Stefan Mappus (CDU)
Stefan Mappus (CDU), ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Das Direktmandat im Wahlkreis Pforzheim wurde zuletzt von ihm geholt. In der CDU wird nun um sein Erbe als Landtagskandidat gerungen. | Foto: Marijan Murat/dpa

Landtagswahl 2021

Zweikampf um Mappus-Erbe bei der CDU Pforzheim

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Partei-Strippenzieher gegen Kunst-Provokateur: Bei der CDU im Wahlkreis Pforzheim zeichnet sich der illustre Kampf zweier Stadträte um die Landtagskandidatur ab. Nach Andreas Sarow (45) machte am Wochenende auch Philipp Dörflinger (23) seine bereits erwarteten Absichten öffentlich. Wer kann den Wahlkreis für die CDU gewinnen, was zuletzt Ministerpräsident Stefan Mappus gelang?

Kuriosität am Rande: Dörflinger kandidierte 2019 gegen seine eigene Partei, die CDU,  und zwar auf der „Jungen Liste“ – was bei einigen Parteifreunden schlecht ankam. Taktisch erfolgreich war der Schachzug: Mit seinen rund 8.200 Stimmen hätte es Dörflinger auf der CDU-Liste nicht für einen Sitz im Pforzheimer Gemeinderat gereicht.  Sein durch urbane Kunstaktionen bekannter Konkurrent Andreas Sarow kam auf der CDU-Liste auf rund 14.400 Stimmen.

Mappus-Nachfolge angestrebt

Ihre Bilanz als Volksvertreter ist bisher gleich: fünf eher unauffällig absolvierte Ratssitzungen. Im März 2021 wollen die beiden nun den Wahlkreis 42 für die CDU erringen. Das gelang zuletzt einem gewissen Stefan Mappus, dem damaligen Ministerpräsident von Baden-Württemberg, zehn Jahre zuvor.

Die bislang letzte Pforzheimer Christdemokratin im Stuttgarter Parlament war Mappus-Nachrückerin Marianne Engeser, die kürzlich ihren Verzicht auf eine Bewerbung im kommenden Jahr erklärte.

Wie stehen die Chancen für die nächste Legislatur? Dörflinger gilt parteiintern als aussichtsreicher. Der 23-Jährige verfügt über viel Erfahrung als Parteinetzwerker. Dass er mobilisieren und strippenziehen kann, bewies er 2016 bei seiner Wahl zum Kreischef der Jungen Union (JU), für die er nach alter Schule etliche Neumitglieder geworben habe, wie man im unterlegenen Lager heute noch schimpft.

Kampagnen für CDU und Peter Boch

Als Sohn des Stadtverbandchefs Thomas Dörflinger ist er in Parteistrukturen aufgewachsen. Als Kommunikationsstudent gestaltete er 2017 die erfolgreiche Wahlkampagne für OB Peter Boch. Die Leidenschaft für Kampagnen hat Dörflinger inzwischen zum Beruf gemacht. Gemeinsam mit seinem JU-Freund Clemens Sadler gründete er die Agentur „Campaigners Network“. Auf deren Website werden prominent Kampagnen mit CDU-Bezug genannt sowie die Smart City von OB Boch.

Philipp Dörflinger (Junge Liste) | Foto: pr

Intellektueller Provokateur

Mitbewerber Sarow ist zwar doppelt so alt, doch in Parteiangelegenheiten eher Neuling. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit ist der Architekt, Immobilienunternehmer und Künstler („Schwarze Villa“) dennoch beschlagen. In der Volkspartei schätzt man Sarows intellektuelles Profil, seine Aktionen sind der Basis aber manchmal zu provokant. So gab es Ärger, weil der Neu-Stadtrat seinen Lamborghini vor dem Rathaus im Halteverbot parkte und das quasi zur Kunstaktion erklärte. Oder weil er während einer Ratsklausur ein Bild aus einem Hotel-Whirlpool postete – mitten in der Bäderkrise. Mit im Pool saß übrigens: Philipp Dörflinger.

Streit um «Schwarzes Haus» beendet
Andreas Sarow (CDU) | Foto: Uli Deck/Archivbild

Bis zur Nominierung am 27. März können die Kandidaten nun ihre Vorzüge auf drei Regionalkonferenz herausstellen. Die CDU dürfte dabei auch auf die anderen Parteien blicken. Etwa zu den hoch gehandelten Grünen. Dort strebt mit Felix Herkens ebenfalls ein politisches Talent das Mandat an. Der 24-Jährige sitzt seit 2016 im Gemeinderat und ist inzwischen Fraktionschef der Bündnis-Grünen. Auch er hat bereits einen bekannten parteiinternen Gegenkandidaten.

Kritik an mangelnder Berufserfahrung

Trotz aller Frische der jungen Aspiranten: Kritiker bemängeln bei Herkens wie Dörflinger ein erhebliches Gefälle zwischen politischer und beruflicher Erfahrung. Träten die Jungspunde gegeneinander an, wäre die AfD beim Direktmandat wieder der lachende Dritte, heißt es. Ob Direktmandatsinhaber Bernd Grimmer (69) erneut kandidiert, ist noch ungewiss. Das sei aber gar nicht wichtig, so ein erfahrener Wahlkämpfer mit Blick auf das stabile Protest-Potenzial der Rechtsaußen. „Bei der AfD ist es doch egal, wen die aufstellen.“