und rollt dabei ein Stück von dem schwarzen Super-8-Film ab. „Darauf zu sehen sind meine Eltern während der Hochzeit in der Kirche und natürlich auch einige von der Familie“, sagt Stockert. „Ich dachte aber, diese Aufnahme könnte wegen der St.-Antonius-Kirche auch für viele Pforzheimer interessant sein. Schließlich sieht man da auch einiges von der Architektur.“ Wer den Film gedreht hat, wisse er allerdings nicht. „Es könnte mein Onkel gewesen sein“, vermutet er.

Video Hülle
Vor rund 20 Jahren hat Julius Stockert aus dem Hochzeitsfilm seiner Eltern von 1935 einen Super-8-Film machen lassen. | Foto: fre

Um den Film zu sichern, habe er ihn bereits vor ungefähr 20 Jahren bei Foto Glaser in Pforzheim von einem 35-Millimeter- auf einen Super-8-Film übertragen lassen. „Das Original habe ich gut verwahrt zu Hause.“ Auch eine Plakette, die seine Eltern zur Hochzeit bekommen hatten, besitzt er noch. „Der Bildhauer P.P. Pfeiffer war ein Freund meines Vaters. Der hat sie gemacht und den beiden geschenkt.“ Rund zwei Jahre nach der Hochzeit der Eltern wurde Stockert geboren. „Meinen Vater habe ich aber gar nicht mehr gekannt, er ist bereits zwei Wochen nach meiner Geburt gestorben“, sagt er. Gelebt und gearbeitet habe er schon immer in der Goldstadt. Stockert ist also ein Ur-Pforzheimer. „Den 23. Februar habe ich miterlebt, da war ich gerade mal acht Jahre alt“, erzählt er. Bis zu seinem Ruhestand hat er als Frauenarzt gearbeitet, seine beiden Töchter haben es ihm gleichgetan. „Beide haben mittlerweile ihre eigene Praxis in Pforzheim.“

Ich sitze gerade eigentlich jeden Tag am Filmabspielgerät

Stockert würde gern noch weitere Filme finden, auf denen das alte Pforzheim zu sehen ist. „Ich sitze gerade eigentlich jeden Tag am Filmabspielgerät, suche und schaue alles durch, was ich noch zu Hause habe.“ Bisher habe sich nur das Hochzeitsvideo gefunden. Also zumindest, wenn es um Pforzheim geht. Filme von früher hat Stockert nämlich noch einige. „Als Schüler und nach dem Abitur hatte ich eine eigene Kamera und habe eigentlich recht viel gefilmt“, erzählt er. „Ich hatte sie auch bei einer Reise nach Griechenland mit dabei. Da habe ich das halbe Land gefilmt“, sagt er und lacht. „Diese Aufnahmen habe ich natürlich auch noch bei mir zu Hause.“ Ein wirklicher Hobby-Filmer sei aus ihm allerdings nicht geworden. Irgendwann während des Studiums sei es dann vorbei gewesen mit der Filmerei. Aber die Erinnerungen auf den kleinen Rollen bleiben natürlich.

Die BNN suchen für das Video-Projekt „Zurückgespult“ noch bis zum 29. April historische Filmaufnahmen aus den 30er- bis 80er-Jahren aus dem Verbreitungsgebiet. Filme können entweder in allen Geschäftsstellen der BNN abgegeben oder auch per Post eingeschickt werden an Badische Neueste Nachrichten, Aktion „Zurückgespult“ 76147 Karlsruhe. Die gebührenfreie Hotline ist werktags von 7 bis 17 Uhr unter der Nummer (0800) 1110211 zu erreichen.