Bierflaschen
Zur Flasche greifen ist für viele Suchtkranke der letzte Ausweg, der ihnen noch bleibt. Ihre Leistungsfähigkeit nimmt infolge des Konsums rapide ab, Fehler passieren und dann geht der Arbeitsplatz verloren | Foto: Alexander Heinl/Archivbild

Jahresbericht Fachstelle Sucht

Alkohol bleibt im Landkreis Rastatt häufigstes Suchtmittel

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Die Zahl der Menschen, die bei der Fachstelle Sucht des Landkreises Rastatt und Stadtkreises Baden-Baden im vergangenen Jahr Hilfe gesucht haben, ist leicht zurückgegangen. Waren es 2017 noch 1 525 Personen, so meldeten sich 2018 1 436 Klienten, um Hilfe bei einer Suchterkrankung zu finden.

Von unserer Mitarbeiterin Martina Holbein

Erfreulich, so Wolfgang Langer, sei aus Sicht der Fachstelle, dass die Zahl der Frauen unter den Hilfesuchenden leicht angestiegen sei. Nach wie vor das häufigste Suchtmittel ist der Alkohol, dessen Missbrauch im Jahr 2018 53 Prozent der Klienten zur Fachstelle Sucht brachte, 2017 waren es noch 50 Prozent.

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Anstieg bei über 50-Jährigen und Jugendlichen

Einen Anstieg konnte er sowohl bei den über 50-Jährigen wie auch bei den jugendlichen Konsumenten feststellen. Die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund bewegt sich auf dem selben Level wie die einheimische Bevölkerung. Leicht zurückging der Missbrauch von illegalen Drogen (von 34 auf 33 Prozent).

Die Spielsucht hat sich bei sechs Prozent eingependelt und die Zahl der Menschen mit Medikamentensucht liegt bei einem Prozent. „Hier dürfte die Dunkelziffer besonders hoch sein“, vermutet Wolfgang Langer, „weil es den Menschen nicht so einfach wie beim Alkohol anzusehen ist, ob eine Sucht vorliegt“.

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Noch nicht in der Statistik: Mediensucht

Ein Thema, das ebenfalls weiter zunimmt, aber in der Statistik noch nicht erfasst ist, ist die Mediensucht. Sie ist, so der Leiter der Fachstelle Sucht, ab dem 1. Januar eine eigene Diagnosestellung. Nicht zu vergessen sind auch die Angehörigen, die von der Sucht betroffen sind. Sechs Prozent sind es im Gebiet der Fachstelle Sucht Rastatt-Baden-Baden, das heißt, bei 150 Suchtkranken sind Familienangehörige betroffen.

Auch deswegen richtet die Fachstelle Sucht eine dritte Schwalbengruppe ein, die sich speziell um Kinder von suchtkranken Eltern kümmert. „Um sie müssen wir uns besonders sorgen, denn ein Drittel hat als Erwachsener ebenfalls Suchtprobleme und zwei Drittel kämpfen mit anderen psychischen Störungen“.

Folgekosten erheblich

Diese Folgekosten und die Folgekosten von Suchterkrankungen sind für die Volkswirtschaft erheblich. Erst funktionieren die Menschen, dann nimmt die Leistungsfähigkeit rapide ab. Fehler passieren, der Arbeitsplatz geht verloren, die öffentliche Hand muss sich kümmern. „Hinter vielen Langzeit-Arbeitslosen steht eine Suchterkrankung“, so Wolfgang Langer, der auch vorrechnet, dass Suchterkrankte, die durch eine Reha wieder fit wurden, die Kosten für diese als Erwerbstätige schnell erwirtschaften können.

Angesichts der Kosten sei die Prävention ganz wichtig. Die Fachstelle Sucht bietet dazu verschiedene Projekte zu unterschiedlichen Problemstellungen an, geht in Betriebe und in Schulen. Das Netzwerk zwischen der Fachstelle, den Jobcentern, Polizei und Justiz, Sozialamt, andere sozialen Einrichtungen sieht er als tragfähig.

„Wir können den Betroffenen Hilfen anbieten, die es ihnen ermöglichen, in ihrem Leben wieder Fuß zu fassen“. Dabei wird jeder Suchtkranke individuell angeschaut, ebenso sein soziales Umfeld, um die Hilfe speziell auf seine Situation zu zuschneiden.

„Die öffentliche Hand bietet da vielfältige Programme“, so Wolfgang Langer. Dazu gehört auch ein Projekt, das sich die psychische Belastung am Arbeitsplatz vornimmt.

Service
Ab dem 4. November ist die Fachstelle Sucht, Standort Rastatt, im ersten Obergeschoss der Kaiserstraße 20.